Zweifach zum Nachdenken: Ohne Worte mit tausend Gedanken :-(

Ein Mensch löscht mit einem Knopfdruck 150 Menschenleben aus. Zerstört Familien, Zukunft und Träume von tausenden Menschen. Macht Millionen sprachlos. Macht ohnmächtig, ratlos, stumm.
Gerüchte verbreiten sich, Vermutungen werden angestellt. Doch die Frage, die schnell und auch berechtigt gestellt wird: „Wie konnte so etwas passieren?“

Es liegt auf der Hand, dass der Co-Pilot massive psychische Probleme gehabt haben muss, denn ein „gesunder“ Mensch, dem es so „gut“ geht, wie „Angehörige“ berichten, ist dazu nicht fähig. Vor jeder Explosion gibt es Warnzeichen, doch die werden überhört, übersehen, übertönt. Wir leben in einer Gesellschaft, wo Schwäche nicht mehr tragbar ist. Wo wir keine Zeit mehr haben, sich Zeit zu nehmen. Wo psychische Probleme einfach unter den Teppich gekehrt, negiert werden. Wo es eine Pille für und eine Pille gegen alles gibt. Wir hören nicht mehr zu – wir lenken ab. Wir geben keinen Halt mehr – wir halten aus. Wir haben einfach verlernt, uns selbst nahe zu sein.

Und die wundervolle Geschichte vom „immer netten, höflichen, aber stillen Menschen“ gibt es nicht. Sie ist ein Märchen, dass all jene gerne glauben und erzählen, die ebenfalls weggeschaut hatten. Nämlich vor der wahren Person. Kein Mensch ist immer nur gut und lieb und nett. Es gibt feine Nuancen, die man unterscheiden kann, wenn man nur wirklich offen dafür ist, für alle Facetten eines lieben Angehörigen. Nicht nur für jene, die man gerne an ihm hätte. Nicht nur für jene, die ein Zusammensein leicht machen.

„Perfekt“ sein lernt man. „Perfekt“ sein muss man. „Perfekt“ ist man nicht gerne und selten freiwillig.

Ich möchte diese Tragödie nicht im Geringsten „schön reden“ oder auch nur annähernd verständlich erscheinen lassen. Ich möchte nur sagen, dass dieser junge Mann, der 150 Menschenleben genommen hat, ziemlich sicher ein sehr einsamer, trauriger, verzweifelter Mann war, der dringend Hilfe gebraucht hätte. Der wie Millionen andere Menschen psychische Probleme hatte. Es muss Jahre gedauert haben, dass ein Mensch zu solch einer Tat fähig geworden ist.

Psychische Probleme sind keine Schande! Kein Grund wegzuschauen! Sie sind behandelbar!

Mein tiefstes Mitgefühl an alle Hinterblieben der Opfer und an alle, die ihr Leben wegen der Entscheidung eines einzigen Menschen viel zu früh lassen mussten.

R.I.P.

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Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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