Psychologie zum Mitnehmen: Was ist das „Innere Kind“? (inklusive Selbsttest)

Kennt ihr den Zustand, wenn ihr euch wohl fühlt mit bestimmten Personen und einfach frei und unbekümmert seid? Einfach albern, „kindisch“ und sorgenlos? Oder kennt ihr euch in emotionalen Streit-Situationen, wenn ihr stur, trotzig, emotional seid?
Wenn ihr diese Fragen mit „nein“ beantwortet habt, dann ist euer Zugang zu eurem „Inneren Kind“ nicht mehr vorhanden. Das heißt aber nicht, dass nicht jeder von uns diesen Persönlichkeitsanteil in sich trägt.

Was ist dieses „Innere Kind“ genau?
Es gibt Theorien in der Psychologie (eine davon ist die Ego-State), die besagen, dass ein Mensch aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen besteht und diese dann eine gesamte Persönlichkeit bildet. Eine davon ist das „Innere Kind“. Wichtig zu erwähnen: Diese Konstruktion hat nichts mit der pathologischen „Multiplen Persönlichkeit“ zu tun, sondern ist eine gesundes psychisches Phänomen, das jeder Mensch in sich hat.

Ich würde das „Innere Kind“ als den lebendigsten Anteil in uns beschreiben, aber auch als den verletzlichsten, naivsten und tollpatschigsten. Mir hilft es immer sehr, wenn ich mir mich selbst als Kind von ca. 6 Jahren vorstelle, dann kann ich besser fühlen und verstehen, was dieser Anteil in mir will und braucht. Oder ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn dieses Kind im Außen neben mir sein würde. Auf jeden Fall geht es darum, auf dieses „Innere Kind“ gut acht zu geben und es nicht mit Süchten zu ertränken und zu ignorieren.

Ausdruck des „Inneren Kindes“

Wie ein äußeres Kind will auch dieser Anteil Beachtung. Am besten ausdrücken kann man ihn in der Kreativität, oder in der Bewegung und im Spiel. Alle Dinge, die körperlich und/oder geistig befreien und Freude bringen. Man muss dieses „Kind“ jedoch gleich wie ein echtes Kind ermutigen, bestärken und ihm Raum zur Entfaltung geben. Und vor allem: Seine wahren Bedürfnisse kennen.

Kannst du dich noch erinnern, wie du als Kind wirklich warst? Neben all den Vorstellungen, Meinungen und Behauptungen deiner Eltern und deines Umfeldes? Warst du wirklich so schüchtern, wie man über dich erzählt hat, oder hat nur einfach niemand sich genügend Zeit genommen, zu erkennen, dass du sensibel, langsamer als andere und introvertierter bist? Bist du wirklich so sportlich wie du erzogen wurdest, oder würdest du dich in Wirklichkeit einfach gerne dem Philosophieren und Schreiben widmen, ohne dich jemals wieder weiter als bis zum Kühlschrank zu bewegen?

Ich denke, dass Menschen, die ihre Träume verwirklichen, gut auf ihr Inneres Kind acht geben. Das ist eine Neuentdeckung im Erwachsenenalter. Ein Kennenlernen von sich selbst. Seinem wahren Selbst und seinen Bedürfnissen, die womöglich über Jahre oder Jahrzehnte verdrängt worden sind. Für mich ist dieser Persönlichkeitsanteil der, der am nächsten zum eigenen „wahren Selbst“ ist. Und nur das weiß, was uns im Leben wirklich glücklich macht.

„Schattenseiten“

Doch kennst du die Momente, wo du unangemessen emotional reagierst? Oder dich innerlich schwer kränkst, es aber nicht zeigst? Kennst du den Moment, wo jemand auf deine Wunden Punkte drückt? Die Ereignisse, wo du alles in dich „hineinfrisst“?

Genau das sind die Momente, wo dein „Inneres Kind“ zum Vorschein kommt. Und wo du die Verletzungen der Vergangenheit durch eine andere (oder auch dieselbe Person) wieder erlebst. Du erlebst „damals“ wieder und wieder und dein „Kind“ droht wieder daran zu zerbrechen. Das ist auch der Grund, warum viele Menschen sich in Süchte flüchten: Der Schmerz, dem viele in der Kindheit ausgeliefert waren, ist sogar im Erwachsenenalter oft unerträglich.

