Psychische Probleme sind keine Schande – lass dir helfen!

Psychology2go

Wie ich bereits vor Tagen erwähnt habe, hat mich der Selbstmord des Leadsängers von Linkin Park, Chester Bennington, schwer getroffen. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen: Weil du uns fehlen wirst, Chester! Doch seine Verzweiflungstat ist nur eine von Millionen und bekommt Gehör, weil er reich, berühmt und erfolgreich war. Neben ihm gibt es aber noch unzählig viele andere verzweifelte Menschen, die depressiv oder anders psychisch gestört ihr Leben meistern. Nur weil jemand nach Außen hin ein „glückliches Leben“ zu führen scheint, muss dem nicht so sein. Was einzig und allein zählt, ist wie es in einem aussieht und ob man sich von seelischem Leid, dass man erfahren hat, wieder erholen kann. Dafür gibt es keine Standardformel, ob, wie schnell und in welchem Maße sich ein Mensch davon erholen kann. Doch jeder kann und soll sich helfen lassen, wenn er das Bedürfnis nach Hilfe hat. Das ist keine Schande, sondern eine große Stärke und Zeichen von gesunder Selbstfürsorge.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass psychische Probleme bei Weitem nicht dieselbe Beachtung erlangen, wie körperliche. Niemand wird schief angeschaut, wenn er wegen einer Verkühlung zum Arzt geht, doch ganz bestimmt, wenn man wegen Depressionen oder noch „schlimmeren“ oder unbekannteren Störungsbildern in Behandlung geht. Gut gemeinte Ratschläge und Unverständnis für die wahre Natur dieser Erkrankung prasseln auf den Betroffenen ein. Depression ist was es ist: Es ist eine psychische Erkrankung, eine Hemmung im Leben, ein Leid, das man sich nicht vorstellen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Und es ist vor allem eines: Ernst zu nehmen!

Es ist nicht feig, wenn man professionelle Hilfe sucht, sei es bei einem Psychotherapeuten oder einem Psychologen. Ich lasse hier bewusst Psychiater aus, da ich in diesem Feld keine Erfahrungen habe und aber auch weiß, dass ein Psychiater ein Mediziner ist und psychische Probleme aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, der nicht mein Zugang ist. Eine Psychiater muss Medizin studieren und darf somit auch Medikamente verabreichen, was er normalerweise auch tut gegen psychische Probleme. Das ist nicht mein Zugang, aber darum geht es in diesem Text nicht. Es ist aber in manchen Fällen auch eine gute Kombination aus Therapie und Medikation, die heilen kann.
Auf jeden Fall ist es richtig und wichtig, dass man zu einem Therapeuten geht, wenn man an sich selbst negative Veränderungen merkt. Vor allem, wenn man sich innerlich gegen das Leben entscheidet oder einem der Alltag nicht mehr sinnvoll erscheint.

Ich schreibe hier nicht von kurzzeitigen Verstimmungen, oder von einem schlechten Tag, auch nicht von Demotivation über einen längeren Zeitraum. Und ich kann euch auch versichern, dass euch bei einer Depression ein dümmlicher Ratgeber mit dem Titel „Wie komme ich in 10 Schritten aus der Depression“ nicht helfen kann.
(An dieser Stelle muss ich nochmal erwähnen, wie sehr ich es verachte, wenn selbsternannte Psychologen anderen Pseudotipps geben und somit eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung als lauen Sommerspaziergang mit ein paar Regentropfen und Wolken am Himmel darstellen, denen man durch Aufspannen eines Schirms entgegenwirken kann!
Schämt euch und das meine ich wirklich so, schämt euch, euch anzumaßen, zu wissen, wie es einem Depressiven geht und schämt euch, euch anzumaßen, ohne jegliche Ausbildung in diese Richtung anderen helfen zu wollen und damit alles noch schlimmer zu machen.

Denn: wie muss sich ein Mensch, der sich pathologisch nicht mehr des Lebens freuen kann, weil er einfach krank ist, wenn du schreibst, dass er einfach mehr raus gehen soll und sich am Leben freuen? Wenn er im Internet recherchiert, wie er sich helfen kann und dann von deinem Irrsinn liest, dass er einfach rausgehen soll und Freunde treffen und sich ablenken? Ich will gar nicht weitermachen, mit all den sinnlosen Tipps, die so im Internet kursieren. Wenn du im Internet Dinge veröffentlichst, dann sei dir gefälligst deiner Verantwortung bewusst und lasse Menschen die verzweifelt sind, nicht noch verzweifelter werden, weil sie deinen Wahnwitz nicht umsetzen können.

Wenn man merkt, dass es einem zusehends schlechter geht und man sein Leben nicht mehr bewältigen kann, dann braucht es keine schlauen Ratschläge, keine Verurteilung, dann braucht es Angehörige die da sind und dann braucht es professionelle Hilfe. Auch wenn man es in der Verzweiflung der Depression nicht mehr wahrnehmen kann, das Leben ist wertvoll und Wert gelebt zu werden. Denn wenn man die Dunkelheit überwunden hat, kommt auch wieder Licht!

Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass Depressionen gut behandelbar sind, wenn man sich darauf einlässt. Und ich möchte auch erwähnen, dass eine Depression nicht per se in Selbstmord endet.

Was versteht man eigentlich unter einer Depression (kurz zusammengefasst):

Eine Depression zeigt sich durch etwa folgende Symptome:
– Antriebslosigkeit
– Schuldgefühle
– Ängste
– Schlaflosigkeit
– Unruhe
– Selbstmordgedanken.

Um von einer Depression sprechen zu können, muss man eine bestimmte Anzahl der Symptome über einen längeren Zeitraum haben. Außerdem kann es zwischen Männern und Frauen Unterschiede geben, wie sich eine Depression auswirkt.

