11. Wo darf ich dir den roten Teppich ausrollen, mein Gebieter?

Da steht er nun, Peter Wichtig. Interessiert sich mehr für sich selbst, als ich mich für ihn. Spricht, als ob ich nicht da wäre. Geht aber scheinbar davon aus, dass ich so verliebt in ihn bin, wie er in sich selbst. Mit der Zeit vergesse ich, ob er mit mir oder doch eher mit sich selbst spricht. Mir wird langweilig, ihm noch immer nicht. Er ist sehr vertieft in sein Gespräch. Sein Selbstgespräch. Ich lackiere mir daweil in Gedanken meine Fingernägel, kaue sie mir ab und lackiere sie mir abermals. In meinem Kopf tun sich viele Dinge. Unabhängig davon nicke ich aus Höflichkeit. Ich frage mich, ob die Person mir gegenüber es merken würde, wenn ich eine Atemnot vortäuschen und umfallen würde. Aus purem Misstrauen, bleibe ich lieber aufrecht stehen.

Wovon handelt mein erster Absatz? Hm, ich glaube, ich meine damit arrogante Menschen. Leute, die so tun, als wären sie Heinz Fischer. Leute, die so von sich überzeugt sind, dass du eine kurze Zeit lang nicht sicher bist, ob es deine Unachtsamkeit war, dass du bisher noch nie etwas von ihnen gehört oder gelesen hast. Leute, bei denen du nach einer Begegnung fast ein schlechtes Gewissen hast, dass du sie gleich wieder vergessen wirst, wo sie dir doch die letzten drei Stunden von den Plänen ihrer eigenen Autobiographie erzählt haben. Leute, die dich nicht zu Wort kommen lassen. Außer du sagst etwas, was sie in ihrer (nicht vorhandenen Großartigkeit) bestätigt.

Was kann man denn tun, wenn man wieder einmal die Ehre hat, einen Bundespräsidenten-Verschnitt zu treffen?

1. Stell dich tot: Sofort und ohne große Umschweife. Tu einfach so, als wärst du erstarrt. Rolle dazu mit den Augen im Uhrzeigersinn – das wirkt zusätzlich unheimlich. Das wird ihn zwar dennoch nicht vom schwafeln abhalten, aber du wirkst weniger passiv.

2. Hol den roten Teppich hervor: Da arrogante Menschen so zahlreich sind, wie Pferde in Leberkäse, sollte man immer einen roten Teppich mit haben. Vorsorglich! Nach einer halben Stunde Geschwätz kannst du deinem Gegenüber anbieten, ihn für seine Arroganz einen Teppich auszurollen. Dann kann er darüber stolzieren und er lässt von dir ab, weil er ein neues Opfer gefunden hat: Den Teppich!

3. Stell eine Frage: Oder melde dich zu Wort. Beides kommt auf dasselbe raus. Peter Wichtig will nur selbst reden, aber nicht zuhören. Wahrscheinlich kann er das aufgrund seiner eigenen Großartigkeit nicht. Egal.

4. Führe eine Tanzaufführung auf: Nichts kommt besser in einem Gespräch, als plötzlich eine vorher einstudierte Choreografie aufzuführen. Da er es ohnehin nicht bemerken würde, ist es auch in Ordnung, wenn der Tanz nicht einstudiert ist. Hauptsache, du bewegst dich. Das ist gut für die Figur, habe ich mir sagen lassen.

5. Stelle folgendes Lied aus dem Jahr 1987 szenisch während seines Monologs dar:  https://www.youtube.com/watch?v=xeZjHr32GMQ. Es macht Spaß, glaube mir!

6. Wenn Inkompetenz UND Arroganz auf einmal auf dich treffen, hilft nur davonlaufen. Schnell, sofort und weit.

Unsichere Grüße,
Eure Nicole

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© Nicole Inez

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2 Gedanken zu “11. Wo darf ich dir den roten Teppich ausrollen, mein Gebieter?

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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