PsychoLogisch: Wie gewinne ich neue Freunde?

Es ist eine ureigenst menschliche Eigenschaft, irgendwo dazugehören zu wollen. Sei es nun zu einer Familie, einem Freundeskreis, einer sibirischen Stepptanzgruppe oder einer bestimmten Tiergattung. Jeder fühlt sich wohler, wenn er sich nicht alleine fühlt. Außer Soziopathen vielleicht. (Wenn an dieser Stelle jemand meinen sollte, er sei ebenso das Gegenteil von Empfängern menschlicher Grundbedürfnisse, kann gerne dem Verein für individuelle Individualindividualisten beitreten. Ich habe damit nichts zu tun).

Auch meine Bianca hat solche Bedürfnisse nach Nähe. Sie ist ein besonders anhängliches Exemplar und versteht nicht, dass es aufdringlich sein könnte, wenn man einen Menschen, den man erst drei Tage kennt, fünf Mal täglich anruft, um ihm seine Probleme zu erzählen. Sie sehnt sich jedoch dennoch nach anderen Leuten und Freunden. Was ich verstehe. Wirklich und ohne Sarkasmus. Echt! Was ich jedoch nicht verstehe ist, dass sie wiederum nicht versteht, dass es Grenzen gibt im Zwischenmenschlichen.

Als wir also letzte Woche wieder gemeinsam auf den Bus warten mussten, (und ich nicht schon wieder die „Hilfe-ich-bin-von-einem-Pavian-gebissen-worden-und-muss-schnell-ins- Krankenhaus-laufen“-Nummer abziehen konnte) hörte ich mir ihre Sorgen an. „Nicole, du studierst ja Psychologie also kannst du mir sicher helfen“, sagte sie zu mir. Da ich nicht schon wieder den Würgegriff anwenden wollte und ich keine Lust auf Streit hatte, griff ich zu Sarkasmus: „Ja liebe Bianca. Mein Studium, welches ich nun schon seit 10 Jahren verfolge und welches ich ausschließlich begonnen habe, um dir zu helfen, hat sich bezahlt gemacht. Ich brenne darauf, mich von dir aufgrund meiner Studienwahl emotional ausbeuten zu lassen. Leg los.“

Leider ist Bianca eine von den Personen, denen ich sogar schon einmal einen eigenen Artikel gewidmet habe (Kann man von Sarkasmus schwanger werden?), da sie spitze Zwischenbemerkungen entweder nicht verstehen oder nicht verstehen. Eines von beiden, ich weiß es nicht. Ich schweife ab.

Hier bin ich wieder. Auf jeden Fall fragte mich Bianca: „Du, Nicole…“ ..“Ja, ich Nicole. Du Bianca“, unterbrach ich sie, da ich es einfach aufgelegt fand. Ich ließ sie dann aber fortfahren. „Du, Nicole, wie gewinne ich denn Freunde?“
Da sie meine ehrliche Meinung: „Nimm deine Drohung, dass du Sabine’s Unibücher anzünden wirst, wenn sie weiter mit Laura zu tun hat, einfach zurück. Das ist kindisch, vielleicht ein wenig psychopathisch und beängstigend und zeigt vor allem von geistiger Unreife“, nicht hören wollte, gab ich ihr Radschläge, die sie wahrscheinlich lieber hören wollte.

„Bianca, hör gut zu…..“:

