Suchanfrage + Hilfe: Wie werde ich meinen Sarkasmus los?

Vor einiger Zeit ereilte mich eine Suchanfrage, die ich voll und ganz verstehen kann. Es gibt nichts Grauslicheres wie sarkastische und ironische Menschen. Wirklich unmöglich. (Attention: Ab dem nächsten Satz switche ich von Selbstironie zu Sarkasmus).
Ich kann diese Suchanfrage eigentlich nicht wirklich nachvollziehen. Da ich jedoch aufgrund meines Psychologie-Studiums und der damit verbundenen unreflektierten Vorurteile dazu verdammt bin (selbst als Privatperson, die einen Blog betreibt), emphatisch zu sein, werde ich diese Frage mit meinem besten Wissen und Gewissen beantworten. (Schade dass ich eine Intelligenz freie, reuelose Wahnsinnige bin ;-).

Die Frage liest sich für mich so, als würde die Person glauben, sie hätte eine lästige Erkrankung wie Zungenherpes, oder eine unheilbare Krankheit, mit der man sich aber nicht abfinden will. Von daher bereue ich es, nicht Pharmazie zu studieren (ich würde nämlich so gerne jedem einzelnen Menschen dieser Welt gerecht werden). Leider bin ich der Psychologie verfallen und somit muss ich kreativ und flexibel bleiben.

Aus diesem Grund habe ich versucht, Medikamente zusammen zu brauen (natürlich nur wortwörtlich im nicht-wortwörtlichen Sinn), die helfen könnten, Sarkasmus loszuwerden: Sarkasmusthol, Sarkastemed, Sarkaspirin.

Da ich nicht so der Meds-Fan bin und ich meine Karriere als Pharmazeutin noch bevor ich sie begonnen habe, an den Nagel gehängt habe, werde ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Ich werde dem Suchenden (und allen anderen armen Menschen, die unter Sarkasmus und Ironie leiden) Tipps geben, wie ICH es (niemals) versucht habe, meinen Sarkasmus loszuwerden.

  • Ich habe mir eine Jahreskarte im Hallenbad gekauft und bin 4 Mal in der Woche Längen schwimmen gegangen, in der Hoffnung, dass ich so meinem Sarkasmus davon schwimmen kann. Da das nicht geklappt hat, ich schwimmen außerdem nicht mag und ich aber bereits eine Jahreskarte hatte, habe ich versucht, Cent Münzen in das Becken zu schmeißen und mir vorzustellen, dass es ein Wunschbrunnen sei.
  • Ich habe im Telefonbuch (das ist ein dickes Buch, das man im Mittelalter dazu benutzt hat, um weit entfernte Ahnen stimmlich zu erreichen) nachgeschlagen, um einen Exorzisten zu finden. Mit Erfolg: Loisl A., der bis vor einem Jahr Metzger war, hat bei Humboldt einen Kurs für Paranormales im Alltag belegt und ist jetzt Diplomierter Teufelsaustreiber. Weniger Erfolgreich: Die Austreibung meiner „Bösartigkeit“ in Gedanken, Wort und Schrift.
  • Ich ging ein Jahr regelmäßig in den Wald um meinen Freunden den Bäumen (jetzt sind sie nicht mehr meine Freunde) die Hand zu schütteln und sie mit Weihrauch und Kokoskuppeln milde zu stimmen. Ein altes Sprichwort besagt nämlich: „Wer nicht weiß, dass ein Baum sät, dem ist jede Einsicht zu spät“. Bäume sind gute Zuhörer, habe ich mir sagen lassen. Das stimmt nicht. Ihnen war mein Sarkasmus egal. Seitdem besuche ich sie nicht mehr.
  • Ich habe mich einer transsibirischen Eisenbahn-Tanzgruppe angeschlossen. Sie haben mir versprochen, dass der Tanz mir den Sarkasmus austreiben wird.
  • Ich habe Johannisbeer Kraut und Essiggurkerl mit Vanilleeis gegessen. Vielleicht habe ich das auch einfach nur gemacht, weil ich komisch bin und das jahrelange Rauchen meine Geschmacksnerven zerstört haben.
  • Ich habe Yoga versucht! Versuche einfach Yoga! Yoga hilft gegen und für alles. Mach Yoga! Leider habe ich mir den Knöchel verstaucht und wurde danach auch noch zynisch. Vielleicht erwacht in dir jedoch eine nie dagewesene, un- und übernatürliche Liebe zu allem und nichts. Und wenn es nur zur euphorisierenden Wirkung zum Wodka beim Weggehen ist.
  • Ich habe versucht, drei Tage lang durch zu schlafen. Leider haben mich die Staubsauger Vertreter, die an meiner Tür geklingelt haben, am 2. Tag aufgeweckt. Vielleicht war es auch die GIS, oder eine Religionsgemeinschaft mit zu wenig Mitgliedern. Auf jeden Fall, musste ich mein Vorhaben vorzeitig beenden. Wer weiß, vielleicht wäre aus mir ein liebliches Röschen geworden (NEIN, nicht RöSSchen, ich sehe nur aus wie eines)

