Psychologie zum Mitnehmen: Unterschied zwischen Schizophrenie und Multipler Persönlichkeit!

„Der hat ja eine gespaltene Persönlichkeit.“ „So, wie sich die immer benimmt, ist die sicher schizophren.“ Na, was ist diese Person denn jetzt? Schizophren, oder gespalten in ihrer Persönlichkeit? Oder beides? Ich habe solche Unterstellungen, die von den Personen wahrscheinlich als Witz gedacht waren, schon sehr oft gehört. Hier und heute nutze ich die Gunst der Stunde, um aufzuklären, was denn der Unterschied zwischen einer „gespaltenen Persönlichkeit“ und einem „schizophrenen“ Menschen ist!

Schizophrene Menschen
Jemand, der an Schizophrenie leidet, hat nur einen Persönlichkeitsanteil und keine abgespaltenen. Diese Person leidet unter Wahnvorstellungen: Sie kann z.B. glauben, dass sie von jemandem verfolgt, abgehört, oder Teil einer Verbindung ist. Wichtig hierbei ist der Fakt, dass niemand sonst diese „Idee“ nachvollziehen oder bestätigen kann. Der Patient verflüchtigt sich also in seine eigene Welt, zu der sonst niemand Zugang hat. Es kann auch vorkommen, dass Bilder gesehen werden, Stimmen gehört, oder Gerüche wahrgenommen werden, die für sonst niemanden vorhanden sind. All diese Erlebnisse sind für die Betroffenen meist unangenehm. Oft haben die Betroffenen Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, keine Lust, irgendetwas (alltägliches) zu tun.
Eine Schizophrenie ist laut einer meiner Professorinnen nicht mehr rückgängig zu machen, wenn ein gewisser Stresspegel einmal überschritten worden ist. Als mögliche Ursachen gelten unter anderem biologische, genetische Faktoren, Stress und Umweltfaktoren.

Menschen mit einer multiplen Persönlichkeit
Wie der Name schon richtig andeutet, hat eine Person mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung mehrere Personen in sich. Diese Anteile können unabhängig voneinander „leben“. Diese Menschen haben jedoch keine verzerrte Realität: Sie erleben alles als „normal“ und „real“, nur halt aus der Sicht mehrerer Persönlichkeitsanteile. Die Anteile sind unterschiedlich alt und können sich auch verschieden äußern. Das bedeutet, wenn z.B. ein Anteil, der fünf Jahre alt ist, hervorbricht, kann dieser auch eine andere Stimme haben und sich auch wie ein Kind verhalten.
Hingegen kann sich ein „aggressiver, boshafter“ Anteil auch gefährlich verhalten, ohne dass die betroffene Person dies möchte. Der Anteil ergreift mehr oder weniger Besitz. Leute, die unter solch einer Störung leiden, wissen oft nicht, was die eine Person getan hat und sind oft überrascht, wenn sie z.B. Berichte darüber hören.
Der Grund für eine gespaltene Persönlichkeit liegt darin, dass sich bestimmte Anteile irgendwann „abgespalten“ haben, von der Person. Das kann beispielsweise vorkommen, wenn jemand wiederholt traumatische Erlebnisse in der Kindheit hat und dieses Kind psychisch nicht hätte überleben können, weil es einfach zu viel war, was passiert ist. Dann spaltet sich dieses verängstigte, belastete Kind ab. Es existiert jedoch weiter und kann jederzeit im Erwachsenenalter hervorbrechen, wenn es in emotionale Situationen kommt, die es an das Trauma erinnert. Gleich ist es mit anderen abgespaltenen Personen.

Genauer betrachtet, haben also Schizophrenie und multiple Persönlichkeiten nicht viel miteinander gemeinsam, außer unreflektierter, „lustiger“ Aussagen.

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© Nicole Inez

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9 Gedanken zu “Psychologie zum Mitnehmen: Unterschied zwischen Schizophrenie und Multipler Persönlichkeit!

  1. Wie meinst du den Teil mit „eine Schizophrenie ist nicht mehr rückgängig zu machen“?
    Es ist ja so, dass sich Schübe gut medikamentös in den Griff bekommen lassen. Außerdem gibt es schizophrene, die eine Psychose erleben und dann nie wieder. Andere hingegen sind chronisch psychotisch oder haben mehrere Psychosen. Der Artikel räumt mit gängigen Vorurteilen auf. Aber für einen Laien können MPSler wie Psychotiker wirken und umgedreht. Was noch ergänzt werden könnte wäre der Ursprung dieses Missverständnisses („Spaltungsirresein“ als Begriff für Dementia praecox)

    • Ich meine damit, dass Schizophrenie eine Erkrankung ist, die nicht mehr heilbar ist, wenn ein gewisser Stresslevel überschritten ist. Das heißt einmal = immer!
      Ich möchte mit meinem Artikel und meinem Blog weder psychisch Erkrankte, noch Spezialisten ansprechen, also hat er meiner Meinung nach genügend Tiefgang und Information für meine Zielggruppe! Wer sich näher mit seinen Erkrankungen auseinandersetzen möchte bzw. mehr wissen hat, der sollte einen Psychiater aufsuchen!

      • Wow, „einmal = immer“ gibt mir gerade keine Hoffnung.
        War ja nur eine Anmerkung, sorry das du dich auf den Schlipps getreten fühlst.
        Für mich als Betroffene war es dennoch mal gut zu wissen das andere darüber aufklären.

      • Ich fühle mich gar nichts. Ich will nur aufklären, wen ich ansprechen will (da dir das ganz offensichtlich nicht klar ist).
        Ich will mit diesem Artikel weder Hoffnung geben, noch nehmen, sondern Teil meines Wissens, welches ich erworben habe, weitergeben. Die Hoffnung kann sich jeder nur selbst nehmen, tut mir leid, das sagen zu müssen 😉

  2. Huhu! Toller Bericht! Bin weder das ein oder andere-allerdings bin ich in dieser Welt manchmal auch ganz schön zwigespalten 😉🙈 mein Bauch sagt ja, mein Hirn sagt nein. Psychologisch gesehen glücklicherweise nur menschlich bedingt😘

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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