Wann wird’s Mal wieder richtig Psycho, so Psycho wie es früher einmal war?

Eigentlich sollte ich ja lernen. Es stehen drei Prüfungen an in den nächsten Wochen und diese sind Voraussetzung für das nächste Semester. Klingt lustig, oder? Nein, eh nicht.
Kurz gesagt: Sollte ich sie nicht schaffen, kann ich das gesamte nächste Semester damit verbringen, mir die Nägel in allen möglichen Farben zu lackieren und mir alle möglichen Flechtfrisuren machen, die auf instagram gepostet werden. (nur blöd, dass ich das beides nicht so gern tue). Warum könnte ich das? Wenn ich die Voraussetzungen nicht erfüllen sollte, dann kann ich einfach ein halbes Jahr lang laut Studienplan nichts machen. NICHTS!

Das geht nun schon seit ein paar Jahren so. Seit ich mich dazu entschlossen habe, dieses Studium zu beginnen: Fristen. Druck. Stress.Warten. Hoffen. Bangen. Prüfungsstress. die Ruhe nach dem Sturm. Ferien, Ferien, Ferien. wenig Geld. viel Aufwand. ein Fulltimejob, wenn man es ernsthaft betreibt. Theorien. Modelle. Hoffen, dass es besser wird. Dumme Sprüche wie: „Oje, jetzt muss ich aufpassen, was ich tu, jetzt werde ich von dir analysiert.“ Enttäuschung. Gewissheit, dass man „Psychologie“, wie man es sich vorstellt, NICHT studieren kann. Weitermachen, weil schon so weit gekommen. Fragen von Leuten, die noch nie eine Uni gesehen haben, wann man denn ENDLICH fertig sei. Psychologie studieren eben.

Ich würde ja wirklich lügen, wenn ich sagen würde, dass mich Psychologie an sich nicht interessieren würde. Es war auch lange Zeit so, mit schleichendem Verfall. Wie eine Beziehung, die nach der Verliebtheitsphase allmählich in die triste Realität mündet und man sich fragt: Woher kommt dieser fremde Mann in meinem Bett, warum schläft er seit Jahren in meiner Wohnung und wie werde ich ihn los? Doch was ich die letzten Semester mache, hat von meiner Auffassung von Psychologie absolut nichts mehr zu tun. Wie eben eine schlechte Beziehung. 😉

Ich sitze permanent vor irgendwelchen Skripten und lerne Modell für Modell auswendig. Die meisten Inhalte sind Fächer wie Statistik, Forschungsmethoden und Testverfahren. (Ich möchte nicht weiter ausführen, mein Magen ist sehr empfindlich) Da muss man dann nämlich seitenweise Zahlen interpretieren und diese Interpretation dann aufschreiben. Sonst habe ich in den letzten zwei Jahren gelernt, welches Hirnareal wofür zuständig ist und welche Krankheitsbilder es gibt. Letzteres war wirklich das einzig spannende. Achja und ich darf nicht vergessen: Die Geschichte der Psychologie. Wäre es die Geschichte des antilopischen Verdauungstrackts gewesen, hätte es mich ähnlich berührt, aber egal.

Zu den Studienbedingungen kann man sagen, dass man immer warten muss. Egal wann und worauf. Einfach warten. Zum Beispiel 6 Wochen auf ein Prüfungsergebnis, obwohl die Frist höchstens 4 Wochen betragen darf. Beschwerden sind schön, werden zu Kenntnis genommen und dann gemeinschaftlich abgelehnt, weil ja bekanntlich eine Hand die andere wäscht. Wenn man sich dann endlich wieder in einen Rhythmus gebracht hat, stehen wieder Ferien an (Früher habe ich Ferien wirklich geliebt, aber seit ich studiere bin ich allergisch dagegen). Ich habe mir Mal ausgerechnet, dass ich fast gleich viel frei habe, wie ich studieren. Natürlich ist diese Zeit dann nicht frei, man muss ja auch arbeiten und lernen. Wobei man eigentlich eher geballt lernen muss, weil es immer Prüfungswochen gibt, wo dann alles zusammenkommt.