Männer: Reizbarkeit und Verstimmung, niedrige Impulskontrolle (schnelles Aufbrausen), Wutanfälle, Neigung zu Vorwürfen, geringe Stresstoleranz, hohe Risikobereitschaft….
Frauen: ziehen sich eher zurück, in sich gekehrt, grübeln, sind ruhiger als gewohnt…

Kurzfakten:

– Wahrscheinlichkeit Erkrankung Frauen: 10-25%
– Männern: 5-12%.
(Zahlen für Österreich)
– Durchschnittl. Erkankungsalter zwischen 25-44 Jahren.
– Dauer: ca. 6 Monate

Wer sich genauer informieren möchte, schaut hier nach:
http://www.icd-code.de/icd/code/F30-F39.html

Wenn du Hilfe brauchst, gibt es einige Nummern, die im Link aufgelistet sind:
http://www.hilfe-in-der-krise.at/index.php/notrufnummern.html

Liebe Grüße,
Eure Nicole

 

Besuche Nicole Inez – Deine PsychoLogin auch auf:

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Warum ist Veränderung von Zeit zu Zeit so wichtig?

Veränderungen,  Umstrukturierungen, Wandlungen und Neuanfänge: Das sind die lebenslangen Unwörter aller Jahre und zwar für sehr viele Menschen. Das Neue, Unbekannte und die Veränderung macht Menschen Angst, mehr als ihre Kontoauszüge, mehr als sonst was. Damit ihr mir jetzt vor lauter Bang nicht gleich beim ersten Absatz abspringt und euch unter der Decke versteckt, werde ich auf weitere Wörter der Veränderung verzichten. Und wenn ich ehrlich bin, ich habe ja selbst Angst davor. Doch ist das gut? Und warum ist das so?

In meinen Gedankenschemen, die ich von Klein auf gelernt habe, gehe ich einem Alter zu, indem man „sesshaft“ sein sollte. Eigentlich sollte ich schon verheiratet sein, seit Jahren denselben Job haben, mindestens ein Kind haben und mir gemeinsam mit meinem Partner ein Heim finanziert haben bzw. einen Kredit aufgenommen haben, um es bis ans Lebensende abzubezahlen. Ein Hund oder eine Katze und ein Familienvan wären nicht schlecht, damit das idyllische Bild eine schöne Abrundung bekommt. Und wenn das alles dann seine Perfektion erreicht hat, sind Veränderungen ausgeschlossen und die Entwicklung abgeschlossen. Krankheiten, psychische Phänomene, unglücklich sein und sich nach etwas anderem sehen sind allemal besser, als Veränderung.

Ich habe nichts gegen sesshaft werden. Im Gegenteil. Natürlich kann ich dem etwas abgewinnen, wenn man gewisse Fixpunkte im Leben hat. Vor allem finde ich es wichtig, sich über die Jahre einen stabilen Bekannten- und Freundeskreis aufgebaut zu haben (auch wenn es hier sehr wichtig ist, dass man sich von schädlichen Menschen trennt, egal wie schmerzhaft das auch sein kann). Auch ist es begrüßenswert, wenn man sich über die Jahre etwas aufgebaut hat und weiß, womit man die Vollkorn-Hirse-Brötchen auf seinem Tellerchen bezahlt. Kinder sind ebenfalls kein No-Go auf einem Lebensplan. Aber alle aufgezählten Dinge sollen für mich niemals zu einem Must have, weil das Alter es verlangt, werden.

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Und auch wenn ich so große Töne spucke, ist der rebellische Teil in mir in den letzten Jahren mehr und mehr verstummt. Ich sehe in einigen Bereichen meines Lebens Handlungsbedarf und verdränge es aber gerne. Das „Witzige“ an solchen Mechanismen ist ja, dass sich die Zeichen der Zeit einfach häufen, wenn man einfach weitergehen sollte und einen Entwicklungsschritt setzen sollte. Da passieren dann gehäuft Dinge, die einen schwarz auf weiß vor Augen halten, dass man sich beispielsweise bestimmte Umstände einfach nicht mehr gefallen lassen möchte. Die Siuationen, die einer „Versteckten Kamera-Situation“ ähneln, werden eine Regelmäßigeit. Sei es nun im Job, in Beziehungen, in der Wohnbedingung, oder gar in dem Umfeld (Ort) in dem man lebt.

Es geht eine zeitlang gut (für manche gar ein Leben lang), dass man sich Ereignisse schön redet und die Veränderung einem hinterherläuft. „Es ist ja nicht so schlimm, dass ich ständig unbezahlt Überstunden machen muss.“ „Ich höre einfach nicht mehr hin, wenn sie das nächste Mal wieder abfällig wird.“ „Sei nicht so sensibel, das ist ja nur halb so schlimm.“ „Du möchtest ja nur davonlaufen. Meinst du, wo anders ist es besser? Bestimmt nicht.“ „In einer Beziehung gehören solche Dinge eben dazu, man kann nicht alles haben.“ „Warte einfach ab und überstürze nichts, es wird sicher besser werden.“
Das sind alles beschwichtigende Worte unseres inneren Anteils, der nicht verlieren möchte, was bereits aufgebaut wurde. Der möchte auch das Gesicht und den Schein waren. Es passt nach Außen hin alles und solange es nicht offiziell wird, dass dem nicht so ist, verdränge ich. Er ist vorsichtig und überlegt einfach alles bis ins letzte Detail. Natürlich hat diese Seite in uns auch eine wirklich wichtige Funktion: Sie bewahrt uns vor impulsiven Handlungen, Kurzschlussreaktionen und unbedachten Entscheidungen.

