Psycho Logisch: Wann wende ich Ironie und Sarkasmus an?

„Die Ironie ist die Lust an der Distanz zu Dingen, deren Nähe Unlust erzeugt“, sagte Anselm Vogt irgendwo irgendwann einmal und jemand anders hat dies auf einer Zitate-Seite verewigt. Ich habe ein wenig recherchiert, was die Allgemeinheit der DenkerInnen über einen Teil meiner Lebenssicht auf die Dinge zu sagen hat. Verwunderlicher Weise verbinden viele Menschen Ironie und Sarkasmus mit Verbitterung und allerlei Negativem. Bei mir ist das jedoch erblich und familiär bedingt. Seit ich denken kann, war ich von ironisch denkenden Menschen umgeben. Mir gefiel diese Art, auf die Dinge und die Welt zu schauen. Wahrscheinlich lebe ich deshalb danach. Eine Zeit lang habe ich versucht, hauptsächlich aus der „psychologischen“ Sicht auf die Welt zu schauen, bis ich gemerkt habe, dass das nicht ich bin und es mich nicht glücklich macht.

Denn wenn ich mir aussuchen kann, ob ich meine Gedanken und Energie damit verschwende, alles zu „zeranalysieren“ und es mit einem Sinn zu behaften, werde ich irgendwann komisch und ungenießbar. Mir persönlich gibt es zwar Selbstvertrauen, zu wissen, dass ich vieles analysieren, bewerten und durchschauen kann, aber danach leben möchte ich nicht. Viel mehr Spaß macht es, wenn man die Dinge mit Humor sieht und aus fast jeder Situation den (Wahn-)witz ziehen kann. Das Leben ist ohnehin schon ernst genug, warum es sich nicht selbst unterhaltsamer machen? So, jetzt ist Schluss mit dem Philosophie-Teil und wir kommen zum Kern der Sache.

Über die Jahre habe ich aber auch sehr viel über Sarkasmus und Ironie gelernt:
– Kaum jemand versteht ihn und sie.
– Viele Personen wollen gerne zwanghaft lustig sein und verwenden die Begrifflichkeiten in einem ärmlich wirkenden Zusammenhang, der Aufschluss über ihre Unwissenheit darüber gibt.
– Keine Satire ist besser als sich anbiedernde.
– Ironie und Sarkasmus ist ein Anzeichen von Intelligenz.
– Manche Menschen wenden ihn/sie an wie ein Elefant im Porzellanladen, was so viel bedeutet, dass
– Wiederum viele Leute nicht wissen, wann Ironie und Sarkasmus passend ist und wann nicht. (mehr dazu später)
– Sarkasmus wird oft für derbe Schmähs (Anm.: Wienerisches Wort für Scherz) zweckentfremdet. (Sexuelle Anspielungen, grauslicher schwarzer Humor,….). Wer mir nicht glaubt, kann gerne „sarkastischen Gruppen“ auf Facebook oder sonst wo beitreten. Wer sich dort länger als drei Stunden wohlfühlt, macht mir Angst.
– Das Leben ist angenehmer mit Humor.
– Zynische, ironische, sarkastische Menschen sind nicht zwangsläufig frustriert.
– Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie es sind.

Jetzt, wo ich euch mit jeder Menge Informationen über eh schon wissen gefüttert habe, kann ich euch auch gleich wichtige Lebenstipps auf eurem Weg mitgeben. Mir ist vor allem als Bloggerin aufgefallen, dass es manchmal an Feingefühl im Umgang miteinander hapert. Damit meine ich vor allem Kommentare in Gruppen, auf Internet- oder Social Media Seiten, etc.. Es ist okay, wenn man seinen Verstand ein paar Minuten lang ausschaltet. Wichtig ist nur, dass keine fremde Person, die man damit verstören könnte, in der Nähe ist. Auch nicht virtuell.

Wann und wie wende ich also am Besten Ironie und Sarkasmus an?

