Kolumne: Wie böse ist das böse Internet?

Da im Titel das Wort „böse“ noch nicht oft genug vorkommt, musste ich es nochmal erwähnen. Sorry! Wäre ich nicht mit halbem Herzen auch Bald-Wissenschaftlerin, würde ich sagen, dass einem das Leben manchmal Zeichen gibt. Denn in den letzten Wochen hat sich mir ein Thema mehr und mehr aufgedrängt (Wie ein betrunkener Typ, der sich um 3 Uhr in der Disko noch unbedingt ein Mädl abschleppen möchte – ein grandioser Vergleich und ich schweife ab). Zurück zum Thema, dem Thema: In letzter Zeit hat sich mir mehr und mehr eines präsentiert: Ein deutschsprachiger Kabarettist, der seit längerer Zeit auf Internet und Co verzichtet, so gut es geht und ich sehe ein Interview mit ihm. Ein Blogger-Kollege postet ein Video zu einem ähnlichen Thema. Ich lerne einen Mann kennen, der sich wehrt, Neue Medien und ein Smartphone zu nutzen, weil er sie als „böse“ und fehlerhaft sieht. Und ich mittendrin! Was soll ich also tun in dieser Feindlichkeit mir gegenüber (Wem es noch nicht aufgefallen ist: Ich bin Bloggerin), die überhaupt nichts mit mir zu tun hat, mich aber dennoch irgendwo berührt? Natürlich, eine Kolumne schreiben.

Dann gibt es aber auch noch massig Massen, die gerne den bedeutungslosen und nicht wahren Satz verwenden: „Ach, mir geht es nicht um die Follower, das ist doch nur eine Zahl. Mir geht es nicht um die Klicks, ich schreiben für mich.“ Abgesehen davon, dass das meist nur Leute sagen, die 30.000 Follower+ haben: Wer das auch nur denkt, der hat entweder ein äußerst komisch-zwispältiges Bedürfnis, oder merkt/weiß nicht, was ein Blog ist. Denn sobald man einen Blog hat, stellt man etwas online, dass von einem stammt. Wäre man NICHT daran interessiert, dass es jemand anders mitbekommt, würde man seine Texte auf Klopapier schreiben und dann runterspülen, oder Tagebuch führen, oder, oder. Also glaub ich niemandem, dass er/sie sich nicht über viele Leute freut, die seine Gedanken oder sein Tun gut finden. Angenommen zu werden, ist ein Urinstinkt des Menschen. Und solang man kein Affe ist, ist man Mensch. Und ja, Ausnahmen bestätigen die Regel! Außerdem kann man ab einem gewissen Grad nicht mehr wegdenken, dass man Follower hat und wie viele es sind. Je mehr Leute einem folgen, desto mehr Reichweite hat man. Was wiederum mehr Arbeit bedeutet und Verantwortung. Vorausgesetzt man wertschätzt die Menschen, die dazu beitragen. Natürlich kann man sich zurücklehnen und aufhören zu bloggen, oder sich nicht darum scheren. Man kann auch weniger Zeit als früher investieren, obwohl die Community immer größer wird. Doch das wäre doch verschwendetes Potenzial und irgendwie irrsinnig.

Wo wir schon beim nächsten Thema sind: Viele – auch wenn nicht fame – gute Blogger arbeiten kostenlos. Tagein, tagaus versorgen sie dich und mich mit gutem Content, ohne einen einzigen Cent dafür zu bekommen. Da wird doch das Mindeste sein, aus der Bequemlichkeit rauszukommen und ein Zeichen der Wertschätzung zu hinterlassen (sei es nun ein Stern in WordPress, ein Herz auf twitter, oder ein Emoji auf Facebook). Es ist wichtig und richtig, einem Menschen, der sich leidenschaftlich abrackert, ohne auch nur einmal „Danke“ zu hören, zu bestärken. Wer also kommt auf die Idee, dass „Likes“ wertlos und/oder überbewertet sind? Also ich habe mich noch nicht erwischt, aus einer Ablehnung heraus, ein „Gefällt mir“ zu vergeben.

Und wenn man sich etwas mit Social Media auskennt (und das ist nicht verkehrt, wenn man sich selbst Blogger nennt), dann weiß man auch, dass es gewisse Zahlen gibt, die Voraussetzung für Aufträge, Kooperationen etc. sind. Wenn jemand gerne schreibt und dafür bezahlt werden würde, um ein Leben lang über das zu schreiben, was er möchte ohne Vorgaben, wäre das eine Version eines Berufslebens, dass dem Leben einer Katze in einem niemals ausgehenden Whiskas Pool, gleicht. Inklusive freier Zeiteinteilung und sonstigem Luxus: Könnte man da sagen: „Nein danke, ich racker mich lieber zu Tode in einem Job, den ich nur mache, damit ich über die Runden komme. Ich überlasse das Blogger-Sein einfach deinen, die es mehr verdienen als ich. Ich bin Mutter Theresa, nur mit Bart.“

