PsychoLogisch: Wie bekomme ich die perfekte Bikini-Figur?

Den heutigen Text möchte ich gerne mit einer Nutzungsempfehlung beginnen. Ich glaube, das ist auch der Hauptgrund, warum ich das tun werde (Also den Text mit einer Empfehlung beginnen). Also ab dem nächsten Satz. (Das erwähne ich nur, damit keine Verwirrung darüber entsteht, wann die Einleitung aufhört, und die Gebrauchsanweisung beginnt. Genau hier (weil ja das Wort Gebrauchsanweisung davor steht. Logisch, oder?) Gebrauchshinweis zum Text: Obwohl im Titel bereits das Wort „Bikini“ steht, sind die nachfolgenden Zeilen und Tipps sowohl für Frauen, als auch für Männer geeignet. Auch dicke Kinder möchte ich nicht ausgrenzen. Sie sind nur dick, nicht ungut. Also nichts für Ungut.

Wie jedes Jahr um dieselbe Zeit, dürften sich in den Frauen- und Lifestylemagazinen (wahrscheinlich auch in den Männerzeitschriften, aber die lese ich als bekennende Frau eher nie bis überhaupt nie und niemals) gerade irrsinnig viele Tipps und Tricks tummeln, die allesamt komplett verschieden sind und dennoch das Gleiche versprechen: Die perfekte Bikinifigur. Bevor ich nun auf den philosophischen Aspekt dieses Humbugs eingehe, schreibe ich erst diesen Absatz zu Ende und vielleicht kommt auch noch ein weiterer hinzu. Oder noch viele mehr und ich gehe gar nicht mehr darauf ein. Woher soll ich das wissen? Ich bin ja keine Hellseherin.

Wie schon vorhin angedeutet, halte ich nichts von „schlank in 10 Tagen“, „diese 10 Tricks lassen sie schlank in die Badehose schlüpfen“, „nie mehr dick sein, dank Watte essen…“. Diese Floskeln sind für mich genauso hohl, wie die Menschen, die diese Tricks anwenden und solche Magazine mit monatlichen Beträgen unterstützen, indem sie sowas (ja, ich meine wirklich sowas) kaufen. Das einzige, was solche Tipps trotz ihrer Unterschiedlichkeit im Sinnlosigkeitsgrad haben, ist ihre Nutzlosigkeit und ihre (für mich offensichtliche) Ironie.

Ich sage es jedem immer wieder, dass es keine gute Diät gibt, weil man im Endeffekt wieder zunimmt und frisst wie ein Mähdrescher, sobald das Abnehmen vorbei ist. Dass auch Emotionen eine wichtige Rolle beim Essen, Ab- und Zunehmen spielen, man sich regelmäßig bewegen muss und nur eine dauerhafte Ernährungsumstellung die dauerhaft gewünschten Ergebnisse erzielen können. So habe ich abgenommen, so haben alle Leute abgenommen, die nicht mit drittem Namen Jo-Jo-Effekt heißen und so werden auch alle anderen Menschen abnehmen, deren Übergewicht nicht in einem genetischen Defekt liegt.

Da diese Theorie jedoch drei Tücken hat, will sie niemand wahrhaben:
1. Sie beutet keine Menschen aufgrund von Verzweiflung und Faulheit aus.
2. Sie verlangt, dass man sein Leben umstellt und dauerhaft was tut.
3. Es klingt zu einfach, um wahr zu sein.
4. Menschen sind Menschen (ja, ich habe zuerst gesagt, es handle sich um 3 Tücken und habe jetzt einen 4. hinzugefügt. Gut beobachtet, bekommst ein Zuckerl dafür).

Ich hatte früher die Tendenz, Menschen bekehren zu wollen und sie eines Besseren zu belehren. Mit der Erkenntnis, dass dies rein gar nichts bringt. Es ist doch schön, seine Bekanten und Verwandten alle drei Monate in einem neuen Licht zu sehen (30 Kilo plus, 30 Kilo minus, 20 Kilo plus, 10 Kilo minus). So wird das Leben nicht langweilig und die nächste Wunderdiät kommt bestimmt. Ich könnte zwar die Welt mit meinem Wissen retten, lasse meine psychologischen Weisheiten jedoch im Hintergrund, wende es auf mein Leben an und schaue mit Arroganz auf Magazine und ihre LeserInnen herab, die Millionenumsätze mit fremder Unreflektiertheit verdienen. Aber ich lächle dabei. Weil ich fröhlich und höflich bin. Das geziemt sich so.

