Zweifach zum Nachdenken: Wo hast du deine Nester versteckt?

Früher, als wir selbst noch Kinder waren, haben wir die Nester gesucht, die uns unsere Eltern und unsere Verwandten versteckt haben. Mit vollem Eifer und Einsatz sind wir durch den Garten gelaufen, weil wir unbedingt alle Verstecke ausfindig machen wollten. Wir sind für unsere Geschenke sogar auf Bäume geklettert. Uns war kein Weg zu mühsam, weil wir wussten, dass etwas tolles auf uns wartet. Damals waren unsere Augen voller Glanz. Voller Hoffnung und voller Träume.

Jetzt sind wir erwachsen (zumindest laut Geburtsurkunde und ich hoffe auch, dass keine Kinder unter meinen Lesern sind – das wäre komisch) und haben uns selbst einige Nester versteckt. Doch nur noch wenige von uns sind daran interessiert, diese ausfindig zu machen. Wir sind froh, dass sie weg sind, diese Nester.
Die Nester, die mit unseren Schwächen befüllt sind.
Die Nester, die mit unseren Fehlern befüllt sind.
Die Nester, die mit Erlebnissen befüllt sind, die uns zutiefst verletzt haben.
Die Nester, die mit unseren Träumen befüllt sind, die zu mühsam wären, sie weiter zu verfolgen.
Die Nester, die mit Dingen befüllt sind, die die anderen nicht gerne an uns sehen, weil sie uns zu einer Persönlichkeit macht, mit der es nicht immer einfach ist.
Die Nester (bitte betreffendes selbst einfügen)

Lieber glauben wir daran, dass eines Tages der Osterhase kommt, um uns zu helfen. Um uns das zu bringen, was uns fehlt. Um uns das zu bringen, was wir so gerne hätten. Oder um uns sogar zu zeigen, was uns glücklich machen würde, weil wir es schon lange nicht mehr hinterfragen.
Ich glaube auch, dass viele von uns gar nicht mehr wissen, dass sie diese Nester einmal irgendwo versteckt haben. Und viele interessiert es einfach nicht mehr, selbst wenn sie wüssten, wo sie suchen müssten. Sie sind einfach müde geworden.

Der kindliche Glanz in den meisten Augen ist durch die Erfahrungen verschwunden. Wir glauben nicht mehr mit der wundervollen Naivität eines Kindes. Die Hoffnungen sind unter der Hektik des Alltags begraben. Wir glauben nur noch, was wir sehen und was uns gesagt wird. Die meisten Träume haben wir fliegen lassen, weil es viele Dinge gibt, die zwar minder glücklich machen, aber greifbar und real sind.

Es ist zwar eine traurige Wahrheit, aber ich muss sie jetzt öffentlich machen: Den Osterhasen gibt es nicht! Nur das Christkind oder den Weihnachtsmann (oder für alles Werbefans den Weihnachshasen).

Seine Wünsche und Sehnsüchte kann man sich nur selbst erfüllen. Das ist zwar mühsamer, aber sicherer. Doch dazu muss man sich auch für seine versteckten Nester interessieren und diese akzeptieren und als Geschenk seiner Persönlichkeit annehmen. Die Welt braucht mehr Erwachsene, die es niemals sein werden. Jenen, denen man in die Augen sieht und in die Lebendigkeit eines Kindes eintaucht. Ein Leben lang.

Alles Gute beim Suchen,
Eure Nicole

6a00d83451db8d69e20128770b65e0970c

©Nicole Inez

Advertisements

Ein Gedanke zu “Zweifach zum Nachdenken: Wo hast du deine Nester versteckt?

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s