Und doch sollte man diese innere Meinung von Zeit zu Zeit hinterfragen und Veränderung zulassen. Jeder Mensch ist anders, wenn es um Veränderungen geht und fast alle von uns sind Gewohnheitstiere. Das Meiste, was wir jeden Tag machen, läuft mehr oder weniger automatisiert ab. Wir leben einfach dahin. Diese Tatsache ist nicht weiter tragisch und diese Automatismen schonen unseren Organismus, sonst wären wir in einer Art Dauerfluchtreflex und hätten einen explodierenden Stresspegel.
Dennoch sollte der Rebell in uns, der Drang nach Lebendigkeit und Freiheit ebenso seinen Platz bekommen. Vor allem dann, wenn es uns über längere Zeit einfach nicht mehr gut geht. Der Teilbereich oder die Bereiche im Leben, die sich einfach nicht mehr richtig anfühlen, müssen (sofern man weiter geistig und körperlich gesund bleiben möchte) geändert werden. Nicht selten führen verdrängte Wünsche, Probleme, Sorgen und Hoffnungen zu Burnout oder Depression. Auch körperlich Erkrankungen können Ausdruck von verpasstem Leben und verschobenen Problemen sein.

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Was sind die Gründe, warum wir so ungern was verändern?

Angst. Der Hauptgrund heißt schlicht und einfach Angst. Auch wenn das, was derzeit ist, nicht mehr das ist, was wir uns vorstellen, macht uns die Ungewissheit einer Veränderung noch mehr Angst. Es könnte ja noch schlimmer werden. Es könnte sich auch durch die Veränderung nichts verändern. Und wenn man sich bewusst gegen etwas entscheidet, dann ist das auch wirklich weg.

Vermeidung. Ein weiterer Grund ist, dass Mensch alles vermeiden möchte, was mit Verlust, Schmerz, Auseinandersetzung oder überhaupt Emotionen zu tun hat. Das kann einem sehr nahe gehen und alte Wunden aus der Kindheit aufkratzen. Darüber wissen die meisten Leute nichts (mehr) und lassen lieber alles, wie es ist.

Bequemlichkeit. Es ist so schön, jeden Tag in den Trott zu erwachen. Die krechzende Stimme des Partners zu hören, auch wenn man sie am liebsten nie wieder hören möchte. Die Verfilzung der Haare und der vetraute Mundgeruch. Ein Traum. Man weiß ja zumindest, dass man nicht allein sein muss. Und das Kindergebrüll übertönt ja eh nach einiger Zeit die Stimme des Partners. Man braucht sich nicht um soziale Kontakte oder einen neuen Lebensgefährten bemühen, denn alles was man braucht, ist da: Essen, Zuneigung, gemeinsame Unternehmungen, gemeinsamer Trott, gemeinsame Menschen. Besser gemeinsam einsam, als bewusst allein.

Schein. Unsere Gesellschaft liebt und lebt oftmals lieber den Schein, als die eigentlich gefühlte Wahrheit. Es ist sehr oft wichtig, was andere von uns und unseren Entscheidungen halten könnten und was denn nun wäre, wenn man sich zeigt, wie man ist. Das ist vor allem in Jobs und kleineren Städten und vor allem am Land nicht erwünscht. Denn dann würden die Leute reden und sich „das Maul zerreissen“. Als Halblandmensch muss ich sagen, dass das nicht nur ein Gerücht ist, sondern es wirklich stimmt. Leute, von deren Existenz man nicht Mal gewusst hat, wissen was du nachts trägst.

Resignation. Vielleicht hat man auch versucht, etwas zu verändern, ist aber immer wieder gescheitert. Auf halber Strecke ging dann der Mut verloren, oder man wurde wieder schwach und ließ sich einsulen. Die Zukunft wäre in manchen Momenten vielleicht sogar schon zum Greifen nahe gewesen, aber im letzten Moment hielt man sich dann doch lieber am letzten Strohhalm fest. Nach dem x-ten Versuch hat man dann keine Kraft mehr und arrangiert sich mit der Situation. „Man macht das Beste daraus“ und „so schlimm ist es doch gar nicht“. Die Einstellung zu den Dingen macht ja bekanntlich sehr viel aus.

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Was in mir vorgeht, wenn ich an Veränderung denke!

Wenn ich in mich hineinfühle und merke, was sich nicht mehr stimmig anfühlt, dann bekomme ich als ersten Reflex Angst. Ich möchte nicht zustimmen, dass etwas nicht mehr passt. Weil ich mich schon daran gewöhnt habe, weil ich mir in meinem Gefühl nicht traue. Weil ich daran denke, dass es mit großen Mühen verbunden ist, etwas zu ändern. Mein Gehirn schaltet sich also sofort ein und verdrängt jeglichen Zugang zu meiner Inneren Stimme. 100 Argumente stellen sich ein, die mir verdeutlichen sollen, dass wir erstmal abwarten und Tee trinken. Die Hoffnung schleicht sich mit ein und verspricht mir Veränderung. Und die Gutgläubigkeit gesesellt sich dazu, um mir weiß zu machen, dass das alles ja gar nicht so schlimm ist.

Wenn ich weiß, dass große Veränderungen anstehen, dann werde ich eigenartig. Ich warte sehr lange ab und will es nicht wahrhaben. So lange es geht, mache ich Bögen darum. Ich rede dann mit vertrauten Personen sehr viel darüber und kann nachts schlechter schlafen. Für und wider werden abgewogen und Herz kämpft gegen Verstand. Und obwohl ich viele Techniken gelernt habe, wie man sich beruhigt, wie man sich einer Situation annimmt und sie akzeptiert. Obwohl ich weiß, wie man sich Dinge auch schön reden kann, bin ich viel zu sehr Mensch, um mir etwas ein- oder auszureden, anstatt die Realiät anzuerkennen und Maßnahmen zu ergreifen.