Leider geht davon weder die Ursache des Schmerzes, noch der Teufelskreis der Wiederholungen weg. Ich stelle mir in solchen unerträglich schmerzhaften Situationen oft mich selbst als Kind vor. Dann nehme ich mich (natürlich bildlich gesprochen) in den Arm und tröste mich. Ich erkläre mir selbst, wie einem Kind, woran das Verhalten des anderen liegt und versuche herauszufinden, warum ich denn im dem Moment so gekränkt bin.

Es gibt viele Menschen, die ihren Eltern die Schuld für vieles geben, was schief gelaufen ist. Dann gibt es einige, deren Eltern „einfach alles richtig“ gemacht haben (die haben meist das meiste falsch gemacht ;-). Und dann die, die sich mit dem Thema gar nicht auseinandersetzen. Bisher kenne ich niemanden, der mit seiner Vergangenheit wirklich und ehrlich im Reinen ist. Worum es jedoch geht ist, dass man dem eigenen „Inneren Kind“ Beachtung schenkt und es annimmt, leitet und in sein Leben integriert. Egal, was war.

Alles in allem kann man sagen, dass es sehr wichtig ist, regelmäßig in sich hineinzuhören und diesem Persönlichkeitsanteil die Beachtung zu schenken, den er verdient. Denn hier liegt das größte Potenzial von einem selbst. Wer mit seinem „Inneren Kind“ im Einklang lebt, kann sich selbst leben, wie er ist. Das ist ein langer Weg und ein Prozess mit Ups und Downs, aber es ist es alle Mal Wert.

Anbei habe ich einen kleinen Test, wo ihr herausfinden könnt „wie“ in etwa euer Inneres Kind ist.

Wie ist mein Inneres Kind?

Kindische Grüße,
Eure Nicole

Inners Kind

©Nicole Inez

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8 Gedanken zu “Psychologie zum Mitnehmen: Was ist das „Innere Kind“? (inklusive Selbsttest)

  1. Liebe Nicole,
    das ist ein unerwartet (naja, tatsächlich?) „anderer“ Artikel und dennoch oder gerade deswegen sehr, sehr fein. Ich bin nur leider so halb überrascht, dass mein inneres Kind laut dem Test kreativ ist, aber dafür kannst Du ja nichts 😀 Ich stoße auch immer wieder auf Tipps à la „über das innere Kind meditieren“ und finde die echt effektiv. Oder sich eben im Alltag mit der Geduld und Rücksicht behandeln 🙂

    • Vielen Dank, liebe Miriam. Freut mich, wenn meine anderen Texte auch gefallen, da ich mich eben gerade mit dem Thema sehr viel befasse seit den letzten Jahren…..
      Der Test ist finde ich eine witzige Ergänzung 😉
      Die Tipps mag ich fast alle sehr gerne. Weil sie viel mit Imaginationen usw. zu tun haben und man dazu die echten Eltern nicht braucht xD 😀

  2. Der Test ist echt cool, nur bei Frage zwei kenne ich die Charaktere zu wenig :/
    Danke für deinen Artikel! Er regt zum Nachdenken an. Ich werde mal ein Gespräch mit meinem inneren Kind führen 🙂

  3. Mein inneres Kind ist kreativ, ich wusste es schon immer 😀
    Ich glaube mein inneres Kind nimmt einen ziemlich großen Anteil von mir in Kauf, aber ich bin glücklich so wie es ist. Ohne mein inneres Kind wäre es auch ziemlich langweilig…

    • Bei mir ist es auch so, dass mein Inneres Kind die Vorherrschaft hat 😀 Sonst könnte ich diesen Blog wahrscheinlich gar nicht führen… und da geb ich dir Recht: Ohne das Innere Kind wäre das Leben nur halb so lebenswert! 🙂

  4. Hallo,
    toller Beitrag (:
    Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt sich mit diesem inneren Anteil zu beschäftigen. Es ist nicht immer einfach aber da ist auch so viel schönes.
    Mein inneres Kind ist oft sehr ängstlich und brauch ganz viel zuspruch und mutmachende Worte

    • Vielen Dank, Maria 🙂
      Ich bin da ganz deiner Meinung…. Dann bist du schon einen ganzen Schritt weiter, wenn du so genau weißt, wie dein Inneres Kind ist!!! Toll 🙂

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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