Was kann ich alles mit einem Selfie-Stick machen?

Schon als das Wort „Selfie“ trendy wurde wie Andy (who the f*** is Andy?  Ich weiß es auch nicht), machte sich in meiner Magengegend ein mulmiges Gefühl breit. Warum denn nicht einfach Selbstportrait oder Foto von sich selbst? Ich altmoderne Revolutionsschurkin werde das wohl nie begreifen. Auch wenn ich damals noch nicht gewusst habe, woher dieses Wort gekommen war, hatte ich starke Befürchtungen, dass es irgendwo hin gehen würde, wo es mir noch weniger gefallen würde. Dass es ausgerechnet in einen etwa ein Meter langen Plastik-Metall-Stangengemisch ausartet, habe nicht Mal ich als Teilzeit-Pessimistin befürchtet.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in etwa 5 Jahren die häufigste Todesursache in städtischen Räumen, das unbeabsichtigte gegenseitige Aufspießen durch Selfie-Stangen sein wird. Gefolgt von Unachtsamkeit im Umgang mit der narzisstischen „Selbstliebe“, ausgedrückt durch permanentes Fotografieren und Posten seiner unverzichtbaren Schönheit auf diversen Social Media Plattformen (Da fällt mir wieder auf, wie Unachtsam ich in Hinblick auf 5-mal tägliches Posten von mir zubereiteter Nahrung auf instagram bin). Wahrscheinlich spricht hier nur der Neid aus mir. Was könnte ich schon poste außer 3×5 Mal Käse-Toast mit Ketchup?

Zurück zum Ursprung: Da es für mich kein Problem ist, viel mehr Landschaft, als immer und überall mich auf Fotos zu verewigen, oder auch gerne Mal mit anderen etwas unternehme oder auch kein Problem damit habe, fremde Leute zu fragen, ob sie ein Foto machen können, muss ich mich als Nicht-Selfie-Stick-Besitzerin outen. (Oh, es tut mir so leid, ich bin so hinterher und so und alles). Doch ich habe für all jene, die sehr modern leben wollen, ein paar Tipps, wie sie diesen Plastikstecken doch noch sinnvoll einsetzen können.

