21. Woher nehmen Sie sich Ihnen bloß Ihr allmächtiges Allwissen, Sie?

Die Zeit des Internets ist angebrochen und mit ihm steigt scheinbar die Anzahl an selbsternannten Experten! Trotz der Tatsache, dass immer mehr Menschen ein Studium, College, Fachhochschule beginnen, schaffen es auch sehr viele ohne jegliche Ausbildung in bestimmten Bereichen, es sogar besser zu wissen, als ausgebildete Fachkräfte. (Manchmal bin ich sehr traurig darüber, nicht selbst auf die Idee gekommen zu sein, einfach nichts zu tun, also so zu tun, als ob).

Ich denke besonders gefährdet sind hier die Bereiche Psychologie, Ernährung und Medizin. Und wenn ich mich so umsehe und lese, dann bestätigt sich mein Verdacht vor allem bei den ersten beiden Bereichen. Das Internet ist voll von schlecht recherchierten Berichten über psychische Phänomene, noch voller von Ratschlägen dagegen (mein Highlight, welches ich letzten Monat gelesen habe, waren „Tipps“ gegen eine Depression). Wäre es nicht so traurig, dann würde ich lachen! Da ich jedoch die Welt an manchen Tagen nur aus der ironischen Sicht als erträglich empfinde, lach ich dennoch: „Haha. Ha.“

So, wie sich diese Ratschläge gelesen (also diese von dieser mega hippen, ansonsten Produkttesterin, aber in diesem Artikel plötzlich psychologische Coaching-Therapeutin mit ausgeprägten Trainertendenzen) haben, hatte ich das dringende Bedürfnis, dieser Person selbst eine Depression zu wünschen, damit sie bei ihrem nächsten Artikel
a) entweder darüber authentisch schreiben kann oder
b) sich besser informiert, weil sie es selbst betrifft, wenn sie
c) über keine Qualifikationen darüber verfügt, solche maßgeblichen Infos zu verbreiten.

Es ist meiner Meinung nach unglaublich verantwortungslos, über Dinge zu schreiben, von denen man wirklich keine Ahnung hat. Ohnehin herrschen schon genügend Vorurteile und Unwissen über psychische Phänomene. Und gerade eine Depression wird oft so dargestellt, als könne man:
a) IMMER selbst was dagegen tun,
b) als gebe es nur eine Form davon und
c) als wären die Betroffenen selbst Schuld an ihrem Zustand und
d) als wäre es ein leichter Schnupfen, den man am Besten mit ein „bisschen“ Sonne (im Herzen) weg bekommt.

Die leichte Zugänglichkeit zum Internet, erleichtert uns auf den ersten Blick viel, jedoch erschwert sich einem auch einiges. Beispielsweise das Finden von kompetenten Auskünften. Man muss sich zuerst meist durch viel Müll kramen, um am Ende ein wenig Licht zu sehen und die Infos zu erhalten, die wirklich stimmen und auch hilfreich sind. (Habe ich bei jeder Seminararbeit selbst erlebt. Doch zum Glück gibt es facheinschlägige Datenbanken für Psychologen. Der Wissenschaft sei Dank ;-))

Ein weiteres Phänomen, über das ich (dummer Mensch, der eine Ausbildung in Psychologie macht – wie überflüssig) in einem Seminar im letzten Semester gelernt habe, ist Cyberchondrie (das ist zusammengefasst Hypochondrie, verstärkt durch das Internet). Dabei verbringen Menschen Stunden damit, sich selbst zu diagnostizieren. Was meist gedanklich tödlich endet. Ich meine damit, die Personen glauben meist, daran sterben zu müssen.

Es gibt aber sich noch weitaus harmlosere Erscheinungsformen, wenn man bedenkt, dass sich jede(r) 4. im Internet über mögliche Krankheiten anhand der Symptome informiert. Das bedeutet wohl oder übel (eher übel für den Arzt), dass 25 Prozent schon mit einer Ahnung hingehen. Was wiederum bedeutet, dass man nicht ausschließen kann, dass man gewisse Symptome nur noch dazu interpretiert, da man sie schon vorweg gelesen hat und so nicht mehr „unvoreingenommen“ schildern kann.

