Was kann ich zu Weihnachten schenken?

Müsste ich die Entwicklung rund um Weihnachten der letzten Jahrzehnte auf einen Satz zusammenfassen, würde ich sagen: „Wir schenken zu viel und geben zu wenig.“ Ja was meint denn diese eigenartige Pseudo-Intellektuelle, deren Beiträge ich ab und an aus Mitleid lese, denn nun wieder?

Ich meine, dass beinahe jeder Mensch den wir kennen, genug von allem hat, wenn nicht gar zu viel. Flatscreen, Smartphone, Tablet, Selfiesticks Butterkekse mit Schokoguss (Aha, jaja). Kein Kind, das ich kenne, hat zu wenig Spielzeug, oder zu wenig Filme oder Naschzeug. Aber viele Kinder, die ich kenne, haben zu wenig: Zeit, Liebe, aufrichtiges Interesse, Ermutigungen und Einfühlungsvermögen von ihren Eltern. Gleiches gilt auch für die Eltern selbst: Auch sie bekommen zu wenig von all dem. Jeder hat alles und doch fehlt uns allen so viel.

Wir haben keine Zeit mehr, Zeit zu haben und noch weniger, sich welche zu nehmen. Das Leben läuft und wir ihm hinterher und wenn wir es nicht tun, dann tut es ein anderer. Wer sich bewusst gegen Hektik entscheiden würde, der müsste auf so viele Dinge verzichten, dass er danach wieder den Stress hätte, nicht mehr „Gesellschaftskonform“ zu sein. Man bedenke, man würde auf Internet verzichten, oder Smartphone, oder Auto, oder würde nur noch nach Werten und nicht Verkaufswerten leben.

Früher war wenigstens meinem Gefühl nach die Advents- und Vorweihnachtszeit noch besinnlich. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich kein Kind mehr bin und somit selbst mitten im Leben und somit im stetigen Wandel und reißenden Strom bin. Oder ob es wirklich so ist, dass es keine Besinnlichkeit vor und zu Weihnachten mehr gibt? Vielleicht liegt es auch am Wetter.

Dennoch gibt es fernab dem Trubel, der Werbung, dem 100. Mal bedeutungslosen „Last Christmas“ und dem Stress in den Einkaufscentern noch die Möglichkeit, sich wieder auf’s Wesentliche zu beschränken.

Was könnte man seinen Lieben zu Weihnachten schenken?

  1. Handyfreiheit: Sobald man zuhause ist und das Handy nicht mehr benötigt, wird es von allen Familienmitgliedern weggelegt und man konzentriert sich aufeinander.
  2. Gemeinsamkeiten: Um die gemeinsamen Interessen zu stärken und sich wieder auf den Menschen und nicht das Drumherum zu konzentrieren, schenkt man den Menschen, die einen wichtig sind von nun an regelmäßig Zeit für gemeinsame Aktivitäten.
  3. Ein offenes Ohr: Wenn jemand, der einen wichtig ist, einen braucht, dann hört man ab jetzt einfach hin statt weg. Man unterstützt den anderen, wenn er einen braucht und nimmt sich selbst Mal zurück.
  4. Ermutigende Worte: Man konzentriert sich auf den anderen und versucht die Stärken des anderen zu erkennen und baut Lob im Alltag ein, wie man es mit negativen Worten und Gedanken bisher getan hat.
  5. Ehrliches Interesse: Ab sofort nimmt man sich Zeit zum zuhören, fragt nach, wie der Tag des anderen war, fragt nach dessen Wünschen, Träumen und Hoffnungen und hört einfach aufmerksam zu.

Ich weiß, dass es für unsere Gesellschaft schwierig und teuer ist, diese Geschenke oder ähnliche zu schenken, denn Geld ist unser kostbarstes Zahlungsmittel geworden. Dennoch hoffe ich, dass es den Einen oder die Andere gibt, die anders ist und noch Wert auf nicht materielle Dinge legt.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine ehrlich besinnliche Adventszeit mit möglichst viel schönen Momenten. Ich habe außerdem diese tolle Seite für euch. Auch hier findet ihr Geschenksideen, die mehr Wert sind als jeder Euro: http://www.zeit-statt-zeug.de/de/

Besinnliche Grüße,
Eure Nicole

 

© Nicole Inez

 

 

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12 Gedanken zu “Was kann ich zu Weihnachten schenken?

