Selbsttest: Welcher Krankenzimmer-Typ bist du?

Fast jede(r) von uns war schon einmal dort und ich wage fast zu behaupten, niemand möchte freiwillig dort hin – schon gar nicht für längere Zeit. Und doch müssen viele von uns doch für ein paar Tage dort hin. Nein, ich spreche nicht vom Finanzamt oder von der Uni, sondern von was noch Schlimmerem: Dem Krankenhaus.
Optimistisch wie ich nun Mal bin, habe ich von allem so meine Vorstellung. So auch von meinem 5-tägigen Spitalsaufenthalt:
– Sanftes Wecken mit Walgesängen gegen 9 Uhr (man ist ja schließlich im Krankenstand) – Mit anschließenden Rückenmassagen gegen das Kopfweh, welches sich durch den Schlafmangel (bedingt durch das Schnarchen der 7 Mitbelegerinnen) aufgebaut hat
– Gefolgt von vitalem Vollwertfrühstück, welches einem in mundgerechten Stücken gefüttert wird.
– Ein eigener Sitzplatz auf einem sauberen Tisch und frische Luft in einem Zimmer, in dem an ein wenig Privatsphäre hat.

Wie so oft, habe ich die Realität nicht kommen hören, die sich im Hinterhalt bereits angeschlichen hatte. Sie sah wie folgt aus:
– Nach zwei Stunden (und gefühlten null Stunden) Schlaf, wurde man um 6.30 Uhr durch grelles Licht und einen Blutdruckmesser am Arm geweckt.
– Im nächsten Schritt musste man das Bett verlassen, damit das gemacht werden konnte. Währenddessen durfte man sich Fieber messen lassen (und in meinem Fall jeden Morgen auf’s Neue herumstreiten, dass eine Körpertemperatur von 35°C wirklich die Norm sein kann).
– Weiters durfte man dann vor 7 weiteren Personen sagen, ob man denn letzten Tag Stuhlgang hatte (oh, was für ein wundervoller Moment der Vertrautheit mit der Gruppe)
– Danach durfte man all die grausigen Pulver schlucken, die eigentlich besser waren, als das immer gleichschmeckende Essen.
– Abgerundet wurde das ganze durch den unglaublich lieblichen Duft 1000er Krankheiten, Ausdünstungen und Vorlieben für die Regelmäßigkeit der Körperpflege.

Damit ich nicht nur sudere (Anm: Österreichisches Wort für jammern, klagen), sondern ihr auch was vom Beitrag habt, außer pure Unterhaltung, werde ich euch im Folgenden Krankenzimmer Typen auflisten und ihr könnt euch selbst zuordnen. Es steht euch frei, euch darin wieder zu erkennen, oder nicht. Die Typen sind sicher nicht vollständig und sind aus viel Langeweile, noch mehr Zeit zum Beobachten und einem scharfen analytischen Verstand entstanden.

Die 5 Typen des Krankenzimmers:

1. Das Prinzesschen/Der Prinz

Du verwechselst einen Krankenhausaufenthalt mit einem Wellnessurlaub und das Krankenzimmer (welches für 6-8 Personen gedacht ist) als deinen kleinen Palast. Aus diesem Grund hast du auch einen Schminkkoffer mit und musst dein Zimmer mit deinen Besitztümern belagern, weil dein Kasten dafür nicht ausreicht. Dein Hab und Gut wird natürlich von deinem Personal in DEIN Zimmer getragen und dort ausgepackt. Du hast so viel Schminke im Gesicht, dass man sich nicht sicher ist, ob sich in dein Bett nicht irrtümlicher Weise eine fremde Person gelegt hat, sobald du abgeschminkt bist. Die Tatsache, dass 6 Personen etwa 1,5 Stunden gesamt in der Früh Zeit haben, das  Bad zu belegen, ignorierst du und rundest gleich auf eine Stunde für dich allein auf. Wenn dich dann jemand aus dem Bad bittet, reagierst du mit Unverständnis und föhnst dein nasses Haar für eine weitere Stunde mitten im Zimmer. Besuchszeiten sind dir egal, du kommst und gehst wann du willst. Du willst sogar bei der Operation perfekt aussehen und ignorierst deswegen gekonnt den Aufklärungsbogen, der sowohl Schminke als auch Nagellack verbietet.

2. Die Ungepflegte/Der Ungepflegte

Dein Geruchsempfinden und deine Selbstwahrnehmung sind erheblich gestört. Wenn man das Zimmer betritt, merkt man sofort: Du bist da – man riecht dich, obwohl man dich nicht (mehr) riechen kann. Den Hinweis, sich nach der Operation für eine gewisse Zeit nicht zu duschen, hältst du strikt ein und gehst sogar noch über die Grenzen. Zwei Wochen ohne Körperpflege sind kein Problem für dich und das sprichst du auch offen an. Das Bad betrittst du in einer Woche Krankenhaus kein einziges Mal. Wozu auch? Für dich gibt es nur schwarz oder weiß: „Duschen oder nicht duschen ist hier die Frage…..“. Katzenwäsche, Deospray oder andere Körperdüfte kommen für dich ebenfalls nicht in Frage. Da du ja ohnehin schon riechst, hast du kein Problem damit, alle möglichen weiteren Düfte aus deinen Körperöffnungen freien Lauf zu lassen. Man soll ja schließlich wissen, dass du noch nicht erstickt bist. Deinem Motto: „Ohne Pflege bestreite ich meine Wege“, bleibst du auch im Privaten treu und erzählst, dass auch deine Wohnung aussieht wie eine Müllhalde. Niemand traut sich dich auf deine Ausdünstungen anzureden, weil es eine sehr peinliche Situation für beide Seiten werden würde.