Um das Kapitel der Hobby-Ärzte zu beenden, komme ich abschließend zu den mega gut ausgebildeten „Ernährungsberatern“, die ihren Bestand nur im Internet haben (können). Ich kann es kaum fassen, wenn jemand Ernährungsmaßnahmen für übergewichtige Menschen vorschlägt, ohne zu erwähnen, dass sich diese Ratschläge rein aus eigenen Spinnereien und Mutmaßungen zusammengesetzt haben. Adipositas (in welcher Ausprägung auch immer) ist eine Kombination mehrer Faktoren. Ernährung ist eine davon. Da fallen Themen an wie: Psychologie, Bewegung, Mentale Verfassung, Situative Bedingungen, Veranlagung, Umweltbedingungen, Persönlichkeitsmerkmale….

Und dann kommt jemand daher und gibt: „Schlank in 10 Wochen-Tipps?“ Ernsthaft? Für mich nicht wirklich. Mein Tipp: Wenn das Wissen und die Ausbildung eher mager sind, sollte man nicht fett „aufkochen“.
Es gibt aber auch ausgebildete Menschen, man weiß nur nicht genau, wo und wann diese stattgefunden hat. Darüber habe ich mich in folgendem Text amüsiert: In welchem Kompetenzbecken hast du schwimmen gelernt? Es geht um unseriöse Berufsvertreter.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, Auf Wiederlesen. 😉

Sauer-aufstoßende Grüße,
Eure Nicole

pv8aqw

©Nicole Inez

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6 Gedanken zu “21. Woher nehmen Sie sich Ihnen bloß Ihr allmächtiges Allwissen, Sie?

    • Ja genau, Cyberchondrie – wie Hypochondrie, nur halt durch durch das Internet verstärkt…
      Ich auch nicht mehr – ich bin sowieso überzeugt, alle Krankheiten der Welt zu haben 😉

  1. Kommentar wegen flinkem Finger zu früh gesendet (aber dafür hast Du dann gleich zwei :D): Das führt eh immer nur zu Krebs oder irgendwelchen schlimmen Leiden. Im Gegenzug dazu liebe ich die Leute, die meinen, sie wären Designer. Weil das ja nicht mal ein geschützter Begriff ist, ist das jeder, der in Photoshop mal einen Pickel wegretuschiert hat oder einen pathetischen Schriftzug über ein überfiltertes Foto gezogen hat.

    • 😀 Stimmt! 😉
      Ja voll, das führt echt zu nichts Harmlosen…. Und laut google müssten wir alle schon schwerkrank oder tot sein 😀
      Haha – ja das glaube ich gerne, dass es auch im Designbereich „Experten“ gibt… Ich mag es einfach nicht, wenn man sich anders oder besser darstellt, als man ist. Es ist ok, nichts zu können ^^

  2. Der Erfolg dieser Ratgeberei beruht alleine darauf, dass die Betroffenen suggeriert bekommen, es gäbe einen viel besseren, weil einfacheren, Weg zum Erfolg. Um mir selber fundiertes Wissen im Bereich Lebensmittel/ Ernährung anzueignen habe ich fast 40 Jahre benötigt, und ich rolle meine Augen nach hinten, wenn jemand im Gespräch sagt, er sein „Burn out“ gefährdet. Da empfehle ich gerne , einfach mal für ein paar Tage Smartphone und Internet wegzulassen, und falls noch möglich, ein Käppchen voll Schlaf zu nehmen. Gerade psychische Erkrankungen sind kein Spielzeugthema. Das wußten sogar schon die Griechen vor über 2000 Jahren – Dir einen wunderbaren Sonntag 🙂

    • Da gebe ich dir Recht. Er beruht darauf und sicher auch noch darauf, dass viele Menschen es gerne haben, wenn man ihnen weis macht, es gebe etwas, wofür man mit wenig Aufwand das Maximale erreichen könne. Alles, was komplex und anstrengend wird, wird eher gleich gar nicht angehört….
      Oder wie du sagst, oft reichen banale Änderungen im Alltag, die offensichtlich zu einem Leidenszustand führen… Doch das will Mann/Frau nicht gerne hören. Denn das wäre ja unmittelbar änderbar!
      Und ja: sich bei psychischen Erkrankungen als Geschult darzustellen und zeitgleich Fehlinfos zu verzapfen, tragt nicht gerade zur Aufklärung bei und verstärkt wiederum – ohnehin schon festgefahrene Vorurteile!
      Vielen Dank – dir ebenfalls einen schönen Sonntagsausklang (hoffe trotz Video ;-))

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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