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Ich kämpfe seit Jahren gegen Weihnachtsperfektionisten: Der Kaufpreis eines Geschenks muss die Wertschätzung zeigen (wohl, weil man sie nicht mehr anders zu zeigen vermag), andersherum wird die eigene Wertschätzung am erhaltenen Geschenk abgelesen – preislich, wohlgemerkt! – und wenn man auch vor Streß in Tränen ausbricht: Hauptsache, die Wohnung blitzt, Hauptsache, der Schein schönt vor sich hin!
    Nö!
    Wir machen uns schon lange keinen Streß mehr. Lieber rumkuscheln, als Staubsaugen und wenn das Fleisch trocken geworden ist – so what? Gibt’s zur Not halt noch eine Dose Ravioli dazu! Ein Teller zerbricht? Passiert – warum sich davon die Laune verderben lassen?
    Vergebens ist allerdings, dass wir schon seit Jahren, dass die Kinder genug Spielzeug haben. Anyway, umso mehr können wir wieder für Flüchtlingskinder aussortieren; eine Freundin von mir hat komplett auf „spenden statt schenken“ umgestellt.
    Ich selbst bin kein Weihnachtsfan, aber richtig herzwarm machen die leuchtenden Kinderaugen, wenn wir Kerzen am Adventskranz anzünden oder die Wohnung schmücken. Oder statt „Nein, jetzt nicht!“ auch einfach mal sagen: „Ja, ich komme gerne, mit Dir spielen!“
    Und am allerschönsten ist natürlich das Hibbeln der Kinder: „War das Christkind schon da?“
    Die von Dir erwähnte Seite kenne ich und ich finde sie toll! 🙂

      • Nein, das ist eine von mir bewusst gewählte Formulierung 😉 Aber prinzipiell ist es ein Widerspruch, weil es ja eine Tatsache ist! Weihnachten ist in unserer Gesellschaft sehr stressig.

      • Muss es das denn? Bei sowas bin ich klarer Verfechter von „Ich bin Teil der Gesellschaft, verdammt!“ 😀
        Keine Lust auf Streß, also lasse ich ihn möglichst nicht an mich ran. Gut, das lann leider nicht jeder…
        Beispiel: Ich fange schon ab September an, hier und da Geschenke zu kaufen. So verteilt sich das, auch finanziell. Weiß ich nicht, was ich schenken soll, frage ich mittlerweile ganz einfach nach, was sich derjenige wünscht.
        Wenn wir mit dem großen Weihnachtsessen dran sind, bitte ich Teile der Verwandtschaft, dass jeder etwas beisteuert: Einen Salat etw, Nachtisch oder Kuchen.
        Wenn man sich erstmal von diesem „Ich muss alles allein und perfekt hinbekommen“-Mist gelöst hat, ist, denke ich, schon viel gewonnen.
        Weiterer Tipp: Viele haben zwischen den Jahren frei oder es kommt ein Wochenende kurz nach Weihnachten. Wir haben daher auch schon Verwandtschaftsbesuche um ein paar Tage verschoben, statt alle an Weihnachten „abzuklappern“. Das hat bei uns enorm Streß rausgenommen.

  2. Immerhin verzichte ich auch außerhalb von Weihnachten auf ein Auto UND auf ein Smartphone. Das Handy benutze ich nur in Ausnahmefällen, also vier oder fünf Mal im Jahr. Und zu Weihnachten nehme ich mir ganz viel Zeit für mich und daheimgebliebene Freunde. Ich wünsche Dir ebenfalls eine ruhige und entspannte Weihnachtszeit. LG, Gérard

      • Auf den Fernseher zu verzichten, schaffe ich nicht. Ich bin nun mal ein Fernsehkind und Videotext-Junkie. Aber immerhin kann ich das alles durch die Arbeit als Online-Journalist einschränken. Die Musik will gehört, die Bücher wollen gelesen und die Texte geschrieben werden. LG, Gérard

  3. Das sind wunderbare Weihnachtsgeschenke! ❤
    Und aber eigentlich ist es traurig, dass man sich diese "Dinge" schenken muss, denn sie sollten selbstverständlich sein!!!
    Viele liebe Grüße
    Maria!

  4. Pingback: Schöner schenken mit Molly | Von der Uni an den Herd

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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