Buchrezension: „30 Minuten Gewaltfreie Kommunikation“

Hardfacts:
Veröffentlichung: 2015
GABAL Verlag GmbH, Offenbach
96 Seiten
Preis [A]: 9,20 Euro

Innerhalb von 10 bis 30 Minuten das Wesentliche „Der Gewaltfreien Kommunikation“ erfassen, sind zusammengefasst die einleitenden Worte des 96-seitigen Ratgebers. Damit die Autoren sicher gehen, dass das wichtigste auf einen Blick erkennbar ist, haben sie es in blauer Farbe hervorgehoben. Auch gibt es immer wieder Tipps und Zusammenfassungen, sowie am Ende einen kurzen Gesamtüberblick über das Gelesene.

Inhalt: 
Es wird erklärt, was Gewaltfrei in der Kommunikation bedeutet. Dies hat laut den Autoren mit der Ausrichtung der Aufmerksamkeit zu tun. Diese sollte „wohlwollend“ und „emphatisch“ sein. Dies wirkt sich wieder auf die nächste Stufe, nämlich das Sprechen aus. Man sollte in einer prozessorientierten, situationsbezogenen Sprache kommunizieren (Bsp.: Statt: „Er ist langweilig.“ –> „Es ist ihm nach drei Wochen Beziehung nicht gelungen, eigene Ideen vorzuschlagen.“). Der dritte Punkt ist laut dem Buch: Verantwortung für sich zu übernehmen.

Weiters sei als Grundlage ein positives Menschenbild notwendig (welche Unterpunkte dies beinhaltet, wird im Buch erklärt). Wichtig sei auch, zu beobachten „wie eine Kamera“. Also einfach nur wahrzunehmen und nicht zu bewerten. Es wird auch auf die verschiedenen Gefühle und ihre Ausprägungen eingegangen. Das Buch geht davon aus, dass man seine Gefühle so genau wie möglich benennen sollte, damit man vom Gegenüber verstanden wird (Bsp.: Nicht nur ich habe Angst, sondern (ich bin unsicher/besorgt/nervös….)

Auch Bedürfnisse sind Teil der Gewaltfreien Kommunikation. Hier wird erklärt, welche es gibt und wie man diese mitteilt. Zudem wird der Unterschied zwischen einer Bitte und einer Forderung erklärt (da wir angeblich im Alltag meist nicht wirklich bitten, sondern unterschwellig bereits fordern – was im anderen wiederum Druck auslöst). Es gibt immer wieder Auflistungen, wie man vorgehen soll. Zum Beispiel, wenn man „sich aufrichtig mitteilen“ will. Es gibt wirklich massig Theorie im Buch und zwei Übungsbeispiele. Am Ende findet sich „das Wesentliche“ nochmal zusammengefasst.

Bewertung:
Wenn man von den massigen Inhalten wirklich was mitnehmen möchte, braucht man bestimmt über eine Stunde, um das Buch zu lesen. Außerdem kann man etwas, das so viel Wissen vermittelt nicht einfach Mal „so“ durchlesen, sondern muss es durcharbeiten.
Leider kommen auf so viele Inhalte viel zu wenige praktische Übungsbeispiele. Man hat dann sehr viel Wissen und Verhaltensregeln (wie es denn optimal wäre), aber keine Ahnung, wie das in praktischen Beispielen für einen selbst wirkt.
Gut fand ich Beispielsätze (und wie man sie gewaltfrei umformulieren kann) und Beschreibungen für bestimmte Dinge. (wie z.B. Gefühle und ihre Ausprägungen).
Was mir überhaupt nicht gefallen hat war, dass bestimmte Passagen oder Worte bereits im Vorhinein hervorgehoben wurden. Für jeden ist etwas anderes wichtig und man merkt sich ohnehin nur jenes, was für einen selbst relevant ist.

Fazit:
Ich konnte für mich zwar viel theoretisches Wissen mitnehmen, habe mich aber bereits während dem Lesen von der Fülle an Ratschlägen, Zusammenfassungen und „so sollte es sein“ erschlagen gefühlt. Um die Gewaltfreie Kommunikation in den Alltag einzubauen, braucht es meiner Meinung nach viel mehr praktische Übungen zuvor (in einem sicheren Rahmen) und dann auch einen willigen Gesprächspartner, der dann auch daran interessiert ist, seine Art der Kommunikation zu verändern. In der Schnelllebigkeit des Alltags ist es bestimmt nicht einfach, das Wissen umzusetzen, vor allem, wenn es nicht eingeübt wurde, wie damals das 1×1 in der Schule! Wer sich jedoch ein bisschen in die Thematik einlesen möchte, kann sich das Buch getrost kaufen.