Da ich bisher zu blogspezifisch war, möchte ich zurückkommen zum Ursprung: Internet! Gleich vorweg möchte ich den simplen, aber wahren Spruch bringen: „Die Dosis macht das Gift.“ Was so viel heißt wie: Das Internet kann eine gute Sache sein, wenn du es bewusst nutzt. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, eine vom Menschen geschaffene Sache schuldig zu sprechen? Wenn ein Mensch sich nicht beherrschen kann, dann ist er selbst Schuld. Das Internet schafft neue Jobs (Stichwort Social Media), es verbindet Menschen, die sich früher niemals kennengelernt hätte. Gäbe es kein Internet, könnte ich viele Infos über mein Studium nicht beziehen. 99 Prozent nicht, um genau zu sein. Könnte viele Leute überhaupt nicht mehr sehen. Stichwort Soziale Netzwerke. Bezahlungen kann ich in Minutenschnelle online tätigen und überhaupt geht alles ganz schnell.

Ich weiß selbst, dass ich sehr viel Zeit meines Lebens online verbringe. Schon allein meines Blogs wegen. Doch es war schon von Beginn an so. Meine Familie war eine der 1. die Internet hatte im Umkreis und ich habe mich sofort verliebt. (Nicht in den Umkreis, nicht in das 1., sondern ins Internet). Ins Internet und seine Möglichkeiten. Ich bin in einem langweiligen Kuhdorf, mit fast nur Kühen (und ich meine jetzt bestimmt nicht komische Menschen damit) aufgewachsen und habe mich nach mehr gesehnt. Und das Internet hat es mir geboten: Mailfreunde, Chats, uboot.com (wer kann sich noch daran erinnern?). Wikipedia für Referate, sms.at, knuddels, usw.. Das Internet ist eine zweite Welt geworden. Nur haben das die Meisten noch nicht begriffen.

Wo mir das am Meisten auffällt, sind Facebook-Gruppen oder Gruppen allgemein. Mobbing ist kein Einzelfall mehr und wird als „Shitstorm“ abgetan. Kranke Menschen, die ihre Geistesabwesenheit im realen Leben verbergen (müssen), blühen im Internet richtig auf. Weil es derzeit noch ein wenig Anonymität bietet. Weil die Gesetze noch viel zu lose sind und sich unsere Gesellschaft noch nach entwickeln muss. Würde ich jemanden auf der Straße beschimpfen oder mich mit 30 anderen um ihn stellen und beleidigen und mobben, hätte ich eine Strafanzeige. Passiert dies im Internet, wenn man nicht zumindest ein C-Promi ist, wird nicht einmal in den Medien über einen „Shirtstorm“ berichtet. Dabei vergessen etwa 70 Prozent, dass man im Internet doch alles speichern kann. Im realen Leben aber nicht.

Seit das Internet mehr und mehr zu unseren Welt wird, hat auch jeder Mensch eine Stimme, die er laut und stark und auch lautstark vertreten darf. Damit meine ich, dass man, wenn man beispielsweise seriöse Quellen finden möchte zu einem Thema, sich durch 70 Prozent Müll wühlen muss. Ich merke es gerade wieder immens bei meinen Recherchen für meine universitäre Abschlussarbeit. Weil jeder, jederzeit alles behaupten darf. Mir graut es richtig, manche Seiten zu besuchen, weil dort einfach regelmäßig Halbwahrheit, Geklautes oder Derbes berichtet wird. Und doch muss ich immer wieder hinschauen. Eine Freundin von mir sagt immer: „Wie ein Autounfall“. Würde dieselbe Person sich auf den Balkon stellen und Gleiches tun, würde sie in die Irrenanstalt eingeliefert werden. Doch im Internet darf Horsti von nebenan so tun, als hätte er ein Studium in Psychologie und darf Menschen aufklären, was denn die „Besten 10 Dinge für ein besseres Leben….“ sind. Oder weil Erni seit einem Monat keine Schweine mehr schlachtet, weil sie gehört hat, dass Veganer sein cool ist, schreibt sie ab sofort Ernährungstipps. Von einer Medienausbildung darf man sowieso nur träumen. Leute, die Zitate einfach stehlen und sie als eigene verkaufen, beobachte ich jeden 3. Tag 10 Mal. Die 2 Tage dazwischen muss ich mich auskotzen.

Wie ihr sicher selbst wisst, das Internet hat viele Möglichkeiten für jeden. Aber bitte, bitte nutzt sie mit Hirn und Selbstreflexion! Was man einem Menschen face-to-face nicht zumuten würde, tut man auch im Internet nicht. Man stiehlt auch nicht: Weder online noch offline. Weder Ideen, noch sonst was. Wer keine eigenen Ideen hat, sollte auch nicht bloggen. Merke dir: Niemand zwingt dich! Außer du Leute, sich über dich zu ärgern. Und wenn du nicht mehr loskommst vom bösen Internet: Sei froh, denn es ist ein riesiger Bestandteil der Gesellschaft und du bist mittendrin statt nur dabei!

Mediale Grüße,
Eure Nicole

Text und Idee: Nicole Inez

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Platz für wertschätzend formulierte, reflektierte, zum Thema passende und nicht romanartige Äußerungen!

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