1. Ironische/sarkastische Kommentare auf ernst gemeinte Blogs
Da wir hier auf einem Blog sind, fange ich gleich mit dem Naheliegendsten an. Nichts freut Blogger mehr, als Kommentare, die einen Beitrag ins Lächerliche ziehen, der eigentlich ernst gemeint war. Das ist überhaupt nicht respektlos deinerseits, nein. Blogger sind keine Menschen und deshalb kann man sich ihnen gegenüber wie ein Affe im Bananenwald aufführen: Rau und wüst. Persönlich wertende Beiträge mit einem bösen Unterton sind auch immer sehr angemessen und führen sicher nicht dazu, dass du künftig ignoriert wirst. Vor allem, wenn du neu auf einer Plattform bist.
Es ist ja auch im Alltag so, dass man einfach zu Fremden geht und sie mit einer unpassenden sarkastischen Bemerkung „lustig“ anspricht. Das wirkt sehr reflektiert und wirft im Endeffekt ein sehr gutes Licht auf dich. Außerdem zeigt es, dass du sehr witzig bist, auch wenn niemand darüber lacht.

2. Sarkasmus/Ironie im Bewerbungsgespräch
90 Prozent der Firmen werden es toll finden, wenn du zeigst, wie ironisch du sein kannst. Wenn du Jobinserate genauer liest, kannst du sogar sehen, dass Sarkasmus eine Voraussetzung ist. Spare nicht mit Anspielungen, Andeutungen zwischen den Zeilen, Zweideutigkeiten und spitzzüngigen Bemerkungen. Fange am Besten schon beim Bewerbungsschreiben an, so kommst du ganz bestimmt zum persönlichen Gespräch.Sollte dein Gegenüber nicht verstehen, dass die Aussage sarkastisch gemeint war, sprich es darauf an. Beende den Satz mit: „Ach Sarkasmus. Der Humor der Intelligenten. Kann nicht jeder verstehen, schon klar.“

3. Sarkasmus/Ironie wenn es jemandem schlecht geht
Diese Art von Humor klappt viel besser in der direkten Kommunikation. Denn Mimik, Gestik und Tonfall unterstreichen die Absicht des Gesagten. Und ein helles Köpfchen wird darauf reagieren. Wenn es also jemandem schlecht geht und diese Person dir ihr/sein Herz ausschüttet, antworte einfach sarkastisch. Es ist, wie eingangs schon erwähnt, immer passend, böse zu reagieren, wenn das Gegenüber eigentlich was ernst meint. Warum also nicht angemessen reagieren, um zu zeigen, dass du auch lustig sein kannst, wenn jemand anders gerade weint. Du zeigst somit, dass du kein Trampeltier der Empathie bist und du wirklich weißt, wann es genug ist. Go for it! Es wäre nicht gut, wenn du der traurigen Person zuhörst und angemessen reagierst.

4. Sarkasmus/Ironie beim Kennenlernen
Ironie beim Kennenlernen (unabhängig von der Situation) ist total gut geeignet. So wirkst du sehr vertrauenswürdig und wie ein Mensch, der das Leben und seine Wesen ernst nimmt. Es ist nicht wichtig und richtig, dass du auch andere Seiten von dir präsentierst, die auch wichtig sind, um mit jemandem die Zeit verbringen zu können. Ironie ist kein Stilmittel, das man gezielt, bewusst und pointiert einsetzt, sondern man schlägt damit permanent um sich: Das hast du gut erkannt. Ziel eines Kennenlernens ist auch nicht Klarheit, sondern es geht darum, sein Gegenüber total zu verwirren, sodass es am Ende nicht mehr weiß, was man bei dir ernst nehmen kann und was nicht.

5. Sarkasmus/Ironie bei Kindern
Es ist wichtig, dass Kinder so früh wie möglich lernen, ironisch und sarkastisch zu sein. Sie verstehen das natürlich von Geburt an. Sarkasmus ist nämlich eine menschliche Gabe, die im 10. Nasenhaar von links residiert. Wenn man sich also die Nasenhaare trimmt, kann man nicht mehr sarkastisch sein. Also erzieht Kinder sarkastisch und lehrt ihnen, nichts und niemanden ernst zu nehmen. Du bist im Recht wenn du denkst, dass es nicht zu sozialer Kompetenz gehört, angemessen auf die jeweilige Situation im sozialen Kontext zu reagieren. Lustig sein geht IMMER bevor, egal wann. Das musst du auch deinen Sprösslingen lernen. Sie werden sicher verstehen, wenn du zwischen den Zeilen redest und nie das meinst, was du sagst. Sag nach jeder Aussage immer: „….am Gegenteiltag“. Das ist nicht nervig und/oder irritierend, sondern notwendig für eine gesunde Kommunikation.