Nun gut, wie auch immer. Leider muss ich den lieben Suchenden enttäuschen: Ich habe nichts von all dem je versucht (auch wenn es natürlich sehr glaubwürdig und vielversprechend geklungen hat – ich weiß). Ich lebe nun seit ich denken kann mit meinem Sarkasmus, meiner Ironie und meinem Zynismus.
Warum? Weil ich meine Ironie und die Sicht auf die Welt die sie mir bietet, einfach über alles liebe.

Und eines sei gesagt: Sarkasmus ist genauso wenig heilbar wie Dummheit! Es ist eine Lebenseinstellung, eine Charakter-Prägung, eine Sicht auf die Welt und ihren Lauf. Finde dich ab damit. Das Leben ist schön, die Welt nicht.

Wer ebenfalls Angst vor dem bösen Sarkasmus hat, dem empfehle ich folgenden meiner Artikel: Kann man von Sarkasmus schwanger werden?

Extra-sarkastische Grüße,
Eure Nicole

© Nicole Inez

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11 Gedanken zu “Suchanfrage + Hilfe: Wie werde ich meinen Sarkasmus los?

  1. Also mit diesem Sarka-dingsbums kenn ich mich nicht wirklich aus (wirklich nicht). Meine Eltern haben mir beigebracht, mich von allem perversen Schweinekram fernzuhalten. Und daran habe ich mich gehalten (was man leicht daran erkennen kann, dass ich nie in die Politik eingestiegen bin).
    Allerdings habe ich gehört, dass man auf diesen Internetplattformen (ich darf jetzt natürlich keine Namen nennen – wenn ich hier was von eBay schreibe, ist der Teufel los) so ziemlich alles loswerden könne. Man müsste das Teil dann halt entsprechend anpreisen, z.B.: Sarkasmophile Erstausgabe mit leichter Patina aber ohne erkennbare Gebrauchsspuren…
    Oder man teilt seinen gesamten Sarkasmus in winzige Portionen auf, packt ihn in Tüten und vertickt das Zeug an die Sarkomanen der Stadt.
    Und wenn alles nichts hilft packt man seinen Sarkasmus in einen Sarkophag (nomen est omen), Deckel drauf und gut ist…
    (Ob man sich wohl übers Internet mit Sarkasmus anstecken kann? Vielleicht sollte ich sicherheitshalber beim Computer sämtliche Stecker ziehen?)

    • Hahaha 😀 Ich wäre dafür, dass man Sarkasmus nach der Geburt verabreicht bekommt. Zwei verschiedene Pillen: Eine für das Sein und eine für das Verstehen von Sarkasmus 😉
      Sarkophag 😀 😀 😀
      Man muss wirklich vorsichtig sein…. Über das Internet kann man sich so manche Krankheit holen – wer weiß: Vielleicht auch Sarkasmus oder gar Ironie?

      • Die Idee mit den Pillen gefällt mir. 🙂 Allerdings gibt es Individuen, die sind dermaßen sarkasmusresistent – da bräuchte es mehr Pillen als jemand in hundert Jahren zu schlucken vermag. Da ist Topfen und Schmalz verloren, wie man so schön sagt…
        Übrigens habe ich entdeckt, dass wir hier ganz nebenbei mitten im Thema ‚Gewaltfreie Kommunikation‘ sind. Von Neubegierde getrieben habe ich nämlich die Herkunft der Wörter ‚Sarkasmus‘ und ‚Sarkophag‘ im Duden nachgeschlagen. Na servus!

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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