Wie kann ich mich wichtiger machen, als ich bin?

Eigentlich sind ja alle Menschen gleich wichtig, möchte man meinen. (Oder wahrscheinlich ist das wieder nur eine meiner Gedanken, die ich so verinnerlicht habe, dass ich denke, es sei eine allgemein gültige Regel der Gesellschaft). Denn kaum hat man sich in dem Glauben, alle Menschen seien gleich viel Wert, vertieft, kommt wieder ein lebendes Beispiel dafür, dass es immer „besonders wichtige“ Exemplare gibt.

Wären diese Menschen nicht von ihrer Wichtigkeit und ihrer Großartigkeit dermaßen überzeugt, könnte man es durchgehend witzig finden und sich darüber lustig machen. Leider ist dies in deren Gegenwart nicht möglich (oh ja, ich versuche es in regelmäßigen Intervallen und werde dies auch niemals aufgeben). Warum ist dies nicht möglich? Da sie stark humorbe- und verhindert sind. Und unpässlich, arrogant, und absolut nicht humorvoll (obwohl sie es auch immer versuchen: Leider endet der Humor meist in dessen theoretischen Beschreibung).

Da es leider nicht lustig ist, wenn Menschen sich vordrängen, permanent Grenzen anderer überschreiten, einfach nicht antworten, sich nie entschuldigen, abwertende Bemerkungen machen, sich als Chef positionieren, anderen die Haare vom Kopf fressen würden, hätten diese nicht schon eine Glatze vom ärgern über eben diese Gattung Mensch…..

Was ist das Problem „besserer“ Menschen?
Menschen, die zu anderen Leuten unhöflich, respektlos und egoistisch sind, haben ein massives Problem. Leider spüren sie das selbst am wenigsten und das Umfeld am meisten. Komische Welt.

Die einzige Möglichkeit, mit solchen Leuten umzugehen (sofern man muss) ist es, folgende Tipps zu befolgen. Es führt kein Weg daran vorbei, selbst ebenfalls wichtiger zu erscheinen, als man ist. Aus jahrelanger Beobachtung an Fallbeispielen, hat sich ein kleines Tipp-Register ergeben.