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Wie kann ich den Schritt zur Veränderung wagen?

Listen. Es klingt wahrscheinlich sehr banal, aber + und – -Listen helfen oft enorm weiter. Vor allem wenn du eine Person bist, die sehr rational lebt, hast du somit schwarz auf weiß deine Punkte. Oft wird dadurch ganz klar, welche Option vorne liegt. Wichtig ist hierbei, dass deine Gedanken ehrlich sein dürfen.

Ermutigungen. Wenn du zu einer Entscheidung tendierst und dein Herz „ja“ sagt, ist es sehr wichtig, dass du dir Zuspruch holst. Dazu musst du dich an Leute wenden, die wirklich hinter dir stehen und dir nicht aus Egoismus zu etwas raten würden. Oder du sprichst mit objektiven Personen darüber. Die haben nämlich nichts von deiner Entscheidung und werden dir einfach sagen, was sie empfinden.

Information. Wer nichts weiß, kann auch nicht bewusst entscheiden. Das ist kein Zitat, sondern meine Meinung. Wenn du keine Fakten zu einer bestimmten Sache einholst, kannst du auch keine Entscheidung fällen. Planst du z.B. einen Umzug? Dann musst du zumindest über deine Vorlieben, dein Budget und deine Verfügbarkeiten Bescheid wissen. Niemand sonst kann dir dabei behilflich sein, wenn es um Fakten geht, die für dich wichtig sind.

Realisierbarkeit. Ist dein Wunsch nach Veränderung realisierbar oder ist es eine Utopie, von der du nur nachts träumen kannst, weil einfach alles dagegen spricht. In welchem Zeitraum ist die Umsetzung möglich und wer könnte dir dabei helfen?

Austausch. Niemand ist jemals mit einer Situation allein. Und damit meine ich gar nicht, dass man immer und überall Freunde braucht. Damit meine ich, dass es immer Gleichgesinnte gibt, die vielleicht gerade ähnliches durchmachen. Vielleicht gibt es auch Leute, die das was dir bevorsteht, schon hinter sich haben und dir Tipps geben können.Und sobald die Verwandlung im Gange ist, kommen auch andere Menschen und Eindrücke in dein Leben.

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Mein persönlicher Mentor (auch wenn schon verstorben), ist Hermann Hesse. Seine Texte sind für mich so voll Wahrheit und sie geben mir Mut und Kraft, wenn ich vor einem Wegweiser stehe und eigentlich schon weiß, wohin ich gehöre und nur die Angst mich im Arm hält.

Stufen (Hermann Hesse)

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

 

Liebe Grüße,
Eure Nicole

#Psychologie#Veränderung

Text und Idee: Nicole Inez

Wie funktioniert gute Zusammenarbeit?

Gruppenarbeit, Zusammenarbeit, Projektarbeit…. Wie oft im Leben musstest du dich schon dieser Aufgabe stellen? Sobald man studiert, oder einen Job hat, bei dem man Kollegen hat, kommt man nicht drum herum, mit anderen zu arbeiten. Zusammen oder gegeneinander – beides ist möglich. Wo mehrere Menschen zusammentreffen, gibt es immer wieder die, die wahrhaftig das Wort Team als Abkürzung für „Toll, ein anderer macht’s“, leben. Doch welche Bausteine führen zu einer guten Zusammenarbeit? Was kann man versuchen, um eine Gruppenarbeit als erfüllend und bereichernd zu sehen?

1. Gruppenzusammensetzung

Oft kann man sich nicht aussuchen, mit wem man eine Arbeit schaffen muss. Manchmal ändern sich auch die Kollegen und man muss sich immer wieder auf neue Menschen und Herausforderungen einstellen. Hierbei kann es sich als hilfreich erweisen, wenn man in der Gruppe erst Mal herausfindet, wo denn die Stärken und Schwächen der einzelnen Mitglieder liegen.
Warum? So kann man die Aufgaben bestmöglich verteilen. Wenn jemand z.B. nicht gerne Power Point Folien macht, weil er einfach lieber recherchiert und darin die besten Ergebnisse erzielt, ist jedem im Team geholfen, dass jeder macht, was er am Besten kann.

2. Zielklärung

Hier möchte ich mit einem treffenden Zitat beginnen: „Kein Wind ist demjenigen günstig, der nicht weiß, wohin er segeln will.“ Das meine ich, gesagt hat dies aber Michel de Montaigne. Es kann kein gutes Ergebnis herauskommen, wenn man nicht weiß, wie eines aussehen soll. Was ist der Auftrag? Was wollen die einzelnen Mitglieder? Und wie lässt sich dies mit der Gruppe vereinbaren. Kompromiss lautet das Zauberwort. Jedoch nur im Sinne des Zieles und nicht der Befriedigung eigener Bedürfnisse. Wenn zum Beispiel Zenzi der Meinung ist, ihr Gesicht ist so hübsch, dass es auf jede Folie muss und sie beleidigt ist, wenn das nicht passiert, wäre es kein Kompromiss, dieser Selbstverliebtheit nachzugeben. Hätte Zenzi jedoch die Idee, eine bestimmte Infofolie einzubauen, weil sie der Meinung ist, das würde zum besseren Verständnis führen, ist das ein Fall zur Diskussion.