3. Die Coole/Der Coole

Du stehst über den Dingen und weißt alles besser. Irgendwann in der Jugend ist dein Geist hängen geblieben und seitdem reagierst du auf alles, was dir gegen den Strich geht (und das ist wirklich alles) mit Trotz und lauter Rebellion. Deine Haare, deine Kleidung, deine Aura und sogar deine Seele sind schwarz. Würde man dir dein Alter nicht ansehen, würde man meinen, dass du 16 bist und eine schwere pubertäre Phase durchmachst. Aus einer dauerhaften Experimentierphase weißt du, welche Schmerzmittel bei was am besten wirken. Da du nicht die gewünschte Dosis (für jeden normalen Menschen Überdosis) bekommst, verweigerst du Essen und Trinken. Du willst gerne nach Hause und dich selbst behandeln, weil du eben alles besser weißt und dich vor allem besser mit Medikamenten auskennst. Obwohl es die Narkose negativ beeinflussen kann, rauchst du vor der Operation noch ein paar Zigaretten. Auch danach würdest du gerne rauchen, weil du so cool und abgebrüht bist und gar nicht verstehen kannst, wer sich diese lächerliche Regel ausgedacht hat. Und Regeln sind ja für dich prinzipiell da, um gebrochen zu werden.

4. Die/der Staubdumme (Taubstumme)

Du bist zwar nicht staubdumm oder taubstumm, aber dein  Verhalten lässt den Eindruck erwecken. Egal wann, du trägst Kopfhörer. Die Musik, die daraus dröhnt, ist schlechter als Mainstream und ist eine Endlosschleife an Technohits gemischt mit Hüttengaudi. Man kann dich nichts fragen, da du ständig zugestöpselt bist und wenn du das nicht bis, kommt kein Wort aus deinem Mund. Dir ist es zwar nicht egal, dass du keine Kohlensäure trinken darfst und trinkst sie dennoch. Wenn dich die Krankenschwester darauf ansprichst, dass du das nicht tun darfst, kaufst du dir am nächsten Tag statt Fanta, Frucade, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass du verstanden hast.
In den kurzen Momenten, in denen du nicht mit Kopfhörern abgeschottet bist, steht dir dein Smartphone zur Verfügung. Deinen Blick wendest du nicht ab davon, auch wenn man mit dir spricht. Sonst könntest du vielleicht ein Leben bei „Candy Crush Saga“ verlieren. Und wer will das schon.

5. Die Optimistin/der Optimist

Du bist eine wahre Frohnatur und das merken deine Zimmergenossinnen ab dem Moment, in dem du das Zimmer betrittst. Das Erste, was du tust, ist ins Telefon schreien, was hier alles „eh ganz okay“ sei und dass man „hier jetzt durchmüsse“. Jeden Tag bist du frisch und fröhlich dabei, jede einzelne Zutat von Frühstück, Mittag- und Abendessen aufzuzählen. Auch wenn du schon zum 3. Mal dieselbe Stelle operieren lässt, weil scheinbar die Ärzte gepfuscht haben, gehst du immer wieder ins selbe Spital und glaubst erneut an ein Wunder.

Ihr merkt schon, auch ein Spital beherbergt verschiedene Charaktere (und ich dachte bis dato immer, dieses Phänomen macht vor Krankenhäusern halt). Ich hoffe, ihr konntet euch mit der ein oder anderen Persönlichkeit identifizieren und ich hoffe auch nicht.
Leider bin ich etwas müde im Kopf, weshalb ich jetzt aufhöre, weitere Theorien aufzustellen.

Analysierende Grüße,
Eure Nicole

deinem-motto-ohne-pflege-bestreite-ich-meine-wege-bleibst-du-auch-im-privaten-treu

Text und Idee: Nicole Inez

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12 Gedanken zu “Selbsttest: Welcher Krankenzimmer-Typ bist du?

  1. Wenn ich an einen gammeligen Sonntag denke, tendiere ich zu den Nichtduschern! Für zwei bis drei Tage wäre das durchaus machbar, darüber hinaus aber doch eher von einem Unwohlsein begleitet ^^

    Alles in allem würde ich mich aber zu den „Ich will nicht hier sein und möglichst schnell wieder raus“-Menschen zählen.

    • Verstehe ich – ich musste selbst eine paar Tage verzichten und fand es schrecklich…. Aber manche Menschen gehen darin scheinbar erst richtig auf 😉
      Ja, das verstehe ich auf jeden Fall…..

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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