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Bewertungssystem:

grinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileys …Ich möchte gerne mein Geld zurück, aber ich habe andere Sorgen.
grinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileys …Ich habe das Buch gekauft und ich habe es gelesen.
grinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileys …Ich habe das Buch gekauft, gelesen und sinnvolles daraus mitgenommen.
grinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileys …Ich bin sehr angetan von dem Buch, da es eine gesunde Balance zwischen Theorie und Praxis gibt und es zudem unterhaltsam war.
grinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileysgrinsen-lachen-schaemen-das-bedeuten-die-whatsapp-smileys …Ich wünschte, ich hätte dieses Buch selbst geschrieben. Habe ich aber nicht.

Viel Spaß beim Lesen oder auch Nicht-Lesen!

Bewertende Grüße,
Eure Nicole

© Nicole Inez

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8 Gedanken zu “Buchrezension: „30 Minuten Gewaltfreie Kommunikation“

    • Hahaha – Es kommt drauf an: Wenn es negative Konsequenzen gibt oder geben könnte, dann ja (laut Buch)….. Aber wenn nicht, dann war es eine Bitte. 😀
      Ich bekomme die nächsten Wochen ein neues, dass ich auf jeden Fall auch mit euch teilen werde! 🙂

  1. Wichtiges und spannendes Thema. Aufgrund der Beschreibung habe ich allerdings den Eindruck, in dem Buch komme überraschend viel „so und nicht anders muss es sein“ vor. Dass bestimmte Passagen von den Autoren als wichtig hervorgehoben werden, verstärkt diesen Eindruck. Da stelle ich mir dann doch die bange Frage: Kann das wirklich funktionieren, wenn man gewaltfreie Kommunikation gleichsam mit aller Gewalt in ein bestimmtes Schema pressen will?
    Eine gewisse Skepsis stellt sich bei mir auch bei der Formulierung „beobachten wie eine Kamera“ ein. Denn das impliziert, dass Wahrnehmung ohne zu bewerten überhaupt menschenmöglich sei. Dass man nicht bewusst bewertet heißt ja noch nicht viel. Da fände ich es doch konstruktiver, wenn man versuchte, den Mustern auf die Schliche zu kommen, die unsere Wahrnehmung (oft ganz automatisch) beeinflussen.
    Mir gefällt die Idee der gewaltfreien Kommunikation wesentlich besser als das Buch (soweit ich es durch die Beschreibung beurteilen kann). Und ich denke, dass ich mich dem Thema bis auf weiteres auf eigene Faust (uje, wie sich das anhört) annähere.

    • Es wirkt nicht nur so auf dich, dass es anscheinend „so sein müsste“, sondern es gibt im Buch sogar einen Leitfaden bzw. sogar mehrere (der mich persönlich nur noch mehr gestresst hat).
      Das Nicht-Bewerten sehe ich schon fast wieder als eigenen Punkt, den man in zahlreichen Büchern extra behandeln müsste.
      Ich kann nur sagen, dass man jede Menge Infos und Richtlinien durch das Buch bekommt, jedoch viel zu wenig Übungen sind. Demnächst kommt ein weiteres Buch in meine Sammlung.
      Dann werde ich merken, ob es denn nicht sinnvoller ist, sich in eine Gruppe zu begeben, um diese Art der Kommunikation zu lernen.
      Hahaha – bitte keine Fäuste 😉
      Da fällt mir auf: Es wäre sicher auch spannend, welche Worte denn potenziell zur „Aggressiven Kommunikation“ zählen würden….

      • Die Idee mit der Gruppe finde ich großartig. Erstens gibt es damit ein direktes Feedback (wobei das reine Selbststudium anhand von Literatur natürlich mehr Möglichkeiten des Selbstbetrugs bietet – das ist halt schon immer verführerisch). Und zweitens kommen dadurch wichtige Elemente wie Tonfall und Körpersprache ins Spiel. Und schließlich gibt es noch Eigenarten wie besonders hartnäckiges Insistieren und Drängen, die für meinen Begriff auch mit (manchmal massiver) Gewaltanwendung gleichzusetzen sind.
        Die Frage nach dem Vokabular ist auf jeden Fall sehr spannend. Wobei man hier schon höllisch aufpassen muss, dass man wirklich die zugrunde liegenden Aggressionen eliminiert und nicht einfach nach dem ’same-old-shit-only-new-wrapping Prinzip‘ der politischen Korrektheit Verbalkosmetik betreibt.

      • Genau! Außerdem bietet eine Gruppe auch einen „Haufen“ von Leuten, die sich freiwillig einem Thema widmen. Und alle Gewalfreie Kommunikation lernen wollen… Das ist ja im Alltag nicht der Fall, weshalb man die gelesenen Methoden bestimmt auch nur schwer anwenden kann. (ich stelle es mir eher wie eine Comedy-Sendung vor, wenn man diese Kommunikation in freier Wildbahn probt ;-))
        Ich finde auch auf jeden Fall, dass es verbale Gewalt gibt, die so stark ist wie körperliche…..
        So meine ich das, nach Aggressionen und nicht nach politischer Korrektheit (die macht mich wiederum des öfteren aggressiv :D)

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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