Können Sie sich Ihnen bitte selbst vollrotzen?

Es ist Winter, die Öffis sind voller Menschen. Sie husten, sie niesen, sie schreien beim Telefonieren ins Handy, sodass Gott und die Welt (und du und ich), wissen müssen, wie kurz der Rock von Chantal am Wochenende nun wirklich war und wie viele Männer sie dadurch an Land gezogen hat (ob du und ich nun wollen, oder auch nicht). Ich bin prinzipiell gut erzogen und bin in die Welt mit der Annahme entlassen worden, alle Menschen wären so. Hallo Realität! Hallo Desillusion! Hallo Dreistigkeit! Hallo… ihr wisst schon!

Mein Titel ist sowohl banal gemeint, als auch tiefgründig. Denn mit vollrotzen meine ich durchaus nicht nur die Sorte Mensch, die es  in Gegenwart anderer Leute nicht schafft, sich beim Verteilen von Körperflüssigkeiten die Hand vorzuhalten. Nein, hier meine ich vor allem diese Personen, die lebenslangen Ganzjahres-Rotzanfall haben. Und es nicht schaffen, ihr geistig wirres Schleimgemisch nicht unter anderen zu verteilen. Es ist nicht immer einfach, sich damit nicht anzustecken bzw. zurück zu husten.

Ich sage hierzu immer: Umso mehr Menschen, desto lustiger. Und mit lustig meine ich lustig. Am Gegenteil-Tag. Also ironisch. Ganz besonders lustig kann es werden, wenn man beispielsweise als Promoterin neben dem Studium arbeitet. So, wie ich das lange Zeit gemacht habe. Neben der Tatsache, dass der Großteil der Leute wirklich nett und umgänglich war, gibt es immer jemanden „der den Vogel abschießt“ (Anm.: Österreichischer Ausdruck für den Überhammer an „Ernsthaft-jetzt-Gedanken“)

Da fängt es bei manchen Auftraggebern bei den Projekt-Verantwortlichen an. (z.B. Briefing eine Stunde vor dem Einsatz, oder gar erst, wenn der eigentliche Einsatz schon stattfinden sollte. Viel zu spät bezahlte, aber mühevoll geleistete Arbeitsstunden, keine erlaubten Pausen, egal wie lange die Arbeit.) Und anschließendes überfordertes Gerotze, bei Ansprechen der Missstände.

Da gibt es die ältere rechtslastige Dame, die nur noch blau sieht und die herkommt und einen beleidigt, weil man selbst berufsbedingt Werbung für eine menschliche Partei macht und nicht selbst rotzend und pöbelnd gegen alle die nicht aus dem eigenen Land sind, auf der Straße steht. Ich bin der letzte Mensch, der sich zu politischen Themen äußert, deshalb noch weniger Verständnis dafür, unschuldige Menschen anzupöbeln. Egal wen. Auch nicht mich.

Da gibt es Leute, die einen vollrotzen und ausnutzen wollen, weil man ihnen gesagt hat, dass man Psychologie studiert. Und einen dann ohne wenn und aber privat vollhusten, ohne jemals die Hand vorzuhalten und sich dann als Sahne-Topping auch noch wichtig genug fühlen, um einen monatelang geplanten, recherchierten Text auszufüllen.

Da gibt es die Auskunfts-Stimme (die es bei uns in beinahe jeder Einrichtung gibt), die einem am liebsten durch’s Telefon beißen würde, obwohl man ihr doch noch gar nicht gesagt hat, für was für einen Ungustl (Anm.: Österreichisch für unmöglich unfreundlicher Mensch) man sie wirklich hält. Hier reicht oft sogar schon ein „Hallo, ich rufe an, weil…“.

Da gibt es diese Dame, die sich thematisch beinahe durchgehend entweder an Magazinen zu orientieren scheint, oder an anderen Bloggern. Oder sie ist vom Zufall geplagt und verfolgt. Und nie eigenen Ideen zu haben scheint, aber dennoch nicht aufhört, weil sie laut gehusteter Selbstbeschreibung und Selbstinszenierung die Geilste, Beste und Schönste ist.

Da gibt es die Leute, die immer als erstes in den Bus steigen müssen, egal wen sie wegdrängen müssen. Und als erstes in der Reihe stehen müssen, weil es danach nichts mehr zu geben scheint. Oder an der Kasse im Supermarkt sich vordrängen müssen, weil es in einer Stunde keine Kassen mehr gibt, weil das Kassenmonster alle Supermärkte inklusive Kassen verspeisen wird.

Da gibt es diese Familie, die ihren Kindern keine Grenzen setzt. Die einfach den Frieden anderer stören, weil sie meinen, wenn sie da sind, dann müsse das jeder wissen. Und dann einen Husten – und Rotzanfall bekommen, wenn man sie in die Schranken weist. Und jegliches Fehlverhalten mit „isse Kind“ begründet und selbst aber nicht besser ist.

Da ist dieser Typ, der ohne wenn und aber seine Vorurteile und Klischees aushustet und es nicht Mal bemerkt. Und der „alle Frauen sind so“ und „das machen alle Männer so“ und „das kommt halt bei Frauen gut an“ mit „das ist doch so“ begründet. Und dann meint „Du bist krank“, wenn ich ihn darauf hinweise, dass er nur in Verallgemeinerungen spricht und ich darauf keine Lust mehr hätte.

Da ist diese Vortragende, die im Kurs erwähnt, dass es in Buchläden immer wieder kostenlose Exemplare gäbe und sie sich gerne auch daran orientieren würde, weil unbekannte Autoren doch gute Ideen hätten, die man dann selbst verwenden könnte. Die mit kindgerechten Methoden in der Erwachsenenbildung unterrichtet, die weder Ziel noch Sinn haben und einen dann mit ihren Newslettern belästigt, obwohl man in der 3. Einheit erbost geflüchtet ist.

Meine Eltern – und dafür bin ich ihnen sehr dankbar, haben mich nach Werten erzogen. Sie haben mir gelernt, dass man „bitte“ und „danke“ sagt. Dass man älteren Menschen einen Platz im Bus anbietet, dass man Rücksicht auf andere nimmt, dass es Werte gibt, nach denen man leben kann. Dass man sich entschuldigt, wenn man einen Fehler gemacht hat. Dass man sich beim Husten die Hand vorhält. Dass man niemanden bestiehlt (auch nicht in Text und Ideen).

Es gibt aber auch Dinge, die ich für mich selbst gelernt und beschlossen habe. Nämlich, dass man zu sich selbst stehen soll  und klar sagen darf, was einen im Miteinander missfällt. Dass man dabei aber niemals rotzend und Niveaulos werden sollte und eine gewisse geistige Höhe beibehalten sollte. Dass man keine Menschen persönlich beleidigt, dass man anderen mit Respekt begegnet.

Dass, dass, dass….. Leider ist es nicht immer einfach, nicht um drei Etagen zu sinken, wenn man angepöbelt wird. Menschen, die sich selbst nicht unter Kontrolle haben und niemals Erziehung genossen haben, kann man aber auch durch sich Einlassen auf ihre einfache Art der Aggressionsbewältigung, nicht ändern. Aus diesem Grund erachte ich es am Sinnvollsten, solche Leute so gut es geht zu vermeiden.

Wovon wurdet ihr die letzten Monate vollgerotzt? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

 

Infizierte Grüße,
Eure Nicole

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Text und Idee: Nicole Inez

 

 

 

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