  1. Antworten auf Nachrichten. Schreibe so gut es dir möglich ist, nicht zurück. Das wirkt, als wärst du immer beschäftigt und somit wichtig. Selbst wenn du nur zuhause sitzt und weinst, weil dich eigentlich niemand mag. Das macht nichts, es zählt, dass du nicht erreichbar bist und somit zumindest den Anschein erwecken kannst, irgendwie wichtig zu sein.
  2.  Doch-Antworten auf Nachrichten. Wenn du dich dich dazu entschließt zu antworten, dann mache das nur auf jede 3. Nachricht oder so. Das verstärkt den Effekt, dass du wichtig wirkst. Schreibe sowas wie: „Hui jui jui, ich bekomme immer so viele Nachrichten, ich weiß gar nicht, wann ich diese alle beantworten soll. Hui jui jui.“
  3. Die Sekretärin. Gut und wichtig wirkt auch immer, wenn du erwähnst, dass sich dein Sekretär um das Anliegen kümmern wird. Hier ist es egal, worum es geht. Das Wort Sekretärin in Kombination mit dem Wort „meine“ wirkt Wunder. Ehrlich! Wenn du dich ultimativ wichtig machen möchtest, helfen auch gut mein: Rechtsanwalt, Steuerberater, Personal Trainer, linke Hand…..
  4. Der Titel. Wenn du wirklich auch ein bisschen mehr als bloße Arroganz drauf hast und dir vielleicht ehrlich einen Titel erlernt und erarbeitet hast, verwende ihn so oft es geht. Jeder muss wissen, dass du ein Dr. bist. Oder ein Mag. oder so. Wenn du keinen Titel hast, dann stelle dich einfach mit „Hallo, ich bin Frau Mag. Großkotz“ vor. Solange es nicht auffliegt, mach einfach weiter. Gut kommt auch immer, wenn du selbst nichts drauf hast und einen Arzt heiratest. Viele Menschen werden dich dann auch Frau Doktor nennen und du brauchst einfach nur weiter nichts tun, als aufschneiderisch und arrogant zu sein.
  5. Erzähle, erzähle, erzähle. Damit meine ich wirklich: Erzähle. Am besten von deinem Wochen- und Monatsplan und wie gestresst du bist. Und dass du dein Gegenüber gerne „einplanen“ kannst, wenn du Zeit findest. Gerne kannst du hier das Wort Sekretärin wieder einflechten. Hier bekommt deine eigentliche Unwichtigkeit einen sehr wichtig scheinenden Touch.
  6. Deine Erfolge. Tritt sie breit, auch wenn sie noch so klein sind. Rede nur davon. Wenn du dann alles erzählt hast, was du so gut machst, dann erzähle einfach alles aus deinem wichtigen Alltag. Vergiss aber nicht, auch hier den Faden deiner eigenen Wichtigkeit durch zuziehen. Dein Gegenüber darf nicht merken, dass du genau das Gegenteil bist und du eigentlich ganze Zeit zuhause sitzt und weinst.
  7. Vordrängen. Am besten immer und überall. Und vor allem dann, wenn du dabei auch noch auffällst. Beispielsweise vor einer Garderobe, wenn sich alle in einer Reihe angestellt haben: Presche einfach vor. Die Begründung sollte sehr selbstbezogen, nichtig und nicht nachvollziehbar sein. Wie z.B.: „Ich bin Hunger und habe müde.“ (Dieser Satz würde selbst richtig formuliert sinnlos erscheinen, weshalb ich es auch gleich gelassen habe)
  8. Unterschwellige Abwertungen. Egal was dein Gegenüber erreicht hat, oder dir erzählt: Deines ist immer besser, interessanter, neuer, bladiblaer….. Ich denke es ist klar, was gemeint ist und es ist auch sehr einfach durchzuführen, wenn man sich nur fest genug zum Ziel setzt, ein wandelndes Bündel an Arroganz zu werden.
  9. Unterbrechen. Unterbreche andere Menschen beim Reden. Das suggeriert, dass DEINES immer wichtig ist und Vorrang hat. Kombiniere es mit Fachwissen (selbst wenn du keines hast) und erteile Ratschläge. Egal ob gefragt, oder nicht. Das kommt immer wichtig an und niemand wird merken, dass du eigentlich ganzen Tag zuhause sitzt, dich schlecht fühlst und deine Katze vollheulst.
  10. Ignoranz. Sei einfach immer beschäftigt. Selbst wenn du eigentlich gerade nichts zu tun hast. Tue einfach, als ob du was wichtiges machen müsstest. Das lenkt ab davon, dass es eigentlich jedem egal ist, was du tust, sagst oder auch nicht. Am besten funktioniert das face-to-face per Handy während dir eine andere Person etwas erzählt.

Ich bin mir sehr sicher (so sicher wie unreflektierte Überselbstsicher-Scheinsicherheitsfanatiker-Menschen), dass ihr noch besser und wichtiger werden könnt, wenn ihr diese Tipps befolgt. Es kann nicht genug an Egomanen geben. Die Welt ist zu leer davon.

Vor sehr langem habe ich mich bereits dieser Spezies gewidmet: Wo darf ich dir den roten Teppich ausrollen, mein Gebieter? Aber auch mein von Sarkasmus durchzogener Radschlag-Text zum Thema Wie gewinnen ich neue Freunde? wäre an dieser Stelle zum empfehlen. Da arrogante, „wichtigere“ Menschen hierbei alles richtig machen (So, wie von mir im Text beschrieben)

 

Beobachtete Grüße,
Eure Nicole

 

© Nicole Inez

 

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13 Gedanken zu “Wie kann ich mich wichtiger machen, als ich bin?

  1. Das mit der Mangelkrankheit hat was. Eine Art Seelen-Skorbut – nach und nach fallen alle menschlichkeitsrelevanten Eigenschaften aus wie lose sitzende Zähne.
    Eigentlich mag ich es ja nicht besonders, wenn ich Schläge bekomme (bin halt nicht von der Sorte). Aber deine Ratschläge nehme ich doch gerne an. Danke dafür. 🙂 Bisher bin ich immer ausgeprägt bescheiden aufgetreten. Und schlecht damit gefahren. Warum? Alle halten mich für ein arrogantes Detail der Gesäßpartie, weil sie glauben, ich nehme mich sooo wichtig dass ich es nicht einmal für nötig halte mich wichtig zu machen. Und vielleicht stimmt das ja sogar? (an dieser Stelle sollte jetzt ein Schreikrampf-Icon stehen)