Niemand klopft einen auf die Schulter, außer vielleicht am Monatsende die Bankberaterin, weil sie darauf hinweisen will, dass das Konto noch immer/schon wieder/warum auch immer noch immer im Minus ist. Man tut so viel und bekommt so wenig (da nehme ich jetzt andere Studiengänge nicht aus) und ist permanent dazu angehalten, sich selbst zu motivieren und zu organisieren. Ich schweife ab. So, wie die meisten Vortragenden in den Vorlesungen. Aber so bin ich auch schon wieder beim Thema:

Ansonsten gibt es auch Seminare oder Übungen. Da hockt man dann mit viel zu vielen Menschen in einem kleineren Raum als einem Hörsaal und tut so, als wäre diese Unterrichtsform jetzt praxisorientierter als die anfangs überfüllten und dann überhaupt nicht mehr besuchten Vorlesungen (zu denen es meist eh Prüfungsfragensammlungen gibt). Fast immer werden gruppenweise Referate gehalten, wo die Vortragsweise der Kollegen die eines Politikers gleichen (ausweichend, unvorbereitet, der gesamte Text auf den Folien (das machen Politiker nicht, ich weiß), und monoton).

Jeder fragt sich jetzt sicher, warum ich denn dann noch weiter studiere? Ganz einfach: Weil ich zu Ende bringe, was ich begonnen habe und weil es in meiner Realität bedeuten würde, ich hätte die letzten Jahre nichts getan. Mich geirrt in meiner Entscheidung und tausende Euro auf ein Konto eines Spam Mail-Verschicker überwiesen. Es wäre, als hätte ich jahrelang für einen Marathon trainiert, um dann beim Bewerb kurz vorm Ziel einfach stehen zu bleiben und zu sagen: „Ach, ich kann nicht mehr. Oder ich will nicht mehr. Aber egal, ich höre einfach hier und jetzt auf.“ Außerdem halte ich bis zu meiner Sponsion an dem Glauben fest: „Es wird noch spannend“.

Was ich aber schon kann, ist es, die Welt vor dem Psychologie-Studium zu warnen: Es ist bei Gott nicht das, was man sich darunter vorstellt. Die Jobchancen sind derzeit außerdem schlecht. Und selbst wenn sie gut wären, stünde zwischen dem Menschen und dem Psychologen ein Gutachten, eine Diagnose oder einfach eine Bewertung, anhand derer man dann mit dem Menschen arbeitet. Hinzu kommt, dass der Beruf des Psychologen in meinen breiten nicht sehr angesehen ist und mit einem riesigen Haufen von Vorurteilen behaftet ist.
Bis man mit der gesamten Ausbildung fertig ist, hat man bestimmt mehr Geld investiert, als bekommen: Denn die Anfangsjobs und Praktika sind entweder gar nicht oder komplett unterbezahlt. Vielleicht gibt es ja Leute, die dafür brennen. Burn out oder so 😉

Dafür, dass man sich mit immensen Problemen seiner Mitmenschen beschäftigt, sich in die Abgründe menschlicher Seelen begibt und dann nichts oder einen Hungerlohn bezahlt bekommt, quält man sich jahrelang durch Statistik, Zahlen und Fakten. Und neuronale Korrelate, Hirnareale, Defizite, Schwächen, Störungen und falls ich es noch nicht erwähnt habe: STATISTIK! Es soll Menschen geben, denen das gefällt. Gefällt mir. Solange ich es nicht sein werde.