  • Wenn du neue Leute kennen lernst, rede am besten sofort nur von dir. Zähle all deine Erfolge deiner Lebenszeit auf. Vielleicht hast du ja Bilder von Pokalen oder Medaillen auf deinem Handy zum herzeigen. Menschen stehen aus eine gesunde Portion Selbstverliebtheit.
  • Werte dein Gegenüber ab! Nichts kommt in sozialen Situationen besser an, als sich selbst auf ein Podest zu erheben und den anderen abzuwerten. Schiefe Blicke können dich hierbei gut unterstützen. Damit auch sicher ankommt, wie du was meinst.
  • Borge dir Geld aus und gib es nicht mehr zurück. Darauf stehen fremde Leute. So sehen sie, dass sie eine Abnehmerin für ihr kostbares Hab und Gut haben. Jeder will seinen Besitz gerne investiert haben.
  • Erzähle Geheimnisse von deinen bereits bestehenden Freundschaften. Unterstreiche deine Botschaft mit Worten wie: „Dieses Biest…“ Das wirkt besonders wohlwollend und vertrauenswürdig. Deine neuen Bekanntschaften wollen sich dir bestimmt bald auch anvertrauen.
  • Wenn du jemanden bereits ein paar Wochen kennst, solltest du in die Vollen gehen: Lade dich selbst ein. Sehr distanziert und gesund wirkt es, wenn du mit Nachdruck an der Sache bleibst und mindestens 5 Mal pro Woche nachfragst (Die Wochenenden kannst du auslassen). Motto: Niemals aufgeben!
  • Besonders förderlich für entstehende Freundschaften ist es, wenn man sie mit alten oder bestehenden vergleicht. Erwähne ruhig, wie lustig deine „beste“ Freundin nicht ist und was sie denn nicht alles besser kann und macht (auch wenn gar du keine Freunde hast)
  • Überraschungsbesuche: Nichts kommt besser an, als in der Aufbauphase einer Freundschaft einfach Mal so unangekündigt vorbeizukommen. Schöner ist diese Überraschung jedoch, wenn du die Adresse auf eigene Faust herausfindest. Das zeigt deine Einsatzfreude und dein Engagement für den anderen.
  • Wenn du eingeladen wirst von deiner neuen Bekanntschaft, erkundige dich gleich nach dem Essen. Oder schaue gleich selbst im Kühlschrank nach. So kann dein Gegenüber sicherstellen, dass du eine sehr selbstständige Person bist.
  • Ein No-Go wäre es, wenn du beim ersten Besuch etwas mitbringst. Ein Souvenir oder eine Flasche Wein, oder eine Süßigkeit. Sowas macht man nicht. Pfui!
  • Erzähle unlustige Witze. Solche, wo man nicht Mal mehr weiß, wie viele Meter sie unter der Gürtellinie waren. Wo man nicht weiß, ob man jetzt (aus Verzweiflung und Übermengen an Höflichkeit) lachen soll, oder weinen (weil es tatsächlich Menschen gibt, die so hässlich denken – ja, man kann wirklich hässlich denken).

Ich hoffe, ich konnte Bianca weiterhelfen. Denn dazu sind Leute, die Psychologie studieren ja da. Helfen wann und wo immer es geht.

PsychoLogische Grüße,
Eure Nicole

P.S.: Da Bianca ein sehr belasteter  Mensch ist, habe ich ihr bereits mehrfach PsychoLogische Radschläge gegeben. Wer möchte, kann gerne nachlesen:

Wie bewahre ich bei dieser Hitze einen kühlen Kopf?
Wie kann ich ihn zurückgewinnen?
Wie kann ich für meinen Partner interessant bleiben?

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8 Gedanken zu “PsychoLogisch: Wie gewinne ich neue Freunde?

  1. Herrlich! 😀 Bianca soll auch auf jeden Fall bei all ihren gewohnten Hobbys und Beschäftigungen bleiben. Sie ist ja so toll – die Leute kommen einfach so auf sie zu. Und dann können sich alle darüber freuen, wie unfassbar toll sie ist.

  2. Ich gebe zu, ich fand den Post lustig. 😀 Aaaaber… Wenn deine Bianca existiert, warum sagst du ihr nicht das, was du am Anfang geschrieben hast? Dass du sie wirklich verstehst, aber dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist/du dich bedrängt fühlst/sie aufdringlich rüberkommt/usw.? Mit psychologischer Ausbildung weißt du doch, wie das geht. 🙂 Und alles andere hilft ihr langfristig nicht weiter, auch wenn du in der jeweiligen SItuation nett sein willst und ihr zuhörst. (Denn dann lernt sie ja nur, dass ihr Verhalten richtig ist.) Obwohl ja jeder nur ein Mensch ist. 🙂

      • Nein 🙂
        Ich hoffe, du schreibst das Wort „Radschläge“ nicht wirklich so. Schade, dass du das Konzept nicht verstanden hast. Das war übrigens die letzte Antwort auf deine Vorurteile (Psychologen gegenüber), die ich gerade und zum Trotz mit solchen Texten verarbeite. Vielen Dank für die Inspiration 🙂 Alles Liebe dir noch!

      • Aber eine wirklich psychologischen Tipp gebe ich dir noch: Verwende niemals das Wort „sollte“ Fremden gegenüber. Das nennt man im Übrigen „Gewaltfreie Kommunikation“.

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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