Frisch aus dem Alltag: Das Shoppingphänomen – Wer sucht, der findet nicht

Heute ist mir wieder eine ureigenst menschliche Eigenschaft aufgefallen: An mir selbst und an weiteren anderen Kundinnen: Wer krampfhaft sucht, der findet nicht. Kurz zur Vorgeschichte: Mein Lieblingsgeschäft schließt all seine Filialen in Österreich und ich hatte noch einen 20 Euro Gutschein. Da es ein handgeschriebener aus Papier war (ja, ich melke auch noch meine Kühle selbst), blieb mir nichts anderes übrig, als ihn einzulösen.

Ich ging mit gemischten Gefühlen in den Shop, weil ich eigentlich nur etwas dunkelrotes für einen anstehenden Anlass finden wollte, aber dies sicher nicht 20 Euro kosten würde. Deshalb MUSSTE ich etwas finden. Nämlich etwas in dieser Farbe und noch etwas, damit ich nicht auf meinem Coupon sitzen bleiben würde, oder nach Italien fahren müsste, um dort den Gutschein einzulösen (mein Kaufmännisches Verständnis erinnerte mich daran, dass dies einen Verlust darstellen würde)

1. Fazit: Irgendwie ist es bei weitem nicht so schön, etwas zu müssen, selbst wenn es das Lieblingsgeschäft ist, in dem es alles minus 70 Prozent gibt.

Ich drängte mich also in den Shop. Rund um mich waren gestresste Leute, die jedes einzelne Teil begutachteten. Jeder versuchte, etwas zu ergattern, fast egal was. Die Kinder waren ebenfalls hektisch und eine Mutter fing mit ihrem Sohn (etwa 4 Jahre alt) zu streiten an, weil er laut ihren Worten „so ein nerviges, freches Kind“ sei. Die Stimmung dort war also wirklich bombastisch und ich mittendrin.

Es hat ein wenig gedauert und ich habe dann nach ca. einer dreiviertel Stunde jedes Stück, das ich haben wollen musste, in meinen Händen gehalten. Alles, bis auf das, was ich suchte: Etwas Dunkelrotes. Mit etwas meine ich eine Kette, Schuhe, einen Schal – irgendein Accessoire eben. Stattdessen fand ich Haarreifen, Haarbänder, Armbänder. Ich werde also die nächsten 10 Monate jeden Tag eine andere Frisur tragen, um dies auszunutzen.

2. Fazit: Wenn man etwas kauft, weil man muss, fühlt man sich eher dazu verpflichtet es zu tragen. Vor allem, wenn man zu viel davon hat. Man möchte es nicht umsonst ausgesucht haben.

Ich ging also mit etwa fünf Stück zur Kassa, weil ich mir sicher war, dass ich somit den Wert meines Gutscheines aufbrauchen werde. Fehlschluss: Die pinken Kopfhörer, die ich mir ausgesucht habe, kosteten nur noch 8 statt über 20 Euro und die beiden Ketten und die Haarreifen erhöhten die Summe auf etwa 13 Euro. Da mir kein Rückgeld gegeben werden konnte, musste ich also weitersuchen. Die Frau neben mir bestätigte meine Demotivation mit den Worten: „Heutzutage hat man schon so viel, da will man gar nichts mehr kaufen.“ Ich beziehe das zwar nicht auf generell (wobei sie doch irgendwo Recht hat), sondern auf die Situation.

3. Fazit: Egal wie günstig etwas ist, wenn man noch mehr davon kaufen muss, macht es weniger Spaß, als wenn man ein wertvolles Einzelstück bewusst kauft und man die Wahl hat.

Nach etwa einer Stunde hatte ich dann einen Betrag zusammengefunden, der jenen des Gutscheines um ein paar Cent überstiegt. Ich sehnte mich nach der goldenen Kette, die in der „Normalpreisabteilung“ hing und die 30 Euro gekostet hätte. Und ich werde dieses Geschäft und seinen wunderbaren Schmuck, den ich mir regelmäßig in Ruhe und bewusst zum Normalpreis ausgesucht habe, vermissen.

Kaufunwütige Grüße,
Eure Nicole
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©Nicole Inez

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