Da ich natürlich zu jedem Thema die perfekten Tipps habe, gleich wie Lifestyle Magazine, möchte ich sie wirklich sehr, sehr gerne mit euch teilen. Wie kann ich also bis zum Sommer so eine Figur haben, dass ich einfach nur wunderschön schlank bin?

1. Im Bett liegen: Vermeide einfach jegliche körperliche Bewegung außerhalb deines Betts. Am besten du bleibst im Bett liegen und lässt die Wohnungstür aufgesperrt. So kann Putzfrau, Lieferdienst und sonstige Besuche ein- und ausgehen, ohne dass du permanent aufstehen musst.

2. Essen frittieren: Backe (nein nicht bloß braten: backen!) alles in Fett raus. Egal was es ist. Wer nicht weiß, was man alles in Fett rausbacken kann, dem rate ich folgendes Video als Inspiration (wobei der letzte Tipp absolut grenzüberschreitend und widerlich ist): Frittieren bis einer heult

3. Auto: Fahre überall hin mit dem Auto. Beim einkaufen stellst du dich am Besten vor den Eingang des Supermarktes. So vermeidest du unnötige Schritte. Was zu viel ist, ist doch wirklich zu viel.

4. Werfen: Wenn du eine Einzimmerwohnung hast, bist du bei diesem Tipp definitiv im Vorteil. Solltest du eine große Couch mitten im Zimmer haben, kannst du von dort aus bequem alles steuern. Z.B. Kannst du die Fernbedienung auf den Lichtschalter werfen, um die Lampe auszuschalten. Oder du benutzt deinen Wanderstecken und weiter entfernte Dinge aufzuklauben und in deine Nähe zu schieben.

5. Fastfood: Dieser Radschlag ist ein wenig an das Frittieren angelehnt. Jedoch viel abwechslungsreicher und ausgewogener. Iss jeden Tag im Jahr Fastfood. Inspirieren lassen kannst du dich hierbei durch einen Urlaub in Amerika. Dort fangen die Portionsgrößen dort an, wo unsere aufhören. Viel Fleisch von gequälten Tieren ist auch ein heißer Tipp. Als guten Ausgleich hilft genügend Bier und Alkohol im generellen (der hat aufgrund seines Flüssigkeitsgehalts überhaupt keine Kalorien).

6. Sport vermeiden: Sport ist Mord, ist kein Gerücht. Es ist eine gesunde Lebenseinstellung, derer man nachgehen sollte. Am Besten, man sieht schon Zähneputzen und andere Pflichten des Alltags als Anstrengung. Das ist eine gute Einstellung, die garantiert, dass es niemals zu etwas Sinnlosem wie sportlicher Betätigung kommen wird.

7. Emotionen verdrängen: Niemand spricht darüber, weil niemand darüber spricht. Deshalb weiß es auch niemand, weil es kaum jemand weiß: Der Umgang mit Emotionen kann dick machen. Deshalb ist Frustessen eine sehr gute Möglichkeit, mit sich selbst und vor allem seinem Äußeren im Reinen zu sein. (Es ist nur ein dummes Gerücht „wie im Innen so im Außen.) Demnach ist es eine sehr gute Taktik, vor Problemen davonzulaufen und alles im wahrsten Sinne des Wortes in sich hineinzufressen.

8. Mache alles allein: Falls du dich doch dazu motivieren solltest, Sport zu machen (wovon ich wirklich dringend abraten würde), schau dass es etwas ist, was du immer allein machen musst. Sehr schlecht wäre, wenn du jemanden hättest, mit dem du dich gemeinsam bewegen könntest. Das könnte dich im schlimmsten Fall sogar dauerhaft motivieren und in einem Hobby ausarten. Vorsicht ist also geboten!

9. Abartige Ziele: Setze dir deine Ziele so unrealistisch wie möglich. Z.B.: Ich möchte aussehen wie Heidi Klum. Oder: Ich möchte in 10 Tagen 10 Kilo abnehmen. Oder: Ich möchte schlank werden im Schlaf. Oder, oder, oder…. A Kotz is ka Koder (Übersetzung aus dem Österreichischen: Eine Katze ist kein Kater.)