Du siehst schon, Humor muss man einsetzen, wenn er gefragt ist und am Besten passt. Nimm dir kein Blatt vor den Mund, nur weil es nicht passend ist in einer zwischenmenschlichen Situation. Verwende diese Form von Humor ebenfalls für unter der Gürtellinie liegende Äußerungen und Scherze, die jenseits von Gut und Böse liegen. Das ist nicht zu viel, sondern genau richtig. Und wenn dir irgendwann die Menschen im Umfeld ausgehen, weil du sie alle persönlich beleidigt hast, dann gehe in die Anonymität des Internets und tobe dich dort aus. Am Besten unter einem Pseudonym, das unterstreicht, wie mutig und authentisch du bist.

Vielleicht wolltest du schon immer wissen, ob man von Sarkasmus schwanger werden kann?

Radschlagende Grüße,
Eure Nicole

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16 Gedanken zu “Psycho Logisch: Wann wende ich Ironie und Sarkasmus an?

  1. Das ist ein sehr guter Beitrag, gerade weil ich auch schon oft darüber nachgedacht habe. Die Tipps am Ende, muss ich sagen, haben mich etwas geschockt. Klar ist Ironie beim Kennenlernen nicht super geeignet, doch ich maße mir mal an, Leute diesbezüglich gut einschätzen zu können. Ich habe auch schon im Bewerbungsgespräch Ironie benutzt, allerdings war das erst nach einer halben Stunde und ich war verdammt sicher, dass es richtig ankommt.
    Ich bin auch sehr gerne zynisch, ich glaube bei manchen Gedichten sieht man das auch. Auf die Art der Ironie kommt es auch an. Ich denke, wenn man selbstironisch ist, kann man selten etwas verkehrt machen. Und wenn ich beim Kennenlernen, z.Bsp. jetzt im Studienauftakt, merke, dass Menschen mich auf der Ebene nicht verstehen, dann lasse ich es. Ich weiß dann aber auch, dass wir wahrscheinlich nie beste Freunde werden.
    Meinen besten Freund kann ich immer mit zynischen Kommentaren aufheitern 😉
    Liebe Grüße,
    Kai

    • Schockiert? Cool 😉
      Nein im ernst, warum?
      Für mich sind das einfach Situationen, in denen es sich einfach nicht gehört (im Normfall) Sarkasmus anzuwenden. Es gibt einfach Normen in der Welt, die sehr zweckdienlich sind, wenn unsere Gesellschaft funktionieren soll…..
      Ich taste mich schon auch an mein Gegenüber ran, ob es denn auch Ironie versteht. Wenn es da nämlich gar nicht tut, dann ist es auch schlecht, weil dann zu mir nicht passend. Gibt aber auch Situationen, wo ich nicht darauf aus bin, Freunde für’s Leben zu finden…..
      Und ich habe im Beitrag ebenfalls erwähnt, dass es sehr wichtig ist, dass man ein Gespür dafür hat, WANN und WO man jetzt ironisch sein kann….
      Da sind traurige Freunde, die darauf stehen, oder Recruiter die locker sind, nicht ausgeschlossen 🙂

      Meine besten Freunde sprechen auch fließend ironisch, sonst würden wir uns gegenseitig wahrscheinlich nicht aushalten. Es gibt jedoch auch eine Welt außerhalb der Ironie und aus Rücksicht auf die Vielfältigkeit der Menschen, begegne ich nicht jedem gleich sarkastisch/ironisch oder überhaupt ironisch. Vor allem nicht, wenn ich eine Person nicht kenne und sie einen Beitrag ernst gemeint hat…..