3. Umgangsformen

Wenn man mit anderen über längere Zeit zusammenarbeiten soll, dann ist ein wesentlicher Faktor, dass man respektvoll miteinander umgeht. Beispiele aus diesen Texten würden Harmonie eher stören: RotzerBessergestellte Menschen und Energievampire. Höflichkeit, Respekt, ausreden lassen, nachfragen, Bitten und Danken, Nachsicht…. sind hier ein paar der Schlagwörter, nach denen man sich richten kann, um das Miteinander auf der Beziehungsebene so angenehm wie möglich zu gestalten.

4. Aufgabenteilung

Jeder muss wissen, was er tun muss, sprich was seine Aufgabe ist. Dies sollte man so konkret wie möglich machen. Am Besten hat es sich bewehrt, wann man sich (wie bereits erwähnt) über die Stärken und Schwächen der jeweiligen Person unterhält. Auch Vorlieben in der Arbeit sind ein guter Indikator, dass das Bearbeiten der Aufgaben schneller geht, weil es der Person Freude bereitet. Wichtig hierbei ist, dass sich niemand über den Anderen stellt und meint, es besser zu wissen. Das ist pures Gift für die Kooperation.

5. Deadlines

Deadlines sind wichtiges Anhaltspunkte. Es gibt zwar Menschen, die schon Wochen vorher bereits das fertig haben, was andere die Nacht vor der Abgabe erledigen, aber wichtig ist letzten Endes, dass es zum bestimmten Termin so weit ist und nicht nach Belieben jedes Einzelnen. Jeder hat hier ein anderes Empfinden und es würde im Chaos ausarten.

6. Gemeinsamkeiten

Nach der getanen Arbeit, wie z.B. dem Zusammensitzen nach einer Diskussion, Planung oder Besprechung, tut es dem Team-Klima gut, wenn man danach noch gemeinsam etwas unternimmt. Die Aktivität kann auch eine kürzere sein, wichtig dabei ist nur, dass man sich gemeinsam für das Geschaffte belohnt. Das stärkt den Zusammenhalt. (Stichwort: Teambuilding). Wenn jedoch die zuvor genannten Punkte nicht erfüllt worden sind und es bereits zu Streit gekommen ist, dann wird Punkt 6 wohl eher ins Wasser fallen. Es ist auch gut möglich, dass man mit einer der Persönlichkeiten aus Punkt 3 zu tun hat. Dann wird es schwierig.

7. Feedback

Wenn sich Menschen und/oder ihre Arbeit weiterentwickeln sollen, dann ist Feedback unabdingbar. Hierbei ist zu beachten, dass man die Arbeit und nicht den Menschen bewertet. Jeder freut sich außerdem über Lob. Dies sollte nicht an den Haaren herbeigezogen sein, sondern ehrlich. Auf jeden Fall bringt eine Diskussion über die geleistete Arbeit weiter. Manchmal sogar neue Ideen.

8. Nachfragen

Viele Beziehungen scheitern an Missverständnissen, an nicht Ausgesprochenem, oder an Unstimmigkeiten. Wenn man bedenkt, dass es verschiedene Kommunikationsstile- und Typen gibt, ist das kein Wunder. Deshalb ist es immer wichtig, dass man nachfragt, wenn man etwas nicht verstanden hat. Oder man sich entschuldigt, wenn das Gegenüber sich durch etwas auf den Schlips getreten fühlt und man es nicht so gemeint hat. Oft vermutet man lieber Sachen, bevor man sie klärt. Das ist jedoch Gift für das Klima und es staut sich allmählich Frust an.

9. Mögliche Regeln

Je nach Größe einer Gruppe, kann es wichtig werden, dass man sich an Regeln hält. Somit bleibt überschaubar, was erlaubt ist und erwünscht. Das ist besonders von Vorteil, wenn man Mitglieder hat, die sich gerne vor Aufgaben oder Pflichten drücken. Dieser Punkt ist jedoch als optional anzusehen. Es gibt nämlich auch Settings in dem selbst reflektierte, kommunikative, respektvolle Menschen aufeinander treffen und es durch diese Dynamik einfach passt. Auch ohne Regeln, weil man Rücksicht nimmt.

10. Rückblick

Nachdem das Projekt beendet oder abgegeben worden ist, kann man gemeinsam Resümee ziehen: Was lief gut? Was nicht so gut? Was hätte man besser machen können? Was bedeutet das für künftige Arbeiten? Was habe ich selbst zum Team beigetragen? Was kann ich künftig besser machen, um einen Beitrag zu leisten?

Das waren die wichtigsten 10 Punkte, die ich aus jahrelanger Erfahrung aus der Arbeit in und mit Gruppen gezogen habe. Ich wünsche euch viel Spaß bei der Anwendung und viele gute Erfahrungen im Team.

 

Liebe Grüße,
Eure Nicole

 

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Text und Idee: Nicole Inez

 

 

 

Wie kann ich als Single einen romantischen Valentinstag haben?

Wie alles im Leben, kann man auch die Liebe käuflich und verkäuflich machen (ist denn das jetzt nun dasselbe?): Weihnachten, Ostern, Halloween, Valentinstag. Alle anderen Tage im Jahr stören mich, obwohl sie mir auch viel zu gehyped und verkommerzt sind, weniger als dieser eine Tag: Valentinstag. Tag der schmatzenden Schatzis, Tag der Liebesschwüre, Tag der fliegenden Büsche und Tag der wahren Liebe. Ginge es nach mir, würde er „Tag der Single-Diskriminierung“ heißen.

Ich bin ein Mensch, der auch zu nicht vorhandenen Anlässen romantisch sein kann und sich nicht gerne an ein Datum klammert. Außerdem gibt es viele Leute, die sich das ganze Jahr überhaupt nicht umeinander kümmern und sich dann zu „besonderen“ kalendarischen Daten mit materieller Liebe überhäufen.