10. Mit dem letzten Tipp fasse ich die drei wichtigsten Komponenten zusammen: Iss einfach permanent, bewege dich kaum bis gar nicht und gehe falsch mit deinen Emotionen um.

Das waren meiner megatollen, hilfreichen Tipps für euch. Ich hoffe, ihr rollt schlank durch den Sommer.

 

Wer gerne eine ernsthaft ernsthafte Version zum Thema abnehmen lesen möchte, dem rate ich folgenden Text, der offensichtlich kritisch ist, ohne ironische Umschweife: Kann es sein, dass du Absurdologie studierst?

 

Radschläge

 

Radschlagende Grüße,
Eure Nicole

Text und Idee: Nicole Inez

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24 Gedanken zu “PsychoLogisch: Wie bekomme ich die perfekte Bikini-Figur?

  1. Na toll , Nicole, jetzt hab ich all deine Radschläge beherzigt und kein Gramm abgenommen * laut lachen muss * … vom vielen Radschlagen wird einem nur schwindelig …. toll deine Texte , immer wieder humorig und für meine gute Laune gut ….
    schönen tag wünscht eine vor lachen radschlagende wolfskatze 🙂

    • Hahaha oje, das ist natürlich sehr schade! Vielleicht wirken sie bis zum nächsten Sommer, man soll sich ja nicht stressen 😉
      Vielen Dank, das freut mich ehrlich sehr, zu lesen 😀

      Dir ebenfalls einen schönen Tag und liebe Grüße, liebe wolfskatze 🙂

      • noch ein kleiner Nachtrag : falls es mit der Bikinifigur Modell Knochenmobile nicht klappt einfach einen Bikini in der passenden Konfektionsgröße kaufen und ein Selbstbewusstseins – Training bei unserer Psychologin Nicole buchen …. 😉

  2. Danke liebe Nicole! Ich will nämlich gerade 3 Kilo abnehmen und ich denke, dass ich dieses Ziel nun mit Hilfe deiner Radschläge superschnell und supergut erreichen kann!
    Mollige und rollige Grüsse Sandra

  3. Ich habe herzlich gelacht, so schön auf den Punkt formuliert findet man es nur selten. Nur beim allein sporteln möchte ich widersprechen. Wenn schon Sport, dann mit der BFF … Und zwischen zwei Übungen schön eine halbe Stunde Pause, um neuen Klatsch auszutauschen. Und nach dem anstrengenden Workout von einer Stunde schön lecker Torte essen. 😉

  4. Das ist doch versteckte Werbung!
    Da ich bemerkt habe, dass du 4 statt 3 Tücken aufgelistet hast, ich das von dir erwähnte Zuckerle natürlich auch vernascht habe und umgehend drei Kilo zugenommen habe, muss ich nun doch Diät machen. Ich hoffe du lässt dich für dieses Leserblenden gut bezahlen!
    Ach, und noch ein Tipp zu deinem Tipp „Werfen“: Wenn du die Gegenstände, die geworfen werden, vorher mit einer Schnur versiehst, kannst du sie ganz einfach wieder zu dir zurückziehen. Ich empfehle hierfür einen Artikel aus einer der oben angesprochenen Klatschzeitschriften: „Lassoschwingen leicht gemacht: So wirfst du zum Superstar mit dem Seil!“. Hilft.

  5. Hm, jetzt habe ich das aufmerksam gelesen und dabei unbemerkt die ganze erste Tafel Schokolade gegessen, dabei hatte ich sie noch gar nicht frittiert! Na super, ich habe schon bei Pkt. 2 einen Fehler gemacht, heul! Den Tipp mit dem im Bett liegen habe ich ja noch fehlerfrei hingekriegt… Hoffentlich wird das trotzdem noch was mit meiner Diät, zitter. Zur Nervenberuhigung erst einmal Schokolade, weil der Streß ist ja so schädlich für’s Herz.
    Wir Österreicher haben übrigens ganz offensichtlich die tiefgehendsten, immer glasklarer Logik folgenden und mit keiner Philosophie schlagbaren Weisheiten („A Kotz is …“)! Ich glaube darum beneidet uns die ganze Welt 🙂

  6. Merkwürdig, dass in diesen Magazinen auf solche Artikel immer eine Modestrecke mit knappster Badebekleidung folgt und in den Artikeln auch immer wieder auf hilfreiche, natürlich käuflich zu erwerbende Produkte verwiesen wird.

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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