Es gibt zwar auch schon Richtungen der Positiven Psychologie, die sich mit den Stärken und Ressourcen beschäftigt, aber bis es dazu eine universitäre Ausbildung gibt, bin ich 180,5 Jahre alt und da will ich dann mit meinen 10 Katzen meine Ruhe auf meiner einsamen Almhütte. Denn Tiere sind die wahren Freunde der Menschen und würden einen niemals verletzten (Das ist ein Zitat aus irgendeiner Reality Show, denke ich jetzt Mal, hahaha :-D). Wie auch immer. Ich zieh das durch!

Ernüchterte Grüße,
Eure Nicole
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©Nicole Inez

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18 Gedanken zu “Wann wird’s Mal wieder richtig Psycho, so Psycho wie es früher einmal war?

  1. Wie wäre es nach Deinem Psychologie Studium mit der Coaching Laufbahn? Ich beneide alle Psychologen um das Studium. Deshalb fange ich im Herbst ein nebenberufliches Masterstudium in Supervision, Organisationsberatung und Coaching an. Die Inhalte eignen sich für eine Selbständigkeit oder einen besseren Job im Personalwesens. Mach Dein Studium unbedingt fertig.

    • Hallo Ralf!
      Warum beneidest du die Psychologen für ihr Studium? Ich finde leider nicht sehr viele Punkte, bin aber gespannt, was du dir darunter vorstellst.
      Wo machst du denn dein Studium?
      Ich werde mein Studium auf jeden Fall fertig machen 🙂

      • Hallo Nicole, mein Studium mache ich an der Hochschule Kempten. Ein Coach oder Trainer mit Psychologie Studium tut sich leichter auf dem Markt Fuß zu fassen. Das Studium passt zu Management Beratung/Business Coaching. Da denkt man nicht an Quereinsteiger.

      • Hallo Ralph, Bei uns in Österreich ist die Jobsituation derzeit passabel bis schlecht. Zudem kann man hierzulande vergessen, als Psychologin mit Masterabschluss zu arbeiten. Hierzu braucht man unbedingt die Ausbildung zum Klinischen- oder Gesundheitspsychologen.

  2. Vor vielen, vielen Jahren wollte ich auch Psychologie studieren. Wenn ich das hier so lese, dann bin ich direkt froh, dass es nicht geklappt hat (wollte nicht warten). Kämpf dich durch! Du klingst so entschlossen und energiegeladen. Du schaffst das!

  3. Wie sind Deine Prüfungen denn ausgegangen? Hast Du Dich vielleicht mal bei der Fernuni Hagen umgesehen? Ich mache da gerade den Bachelor in Psychologie. Klar haben wir auch viel Statistik und müssen Modelle lernen, aber irgendwie finde ich es gut. Möglicherweise habe ich aber auch eine andere Sicht darauf, weil ich es tatsächlich nur just for fun mache und es nicht als Berufseinstieg brauche. Aber gibt es nicht in Österreich eine Art „Therapeutenstudium“? Da war jedenfalls was, worum ich Euch sehr beneide, weil es das so in Deutschland nicht gibt. Soll ich mich da nochmal umhören? Auf jeden Fall finde ich Dein Vorhaben toll, es zu Ende zu machen, und drücke Dir ganz sehr die Daumen.
    Meine nächste Klausur ist am 1.9. – Community Psychology.

    • Meine Prüfungen sind gut und schlecht ausgegangen… Eine habe ich nicht geschafft und muss somit bis Frühjahr 2017 studieren… Leider :-/
      Es gäbe ein Therapeutenstudium, aber auch das möchte ich nicht machen.
      Das ist lieb, dass du dich umhören würdest, danke aber ich werde sobald ich mit meinem Studium hier fertig bin, eine weiterführende Ausbildung zur Mentaltrainerin machen 🙂
      Vielen Dank – ich werde alle Daumen brauchen, da ich echt schon ziemlich am Ende bin (mit meiner Geduld, etc.) 😉
      Was ist Community Psychology?
      Meine ist „erst“ im Oktober…