  1. Walking-Stecken: Kennt ihr die Sportart, die bevorzugt von Frauen ab 50+ und mir wenn es bereits dunkel ist, ausgeführt wird: Walken? Wenn ihr euch zu eurem Stick einen 2. kauft, dann habt ihr eine gute Ausrüstung für diese Art von Fortbewegung. Statt dem Handy aufzustecken, würde ich empfehlen, etwas rutschfesteres zu befestigen.
  2. Rückenkratzer: Wenn ihr ihn für euren eigenen Rücken verwenden wollt, braucht ihr einen besonders langen Rücken. Oder ihr kratzt euch am Gesäß oder am Oberschenkel. Aus diesem Grund würde ich euch empfehlen, ihn als Partner-Rückenkratzer zu verwenden.
  3. Schläger: Je nach Größe und Stärke des Balls, müsst ihr die Fläche am Ende des Sticks variieren. Tischtennis klein, Tennisball mittel und Baseball groß. Ich denke, viele von euch werden regelmäßig Baseball spielen, weshalb ich euch empfehle, euch gleich vornweg einen Selfie Stick mit mehr Metall- als Plastikanteil zu kaufen.
  4. Stick-Kämpfe: Man könnte Freunde zu sich einladen, die ebenfalls Selfiesticks haben und eine Stickkämpfe machen. So ähnlich wie Schwert- oder Fechtkämpfe. Leider kenne ich mich mit den Regeln nicht aus, aber ich würde sagen: Sobald einer weint, hat der gewonnen. Es sollten fairerweise immer nur 2 gegen zwei kämpfen. So kann man auch feststellen, welches der Stick aller Sticks ist.
  5. Kommunikationsmittel: Kennt ihr das, wenn drei Reihen vor euch im Zug, Bus oder in der Pferdekutsche jemand viel zu laut ist? Bisher musste man immer extra aufstehen und zum Widersacher gehen, um ihn zu ermahnen. Nun kann man bequem seinen Stick ausfahren und je nach Belieben entweder eine Zettelbotschaft anbringen und sie nach vor halten oder die betreffende Person einfach anstochern mit dem Stick.
  6. Aufbewahrung: Wenn man den Stick bei einer Wanderung nicht schon als Stecken entfremdet hat, kann man sich ein Tuch ans Ende des Steckens binden, Essen reingeben und somit als wandelndes #retro Bildmotiv durch die Berge gehen. Sofern ihr sowas abseits von Facebook noch habt: Eure mitgekommenen Freunde werden euch gerne fotografieren, verlinken und posten, wie toll denn nicht diese Wanderung mit euch ist.
  7. Wurfgeschoss: Sofern ihr einen modernen Hund habt, der sich an der Langweiligkeit der Natur nur noch genauso wenig wie ihr selbst erfreuen könnt, werft doch einfach den Stick, damit er ihn zurückbringen kann. Wer braucht schon Holzstecken, wenn er immer einen Selfie-Stick dabei hat?
  8. Stalking-Hilfe: Habt ihr eine scharfe Nachbarin, die ihr bisher nur mit Gucker oder starker Brille unscharf beobachten konntet? Nicht mehr mit dem Selfie-Stick. Bindet doch einfach das Fernglas hinter das Handy, das hinter dem Stick befestigt ist. Die Nachbarin wird sich freuen. (Die Polizei derzeit eher nicht).
  9. Stiel: Egal ob Laub rechen, Staub kehren, oder Spinnweben entfernen… Euer Stick ist multifunktional einsetzbar. Hierbei ist nur wichtig, dass ihr den richtigen Aufsatz für die richtige Aufgabe verwendet. So kann dem fröhlichen Selfiestick putzen nichts mehr im Wege stehen.
  10. Umrührhilfe: Wer beim kochen lieber sitzt, aber lieber kocht, als gar nicht kocht, der kann aus sicherer Entfernung versuchen, mit dem Stick umzurühren. Mit ein bisschen Glück löst sich das Plastik und es entsteht ein einzigartiges Gericht mit noch einzigartigerem Geschmack.

Da ich keinen solchen Stick besitze und auch nicht vorhabe, mich diesem Unwort in Kombination mit diesem Unding zuzulegen, muss ich mich auf euch verlassen, diese Dinge auszuprobieren oder nicht. Falls ihr weitere kreative Ideen habt: Immer her damit.

Altertümliche Grüße,
Eure Nicole

©Nicole Inez

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17 Gedanken zu “Was kann ich alles mit einem Selfie-Stick machen?

  1. Hochwissenschaftliche Randbemerkung:
    Die ersten Prototypen dieser Sticks tauchten seinerzeit in der SM-Szene auf (SM = sophisticated masturbation, wie wir alle wissen). Natürlich wurden sie damals zum Einführungspreis verkauft (nomen est omen). Auch der Ausdruck ‚Selfie‘ stammt aus dieser Szene (macht ja irgendwie sogar Sinn) – der wurde später von den Pervos, die den Stick für narzisstische Selbstbildnisse missbrauchten, einfach unreflektiert nachgeplappert.
    Selfish regards
    Randy

  2. Musste sehr schmunzeln und bei Punkt 10 dann endlich wirklich laut auflachen 😀 Bäh!
    Die Dinger sind einfach des Teufels (warum sind sie nicht hörnchenförmig gebogen?). Ich war heute in Selfie-City bzw. in einer Ecke Münchens, in der es anscheinend auch überlebensnotwendig ist, alle 5 Meter stehen zu bleiben und sich vor jeder Hausfassade zu dokumentieren. Wenigstens nahmen sie dafür noch ihre eigenen Arme her.
    Man könnte mit den Sticks ja gut Fotografen-Schaschlik machen!

    • Haha Selfie-City 😀 Da muss ich glaube ich Mal hin: Psychologische Feldstudien machen 😉 Vielleicht leiern sich Arme nach tausenden von Selfies automatisch so aus, als wären sie so lange wie ein Stick xD

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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