Warum fühlen wir uns selten gut genug?

Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard hat es sehr schön formuliert und auf den Punkt gebracht: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ In diesem Satz steckt sowohl das Problem, als auch die Lösung für unsere Frage: „Warum fühlen wir uns selten gut genug?“ Die Psychologie rund um den Selbstwert und das Selbstvertrauen ist komplex und reicht bis in unsere Kindheit und Erziehung zurück.

Fühlst du dich auch manchmal schlecht, oder zumindest nicht gut genug? Vergleichst du dich auch manchmal mit anderen? Und stellst dabei fest, dass sie besser sind? Hast du manchmal auch Angst, zu versagen oder bestimmten Anforderungen nicht gerecht zu werden? Dann ist dieser Artikel genau richtig für dich. Doch warum fühlen wir so? Warum denken wir so und zu welchem Handeln führt dies?

Lasst uns ganz vorne beginnen. In unserer Kindheit lernen wir, wie wir über uns denken sollen. Unsere Eltern und Familie sind maßgeblich an dem Aufbau unsere Selbstvertrauens und unseres Selbstwertes beteiligt. Als Kind sind wir abhängig von ihnen und ihrer Meinung über uns, ist für uns lebenswichtig – wir vertrauen ihnen blind und glauben ihnen alles. Das Gute und Schlechte an dieser Tatsache ist, dass wir dann fortlaufend im Leben, immer wieder Personen treffen, die uns unserem „gegebenen“ Wert entsprechend behandeln werden.
Was so viel bedeutet wie: Wenn dir deine Eltern immer das Gefühl gegeben haben, du bist ein Prinz oder eine Prinzessin, wirst du auch mit dieser Einstellung und Haltung durch das Leben gehen. Was wiederum Menschen anziehen wird, die dir diesen Eindruck bestätigen. Dieses Phänomen geht natürlich auch umgekehrt. Wenn dir deine Eltern das Gefühl gaben, du bist das Letzte, wirst du auch dementsprechend durch das Leben gehen.

Außerdem hast du von deinem Umfeld gelernt, wie du mit Erfolg oder Misserfolg umgehen kannst. Hast du gelernt, dass man neidisch auf andere ist, anstatt selbst hohe Ziele anzustreben? Hast du immer wieder gehört, dass immer nur die anderen das Glück trifft? Was hast du immer und immer wieder gelernt? Genau das sind nämlich die Einstellungen zum Leben, die du übernommen hast und die jetzt sogar ohne Zutun deiner Familie weiter in dir sind. Sie sind dein Drive, dein Mindest, so nimmst du die Welt wahr.

Viele von uns haben gelernt, sich mit anderen zu vergleichen, um zu wissen, wie wertvoll sie im Vergleich sind. Oder wie viel sie „können“. Andere wiederum nehmen andere als Ansporn, sich selbst zu verbessern. Das ist zwar schön und gut, aber dadurch entsteht Konkurrenzdenken und der Fokus nach Außen. Was wichtig ist: Dass du morgen besser bist, als du gestern warst. So kannst du dich auch realistisch vergleichen. Denn nur deine Maßstäbe und deine Vergangenheit können sich realistisch mit deinem jetzigen „Ich“ vergleichen. Sich mit anderen Menschen zu vergleichen, ist wie der Versuch, in einem runden Raum die Ecke zu finden. Es macht keinen Sinn. Auch wenn man bestimmten Leuten ähnlicher ist als anderen, hat niemand unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Des Weiteren fokussieren wir uns viel schneller auf unsere oder andere Schwächen, oder auf die Sachen, die gerade nicht (so) gut laufen. Dadurch verstärkt sich jedoch der Blick dafür und es erscheinen einem diese Aspekte des eigenen Lebens als viel bedeutender, als sie in Wahrheit sind. Die Linse auf den negativen Ereignissen lässt zudem den Blick wiederum auf die „Konkurrenz“ schwenken, um zu schauen, wie es der gerade geht und ob es der eh nicht besser geht.

Hinzu kommen noch die Medien, die uns vorgaukeln, wie perfekt denn nicht alles ist. Oder die „Happy-Kultur“, die uns das Gefühl vermittelt, dass man glücklich sein müsste und immer zufrieden mit sich selbst. Klar und verständlich, dass man sich dann komisch fühlt, wenn man sich nicht immer fröhlich fühlt, auch wenn die Welt darauf ausgerichtet ist, dass jeder immer funktioniert.

Deshalb: Mach dir keinen Kopf – du bist toll, so wie du bist! Fokussiere dich auf dich selbst und versuche zu ändern, was dir möglich ist. Schaue nicht neidisch auf andere, das bringt dich nämlich keinen Meter vorwärts, sondern eher zurück.

Liebe Grüße,
Eure Nicole

 

 

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