      • Schade, dass Du wegen der einen Prüfung nun länger studieren musst. Ich drücke Dir trotzdem die Daumen, dass Du alles zu einem guten Abschluss bringen kannst.
        Mentaltrainerin hört sich ja echt interessant an. Du würdest dann schon mit Menschen arbeit und ihnen zu besseren Einblicken verhelfen? Oder was muss man sich darunter vorstellen?
        Tja, was ist Community Psychologie. Das ist die Definition aus dem Studienbrief: „In einem sehr basalen Sinne lässt sich die Community Psychology als die psychologische Teildisziplin definieren, die sich mit dem Erleben und Handeln von Individuen in ihren Communities, sprich ihren räumlich wie sozial definierten Kontexten befasst.“ Inhaltlich gibt es in dem Modul ein ganzes Sammelsurium an Dingen. Vieles sind Wiederholung aus der Sozialpsychologie, der allgemeinen Psychologie, aber auch der Persönlichkeitspsychologie. Neu sind vielleicht die Punkte „Altern“ und „Interkulturelles“ – letzteres finde ich besonders interessant. Wegen der vielen Wiederholungen war das Modul jetzt nicht so schwer und arbeitsintensiv. Genau das Richtige für mich in diesem Sommer. Aber im Wintersemester muss ich dann wieder ein bisschen mehr Gas geben.

      • Danke 🙂 Es wird eine sehr lehrreiche Zeit werden bis zum Ende meines Studiums…
        Mentaltrainer beschäftigen sich mit dem Positiven, mit der Wirkung der Gedanken, Affirmationen, dem Unterbewusstsein, mit den Stärken und Potenzialen… Also es geht alles in Richtung Zukunft und man sieht die Kraft im Selbst….
        Das zieht mich schon lange an und ich will auch gerne mit Menschen arbeiten. Und das ist mein Zugang dazu: Mentaltraining! Sobald ich dazu mehr Wissen habe, werde ich darüber bloggen 🙂
        Hört sich schon spannend an: Vor allem Sozialpsychologie und Persönlichkeitspsychologie… Aber findest du nicht auch, dass sich in der Psychologie vieles überschneidet und immer wiederkehrt?
        Ich muss im Winter auch wieder viel tun…

      • Dann bin ich gespannt auf Deine Beiträge über Mentaltraining.
        CP war jetzt mein erstes Anwendungsfach. Bisher waren es alles Grundlagenfächer. Wiederholt haben sich die Themen schon, aber es war jedes mal eine andere Perspektive. Wenn man die dann alles zusammenbastelt, kommt eigentlich ein interessantes, rundes Bild heraus.

  4. Haha, ja. So fühlt es sich wahrlich an. Studiere seit WS14/15 wiwi auf Marketing aber ich frage mich allmählich, wann es spannend wird. Ich habe schon eine Ausbildung hinter mir und auch gearbeitet, aber ich versteh jetzt die ganzen Anfang 20jährigen warum sie sich nicht trauen endlich ins Berufsleben zu stürzen: weil man nachdem Studium immer noch keine Ahnung hat.

    • Jahahaha, das ist der Punkt 🙂 Und ich denke, so ähnlich war es bei mir auch. Ich bin gelernte Journalistin und das war ich schon mit 19… Es war zu früh für mich für das Berufsleben. Aber mit dem Studium fühle ich mich auch nicht vollständig ausgebildet…

  5. Setz dich nicht zu sehr unter Druck! Wenn du finanziell durchkommst, dann versuche die Studienzeit mit all den Freiheiten, die sie bietet, auch weiterhin zu genießen. Wie meine Mutter damals sagte, als ich die Regelstudienzeit überschritt, weil ich mit einer Sprachprüfung hing: „Arbeiten kannst du noch dein ganzes Leben lang.“ 😉

  6. Hab ich damals auch. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mir wirklich weniger Stress hätte machen sollen, denn niemand hat mich jemals gefragt, warum, wieso, weshalb… Doch vielleicht liegt mein Fall anders als deiner.

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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