      Liebe Grüße,
      Nicole

      • Ja, das mit dem Funktionieren der Gesellschaft ist absolut richtig. Auch als Psychologin ist glaube ich Ironie im Arbeitsumfeld nicht gerade angebracht. Also, kommt natürlich auch auf die Arbeit an. Die Projektarbeit, die wir mit den Landschaftsbauern und Psychologen (Studenten) interdisziplinär durchführen sollen, wird ohne Sarkasmus wahrscheinlich eine Qual.

        Für mich funktioniert die Gesellschaft, aber das Leben ist nicht schön, ohne Ironie, Sarkasmus und ab und zu eine Prise schwarzen Zynismus. Bei manchen Menschen verwende ich Sarkasmus als Abwehr, wenn ich z.Bsp. in der Bahn dumm angemacht werde, manchmal öffne ich mich auf diese Art. Ist das für die Psychologin logisch oder wenigstens interessant? 😀

      • Du wirst es nicht glauben, aber die meisten Therapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter sind zynischer als Zyniker und Ironischer als Ironiker 😉
        Es kommt ganz auf das Gegenüber an: Manche Leute können über sich selbst lachen. Manche würden dich total entgeistert anschauen, wenn du ironisch wärst. Das muss man eben abschätzen. Und hier kommt wieder die Empathie ins Spiel, die ich an vielen Leuten vermisse.
        Natürlich kann man Sarkasmus auch als Abwehr sehen, aber auch als Bewältigungsmechanismus, oder als Sicht auf die Dinge, oder als guten Humor, oder als Facette von EQ oder IQ…..
        Natürlich, für mich ist alles was Menschen betrifft interessant! 😀

  2. Zynismus als Lebenshaltung ist überlebenswichtig. Egal, ob dir Alexander der Große oder ein Fünfjähriger vor der Tonne steht. Rücksichtnahme unterläuft den Sinn und Zweck der Übung doch völlig. 😉

  3. Natürlich bin ich in Vorstellungsgesprächen ironisch. Why not? Gibt doch nichts Besseres, als eine gleiche Humorebene zu finden. Und ich bin natürlich erst recht ironisch, wenn mein Gegenüber Forderungen stellt, die utopisch sind. Manche Sachen geben da doch herrliche Steilvorlagen:
    „Ist die Stelle unbefristet?“
    „Nein, sie ist erst auf ein Jahr befristet und wird dann zweimal je ein halbes Jahr verlängert.“
    „Traumstelle, wo kann ich unterschreiben?“

    Und unter Freunden, die einen kennen, muntert in einem ernsten Gespräch Ironie auf. Natürlich muss man Feingefühl haben, aber Ironie bedeutet doch nicht automatisch, dass man gegen jemanden ist. Manchmal kann man in einem Trostgespräch auch gut die Ironie des Schicksales herausarbeiten und den anderen damit zum Lachen bringen. Und gibt es einen besseren Trost, als gemeinsam über ein Missgeschick zu lachen?

    BTW: Eine Ironie, die in meinen Augen überhaupt nicht geht: Die „Habe-ich-ja-gar-nicht-so-gemeint“-Ironie. Ich finde, wenn man ironisch ist, dann muss man auch Arsch in der Hose haben, sonst ist sie einfach nur Charakterschwäche.

    • Why not? Weil es total unseriös und passiv aggressiv wirkt…. That’s why 😉 Aber wenn man nicht auf die Stelle angewiesen ist, kann man sich ja austoben. Bleibt ja jedem selbst überlassen, wie er/sie wirken möchte!
      Finde spannend, dass du Ironie mit Streit verbindest…..
      Ja, solche Verhaltensweisen sind letztklassig. Gibt es aber zuhauf 😉

      • Wahrscheinlich war er nicht witzig, oder ein „Insider“ über den eben nur Insider lachen können 😉 Ja schade, dann wirst du es auf dem Blog generell schwer haben… Außerdem bin ich verwundert, dass du dann den Text kommentiert hast, wenn du ihn nicht verstanden hast. Hmmmm…. Auf deine Frage: Das muss du bitte selbst nachlesen!

  4. Nun weiß auch ich Bescheid, dass ich unbedingt den Sarkasmus in jegliche Lebenssituation einbiden muss. Werde ich tun. Ich berichte dann davon, wenn sonst niemand mehr zuhört :p

Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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