Zielgruppen solcher punktgenauen Liebesüberhäufung kann man beispielsweise werden, wenn man seine Beziehung und sich selbst nicht reflektiert. Oder wenn man seinen Kopf nicht zum denken, sondern schminken oder bräunen hat. Oder man einfach nicht weiß, was Liebe ist und meint, sie 3 Mal im Jahr schenken zu können. Durch Gucci, Prada oder Satinunterwäsche mit Swarovski-Steinen.

Meinen Beobachtungen zufolge existieren viele Beziehungen aus Gewohnheit heraus, oder aus Abhängigkeit. Man kann sich ja rundherum betrügen, anstatt sich einzugestehen, dass es einfach nicht der richtige Partner sein kann, wenn man Sehnsucht nach was anderem hat. Hierzu möchte ich jedoch nicht näher ausführen. Ich kann nur aus trauriger Erfahrung sagen (zum Glück nicht über meinen Partner, da ich keinen habe), wie viel potenziell untreue Männer da draußen herumlaufen. Sicherlich auch viele Frauen, nur die graben mich eher selten an. Vielleicht wären deshalb auch jene Tipps hilfreich: Wie kann ich für meinen Partner interessant bleiben?

Was kann man also machen, wenn man keine Lust hat, eine verlogene Beziehung zu leben, oder sich einfach nicht auf irgendjemanden einlassen will, oder einfach so single ist, oder lieber mit Katzen sein Leben verbringt, oder einem der/die Partner(in) vor Valentinstag davonläuft? Wie kann ich dennoch als Single einen schönen Tag haben?

Da ich prinzipiell eine Frau bin und deshalb Erfahrungen aus dieser Sicht öfter erfahre, als aus der männlichen, schreibe ich für gewöhnlich eher weibliche Tipps. Heute bin ich aber sehr relaxed und kann mit Gender neutralen Tipps um mich schmeißen, als wären sie kostenlos.

10 Überlebensstrategien für Frauen und Männer:

  • Wenn du ein paar potenzielle VerehrerInnen hast, mit denen du sonst aber eher weniger Kontakt hast, beginne am Besten jetzt schon, den Kontakt zu suchen. Mache Anzeichen, dass du romantische Geschenke am Valentinstag haben möchtest. Sollte er/sie den Anschein machen, dass er/sie den Wink nicht versteht, zwinge ihn einfach dazu.
    + Chancen auf Geschenk erhöhen sich
    – Gewalt könnte gewaltsam wirken

 

  • Kannst du weder das Wort mehr hören, noch erwarten bis dieser Tag endlich vorbei ist? Dann könntest du beispielsweise auf einem satanischen Popkonzert arbeiten. Die Chancen, dort viele verliebte Paare zu treffen, halte ich für gering. Wer möchte, kann hierzu meine Erfahrungsberichte als Abo bestellen.
    + Du triffst eher wenig Schmusepaare
    – Vielleicht aber einige Irre

 

  • Ein alter, aber gar nicht so blöder Trick für Frauen und auch Männer mit Selbstvertrauen und Selbstachtung unter Null oder auch umgangssprachlich unterm Hund. Schicke dir einfach selbst Blumen oder ein Parfum nach Hause, damit du dann all deinen vergebenen FreundInnen von deinem imaginären Hansebär/Hansinemaus erzählen kannst.
    + Du bekommst Blumen/Parfum
    – Du bist extrem peinlich und niemand glaubt dir diese Story

 

  • Eine andere Sicht auf die Dinge könnte sein: Wenn ich es nicht habe, dann soll es ein anderer auch nicht haben. Flirte einfach monatelang zuvor einen vergebenen Typen/eine vergebene Typin an und versuche, ihn/sie für dich zu gewinnen. Hier geht es darum, dass DU nicht diejenige Person bist, die ihren Valentinstag allein verbringen muss, sondern jemand anders. Du musst ihn ja nicht behalten und danach kann ihn seine(n) Freund(in) wieder haben.
    + Vielleicht bekommst du so ein Date
    – Du bist ein sehr antisozialer, skrupelloser Mensch, der wahrscheinlich weder Partner noch Freunde hat

 

  • Manche Tage vergehen anders als andere. Oder langsamer. Wenn der Valentinstag zu lange dauert, dann kannst du dich entweder so sehr betrinken, dass du ihn nicht mehr mitbekommst, oder ihn einfach verschlafen.
    + Du verschläfst den ungewollten Tag
    – Du verpasst einen Tag deines Lebens

 

  • Wander in ein Land aus, in dem es diesen Tag nicht gibt. Leider bin ich zu faul, um zu recherchieren, ob es das gibt. Aber beschwer dich nicht, immerhin bin ich deine Ideen-Lieferantin für realistische und umsetzbare Tagesgestaltungen. Falls es ihn auf der Erde überall geben sollte: Flieg an dem Tag zum Mars. (Hierzu gibt es wirklich bereits Angebote). Heuer wird wahrscheinlich knapp. Vielleicht aber sind ab 2050 Plätze frei.
    + Du bist abgelenkt
    – Die Ablenkung ist eventuell ein wenig teuer

 

  • Hole dir 10 Katzen aus dem Tierheim und feiere mit ihnen den 14. Februar. Sie stellen keine Ansprüche und sind nicht enttäuscht: Egal, was du ihnen schenkst. Du musst aber bedenken, dass 10 Katzen viel fressen und viel Platz brauchen und auch einen intensiven Geruch verbreiten können.
    + „Ein Tier hat mich noch nie so sehr verletzt, wie die bösen Menschen es je tun könnten“, Zitat einer Animal-Hoarderin, welches mir noch in Gedächtnis geblieben ist aus einer Nachmittags-RTLII-Show.
    – Aus Tierschutzgründen eher unmöglich und bedenklich

 

  • Gehe in den Park und beschimpfe glückliche Paare auf wüste Art und Weise. Somit hast du eine Beschäftigung und der Tag vergeht auch. Wenn du ihnen danach oder davor erklärst, warum du das machst, wird dir auch keiner böse sein.
    + Du musst dir für diese Aktion nicht Mal Urlaub nehmen, weil Sonntag
    – Vielleicht wirst du die nächsten Wochen in einer geschlossenen Anstalt wegen Fremdgefährdung verbringen.