    • Oh, ich fühle mich kompetent, reflektiert und erfahren genug, um zu behaupten, dass meine Texte keine Schläge beinhalten. Schläge gibt es ja außerdem nur in zwischenmenschlichen Beziehungen, wo das Vertrauen zwischen Personen fehlt bzw. Ratschläge von vornherein nicht gewünscht sind. Jedoch nicht auf Blog-Texten. Die muss man ja nicht lesen, außer ich zwinge dich – dann schon 😉
      Freue mich aber natürlich, dass du gerne von meinen Erfahrungen und Schilderungen annimmst 🙂

      Ich weiß nicht was stimmt. Ich weiß nur, dass man eine Ausstrahlung hat. Deine kenne ich nicht 🙂

      • Der Ausdruck ‚Schläge bekommen’ war auch nicht auf deine Texte gemünzt. 🙂 Eher so zu verstehen, dass ich einen guten Rat durchaus zu schätzen weiß, obwohl mir die ‚Schläge’ eigentlich suspekt sind. Ich meine: Wie kommt es eigentlich dazu, dass man von einem RatSCHLAG spricht? Das scheint ja eine Spezialität der deutschen Sprache zu sein?
        Deine Texte muss ich allerdings schon lesen – meine unbezähmbare Neubegierde zwingt mich dazu. 😉 (höhere Gewalt, sozusagen)

      • Ich verstehe! 🙂
        In der Psychologie ist es auch so, dass man in zwischenmenschlichen Beziehungen von „Schlägen“ spricht, wenn man sich mit „wohlgemeinten“ Tipps über eine Person stellt, oder eine Distanz zu einer Person nicht wahrt und ihr mit einem Ratschlag näher kommt, als gewünscht…. Im privaten gebe ich selbst nicht oft Ratschläge und ich mag es auch nur von wenigen Menschen, wenn ich welche bekomme. Das setzt Vertrauen voraus und auch eine gewisse Kompetenz beim Gegenüber, finde ich.
        Aber wenn jemand aus einem Fach sein Wissen teilt, dann sind Ratschläge einfach dazu da, um neue Perspektiven aufzuzeigen und im besten Fall aber auch zu helfen!
        Da ich selbst aber nicht wirklich viel von diesen Pseudo-Ratschlägen aus z.B. Lifestylemagazinen halte, die man auf alle ummünzen kann, habe ich auf meinem Blog auch die Rubrik „PsychoLogische Radschläge“ 😉 So kann ich besser verkraften, dass es tatsächlich viele Menschen gibt, die gerne „um sich schlagen“ 😉
        Das freut mich sehr, das zu lesen! 😀

      • Vielen Dank für diese spannenden Informationen. Vor diesem Hintergrund wird mir das Wort ‚Ratschlag’ richtig sympathisch. Es ist zwar immer noch kein schönes Wort, da dieser aggressive Unterton mitschwingt. Aber es stimmt schon: Es gibt ja etliche Varianten von Ratschlägen die viel mit Gewaltausübung zu tun haben. Wenn sie aufgedrängt werden. Wenn sie im Befehlston geäußert werden: „Du musst nur die Laufrichtung ändern!“ 😉
        Insofern ist RatSCHLAG ein ehrliches Wort – und das gefällt mir sehr.
        Natürlich gibt es wertvolle Formen der Beratung. Aber das setzt hohe fachliche Kompetenz plus persönliche Integrität voraus. Das ist dann auch ein völlig anderes Paar Schuhe als diese ‚one Scheiß fits all’ Ratgeber aus Magazinen.
        Radschläge ist ein schönes Wort – weckt in mir das Bild, dass jemand ein Rad schlägt. Eine statische Perspektive gerät in Bewegung – und eine neue Sichtweise hilft nach meiner Erfahrung oft mehr als ‚Klugschiss in der Familienpackung’. 🙂

  2. Vielen Dank. Du sprichst mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele. Vielleicht können wir uns in unserer bescheidenen „Arroganz“ wohl fühlen und müssen nicht auf das hören, was andere meinen, denken, sagen…? Und ja, das ist sicher auch eine Art der Arroganz. Aber ich habe keine Lust, meine Kräfte im Tanz der Eitelkeiten zu verschwenden. Dann lieber bescheiden „arrogant“ 😉

    • Danke – das würde ich buchstabengetreu so unterschreiben. 🙂
      Es gibt diese schöne Passage in Shakespeares Hamlet:
      This above all: to thine own self be true,
      And it must follow, as the night the day,
      Thou canst not then be false to any man.
      Ich finde, daraus ergibt sich ein hohes Maß an Integrität, eine Wesensechtheit, bei der man eine gewisse ‚Restarroganz’ gerne in Kauf nehmen kann.

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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