Beeinflusst der familiäre Hintergrund die eigene Zukunft?

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr“. „Aus dir wird nie was.“ Diese und ähnliche Sätze kennt man aus Geschichten, aus den eigenen Erfahrungen und aus dem Alltag. Kann es sein, dass der familiäre Hintergrund die Zukunft der Kinder maßgeblich beeinflusst? Als Grundlage zur Bemessung dient hier der Sozioökonomische Status der Familie. Würde das also auch bedeuten, dass die Vergangenheit unsere Zukunft von Kindesbeinen an, maßgeblich beeinflusst?

Was ist dieser Soziökonomische Status?

Der SoS bezeichnet ein Bündel von Merkmalen menschlicher Lebensumstände. Diese teilen sich auf auf:

  • formale Bildung und Schulabschluss
  • Ausbildung und Studium
  • Beruf und Einkommen
  • Wohnort und Eigentumsverhältnisse
  • Liquidität und Kreditwürdigkeit

In ihrem Artikel formulieren C. Rouse & L. Barrow anhand einer großangelegten Studie aus den USA, dass der familiäre Hintergrund in bedeutender Weise Einfluss auf den weiteren Bildungsweg und somit auch die berufliche Zukunft hat. Diese Unterschiede zeigen sich bereits früh: Kinder mit niedrigem SoS, erzielen durchschnittlich niedrigere Werte bei Tests, wiederholen öfter Klassen und schließen weitaus seltener die Highschool ab.

Hierin beginnt auch schon das erste große Problem. In Amerika ist ein Highschool Diplom die minimalste Anforderung für viele Jobs. Was wiederum bedeutet, dass man bei einem Abbruch der Highschool einen schlechteren Job bekommt. Zum Vergleich: 7.1 Prozent jener, die die Highschool abschließen, bekommen einen Job in höhergestellten Jobs (Management, Architektur, EDV- oder Rechtsbereich). Jedoch nur 2.6 Prozent der Abbrecher finden sich dort wieder. Hingegen müssen sich 26 Prozent mit einer Arbeit in einem niedrig angesehen Bereich (Nahrungszubereitung, Service, Land- und Forstwirtschaft) zufriedengeben.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der für die Schul- und Berufslaufbahn entscheidend ist, ist die vererbte Fähigkeit. Was so viel bedeutet, wie fähig stellt sich ein Mensch im Leben generell an. Dies ist unabhängig von der Intelligenz. Die Autorinnen schreiben, dass weniger fähige Menschen einen niedrigen SoS haben. (Wahrscheinlich, weil sie sich weniger zu helfen wissen, auf den Brettern dieser Welt). Fähigere Menschen tun sich also leichter, das Leben auf höherem Niveau zu meistern, unabhängig von ihrem familiären Hintergrund. Eine niedrigere Fähigkeit bedingt wiederum eine niedrigere Schuldbildung, mit all ihren Spätfolgen.

Außerdem ergab eine Studie von Sacerdote, der Adoptivkinder und biologische Kinder untersucht hatte, folgendes: Nur 23 Prozent der mütterlichen Ausbildung beeinflussen die kindliche. Die Genetik spielt hierbei die größere Rolle. 23 Prozent der Bildung werden nämlich durch die Umwelt beeinflusst, 77 Prozent sind jedoch genetisch beeinflusst.

Mit der Current Population Survey wurde herausgefunden, dass für jedes absolvierte Schuljahr der Verdienst um 11 Prozent steigt. Das liegt daran, dass Bildung Skills und sogenanntes „menschliches Kapital“ lehrt, welches für die Zukunft wesentlich ist. Somit kann ein gebildeter Mensch produktiver sein. Laurete & Spence haben sogar herausgefunden, dass Bildung und Einkommen durch den Grad der Fähigkeit bestimmt wird. Bildungsprogramme hätten demnach keinen Sinn.

Weiters bestimmend ist die Tatsache, dass die Erwartungen der Lehrer an benachteiligte Schüler deren psychologische Kosten ansteigen lassen. Diese negativen Erwartungen der Lehrer beeinflussen sowohl Intelligenz als auch Leistung. Kinde mit höher geachtetem Namen werden öfter für Talent-Programme empfohlen. Weniger geachtete Namen erzielen (laut Lehrerbewertung) niedrigere Leistungen in Mathe und Lesen.

Die Wahl der Schule ist von der Wohngegend beeinflusst und die wiederum ist vom SoS bestimmt. Wohnt also jemand in einer schlechten Gegend und hat schon per se einen niedrigeren SoS, so wird sein Kind automatisch eine schlechtere Schule besuchen. Dort finden sich oftmals überfüllte Klassen und erwiesener Weise, junge, unerfahrene Lehrkräfte. Diese unterrichten dann übrigens auch oft Fächer, die sie gar nicht studiert haben. Die Schulausgaben pro Schüler sind jedoch in etwa gleich, egal ob der in eine gute oder schlechte Schule geht. Obwohl der Logik nach, benachteiligte Schulen mehr Geld brauchen würden.

Was noch wesentlich ist: Die Peerqualität an schlechten Schulen ist ebenfalls schlecht. Man bewegt sich also in seinen Kreisen. Es kann ebenfalls angesehen sein, schlecht und schlimm in der Schule zu sein, was die Gesamtqualität der Schule wiederum senkt. Auch die Führung durch den Direktor wird als wesentlicher Faktor angeführt.

Abschließend bietet die Studie eine eher düstere Aussicht. Überspitzt kann man sagen: Einmal niedriger Status, immer niedriger Status (aus den eben genannten Gründen). Auch wenn kleinere Klassengrößen, qualifiziertes Lehrpersonal und finanzielle Ressourcen pro Schüler die Situation minimal verbessern, bleibt sie relativ aussichtslos. Quasi ein Teufelskreis aus Sozioökonomischem Status und Weitergabe der eigenen Lebenswelt an seine Kinder.

 

Liebe Grüße,
Eure Nicole

 

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Copyright: Nicole Inez

 

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozio%C3%B6konomischer_Status
Paper: U.S. Elementary and Secondary Schools: Equalizing Opportunity or Replicating the Status Quo

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