 

  • Suche dir noch schnell vor dem Valentinstag eine(n) Partner(in). Das geht ganz schnell, wenn man Null Ansprüche, Erwartungen und Sensibilität hat. Auf Online-Plattformen oder Tinder findest du sicher etwas für jeden Anlass.
    + Schnelle Wunscherfüllung
    – Du verarscht dich selbst. („Na no na net“ – österreichischer Ausdrück für:  Na klar ist das so. Ist doch offensichtlich).

 

  • Ich bin hier ja nicht die Sekretärin, dass ich meinen Gedanken permanent den Gefallen tue, und sie niederschreibe. Wo kämen wir da hin?
    + Anregung der eigenen Gedanken
    – Der 10. Tipp war eine Lüge

 

PsychoLogische Grüße;
Eure PsychoLogin

 

 

Radschläge

 

©Nicole Inez

 

 

Wie funktioniert eine Abhängigkeitsbeziehung?

„Ich kann ohne ihn nicht leben“. „Ich würde alles tun, damit sie mich nicht verlässt“. „Ohne dich kann ich nicht sein – mit dir bin ich auch allein.“ – Rammstein (aus „Ohne dich“). Was sich beim ersten lesen oder hören vielleicht als romantische Äußerung liest, kann auf den zweiten und kritischen Blick als ernst gemeinte Botschaft entpuppen. Und dann wäre das weniger lustig, wenn nicht sogar bedenklich. Schon Mal von einer Abhängigkeitsbeziehung gehört? Oder vielleicht schon selbst eine gehabt?

Was ist eine Abhängigkeitsbeziehung? Und wie äußert sich diese?

Als Erstes möchte ich gerne ein paar Bilder sprechen lassen, die euch fühl- und greifbar machen soll, wie man sich eine Beziehung dieser Art vorstellen kann:
Ein gemeinsamer Tanz in den Abgrund – Gemeinsam einsam – Zusammen und doch getrennt – Ich liebe es, dich zu hassen – Gemeinsam im sinkenden Lebensschiff untergehen, weil niemand davon abspringen kann…

Bestimmt kennt jeder von euch diese Paare. Diese Paare die einmal zusammen sind, dann wieder getrennt. Die Treffen für Treffen mit ihren Eskapaden überschatten, weil sie nicht Mal mehr in der Öffentlichkeit auf „heile Welt“ machen können. Oder jene, die einfach überhaupt nicht zusammenpassen, weil sie von verschiedenen Planeten kommen und sich weder sprachlich, noch emotional verstehen. Die Freunde, die immer nur unglücklich sind, aber darin scheinbar zu glücklich, um zu gehen.

Und so, wie die Beiden übereinander sprechen, würde man eigentlich meinen, sie reden von einer Person, die sie hassen. Doch es handelt sich um Liebe. Eine krankhafte Form der Liebe.
Beziehungsabhängigkeit kann man sich vorstellen, wie eine Sucht. Egal welche Sucht. Der Mechanismus ist derselbe.

Man braucht den anderen Menschen, ist ohne ihn nicht lebensfähig. Egal, was das Gegenüber tut, man kommt nicht los. Egal was man selbst tut, das Gegenüber kommt nicht los. Wobei das so zu einfach gesagt wäre: In einer Abhängigkeitsbeziehung gibt es nämlich fast immer einen Part, der mehr oder weniger den Ton angibt und sich mehr „erlauben“ kann. Der Gegenpart leidet dafür mehr als der andere.

Wie äußert sich eine solche Beziehung?

  • Schlechte Behandlung. Ein Part ist offensichtlich abhängiger vom anderen. Einer ist meist abwertend, verletzend und unnahbar und der andere spielt mit und fühlt sich als hilfloses Opfer. In Wahrheit ist der „stärkere“ Part auch abhängig. Denn er braucht jemanden, den er quälen kann.
  • Emotionale Gewalt. Dies geschieht meist durch Manipulation, Unehrlichkeiten, Erpressung, subtile Gesten und nicht selten auch durch ausgesprochene Drohungen.
  • Abhängigkeit. Egal, was die andere Person tut, man kommt nicht los. Würde das Gegenüber das Geschäft auf dem eigenen Kopf verrichten (bitte nur sinnbildlich verstehen), man würde sich nicht trennen. Es gibt also kaum Grenzen für unangebrachtes Verhalten.
  • Seelischer Schmerz. Bei Trennungen erleben die Betroffenen oft einen nicht auszuhaltenden Schmerz, den sie nicht ertragen können und somit wieder zurück müssen.
  • Fehlendes Eigenleben. Viele Abhängige haben sich nie ein eigenes, eigenständiges Leben aufgebaut. Sie brauchen immer jemanden, der sie emotional trägt. Jemanden, mit dem sie ihr (meist nicht vorhandenes) Leben teilen können.
  • Trennungswunsch. Es besteht mindestens von einem Part ein beständiger Trennungswunsch. Dieser geht oft vom Unterdrückten aus, da dieser mehr eingeengt wird, als der Bestimmende. Dieser wird jedoch kaum vollzogen.
  • Ersatz. Gleich wie bei Drogen, braucht die Person einen Partner. Ob das nun dieser oder ein anderer ist, ist eigentlich egal. Es geht nicht um die Person an sich und dass man sie liebt. Es geht einfach darum, nicht allein sein zu können. Wenn Ersatz gefunden wird, ist eine Trennung eher möglich.
  • Verzweifelte Suche. Da man irgendwann merkt, dass man nichts gemeinsam hat, versucht man, sich irgendwas zu erschaffen. In vielen Fällen sind das Kinder. In der Hoffnung, dass diese die Leere füllen oder etwas an der krankhaften Situation heil machen.
  • Ausflüchte. Hier tendieren Männer eher dazu, sich in Arbeit zu flüchten. Frauen nehmen oft den passiven Teil ein und warten, bis der Mann von seiner Flucht zurückkehrt. Wenn Frauen flüchten, dann fast immer mit einer Freundin, Kind oder einem Haustier. Sie können allein nicht leben.
  • Aggression. Eine Abhängigkeitsbeziehung ist immer von sehr viel Aggression und Emotion geprägt. Hier geht es bei beiden Seiten nicht um Liebe, sondern um Verletzungen aus der Vergangenheit, Erwartungen und Enttäuschungen. Liebe ist vielmehr das Gegenteil all dessen.

Doch wie kann es sein, dass Menschen in einer Beziehung bleiben, die sie ganz offensichtlich in den emotionalen und manchmal auch körperlichen und finanziellen Ruin treibt?

  • Die Beziehung zu den Eltern: Es rührt auf jeden Fall Mal von einer gestörten Beziehung zu dem jeweiligen Elternteil. Hatte ich beispielsweise einen Tyrann als Vater, werde ich mich solange Tyrannen als Partner suchen, bis ich meine Verletzungen aus der Kindheit geheilt habe. Hatte ich als Mann z.B. eine dominante Mutter, werde ich mir ebenfalls Frauen suchen, die mich dominieren. Ebenso lange, bis ich dieses Muster durchbrochen habe.
  • Erfahrungen der Vergangenheit: Wenn ich immer Beziehungen hatte, ihn denen ich schlecht behandelt wurde, dann werden mir viele Dinge, die gesunden Menschen auffallen, gar nicht mehr auffallen. Es fehlt ganz einfach der normale und gesunde Bezugsrahmen, den man nie hatte. Also gewöhnt man sich in einem gewissen Rahmen an die Behandlungsweise des Partners/der Partnerin.
  • Unterdrückte Gefühle: Natürlich fühlt jeder Mensch, der nicht durch Drogen oder Alkohol betäubt ist, wenn sich etwas nicht mehr richtig anfühlt. Doch das Beachten der Gefühle würde bedeuten, dass man daraus Konsequenzen ziehen müsste: Nämlich die Beziehung beenden mit all seinen Bequemlichkeiten und lieb gewonnen Routinen (seinen sie auch noch so pathologisch).
  • Verzerrte Wahrnehmung: Mit den Jahren stellt sich bei vielen unglücklichen Paaren eine objektiv betrachtet wahnsinnige Eigenschaft ein: Es wird alles schön geredet. Probleme, die Jahre zuerst unter den Teppich gekehrt wurden, existieren plötzlich nicht mehr. Und die 100 Eigenschaften, die einem am Partner nie gefallen haben, sind plötzlich „gar nicht mehr so schlimm“. Man hat sich darauf geeinigt, zusammen unter zu gehen. Nur nimmt man das jetzt nicht mehr wahr, weil man einen unausgesprochenen Pakt geschlossen hat.
  • Angst vor dem Leben: Abhängige Menschen wissen nicht, was es heißt zu leben. Sie existieren anhand der anderen Personen. Sie wissen oft nichts mit sich selbst anzufangen und haben große Angst, vor dem Leben und davor, darin allein zu sein. Deshalb ist es wichtig, immer jemanden zu haben, mit dem man sich „teilen“ kann.
  • Hoffnung auf Besserung: Es kann mitunter Jahre bis Jahrzehnte dauern, dass sich die Betroffenen Personen ernsthaft einreden können, dass sich der Partner ändern wird. Um 100 Prozent und dass dann die Beziehung harmonisch wird. Nicht beachtet werden hierbei die Tatsachen, dass sich Menschen ihn ihrem Wesen und in ihrem Grund niemals ändern werden. Außer sie wollen es. Doch ist es nicht Sinn einer Partnerschaft, dass sich jemand ändert.
  • Gemeinsame Verpflichtungen: Viele Abhängigkeitsbeziehungen stützen sich auf Kinder. Und viele gehen dann zu Ende, wenn die Kinder außer Haus sind. Weil dann nochmal nach Jahren klar und deutlich wird, dass man sich eigentlich eh nichts mehr zu sagen hat. Es gibt auch Häuser, Freunde, Arbeitsplätze und andere Investitionen, mit denen man sich binden kann, um der Abhängigkeit mehr Sinn zu verleihen.

 

Es ist schwierig bis unmöglich, als abhängiger Mensch aus dem Kreislauf auszubrechen. Außerdem ist es nur dann notwendig, wenn nicht nur die Menschen in der Beziehung an der krankhaften Form leiden, sondern auch das Leben an sich den Bach runtergeht. Dann ist es höchste Zeit sich einzugestehen, dass man etwas ändern muss. Und dann sollte man am Besten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Den Artikel möchte ich gerne mit einem Video und bezeichnenden Lied von einer meiner Lieblingsbands abschließen. Für mich stellt es klar diesen „Tanz der Abhängigkeit“ dar. Enjoy: You Don’t Know Love

 

Liebe Grüße,
Eure Nicole

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©Nicole Inez